Hunderte aufgebrachte Afghanen zogen in Kabul zum Präsidentenpalast. Die Menge skandierte «Tod für Amerika» und «Es lebe der Islam». Zwei Menschen wurden am Freitag nach Polizeiangaben während der Proteste erschossen, einer von bewaffneten Demonstranten. In Herat im Westen des Landes wurden nach offiziellen Angaben sieben Menschen getötet und 50 verletzt; in Chost im Osten starben zwei Menschen bei Protestaktionen.
In Kabul waren Sondereinsatzkräfte der Polizei aufgezogen, um Gewaltaktionen der Demonstranten zu verhindern. Die Elite- Polizisten in Schutzkleidung und mit Helmen besetzten Kreuzungen in der Innenstadt. Das Innenministerium erklärte: «Friedliche Demonstrationen sind ein Recht der Bürger. Wir appellieren aber eindringlich an unsere Landsleute, zu verhindern, dass die Proteste in Gewalt umschlagen.» Auch in der Stadt Dschalalabad im Osten des Landes kamen etwa 700 Menschen zu einer Demonstration zusammen. Ein weiterer Protestmarsch bildete sich in der Unruheprovinz Ghasni im Südosten Afghanistans.
Unsachgemäßer Umgang
Auslöser der Proteste war die Verbrennung von Koranen auf dem US-Stützpunkt Bagram bei Kabul. Der Koran gilt den Muslimen als direktes Wort Gottes und die Verbrennung des Buches als Gotteslästerung. US-Präsident Barack Obama bezeichnete den Zwischenfall in einem Schreiben an seinen afghanischen Kollegen Hamid Karsai als bedauerliches Versehen und bat um Entschuldigung. Karsai sprach von einem Akt der Ignoranz und Gedankenlosigkeit gegenüber dem Islam.
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