Donnerstag29. Januar 2026

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Tata Steel verlässt Europa

Tata Steel verlässt Europa
(AFP/Lindsey Parnaby)

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Der indische Mischkonzern stellt sein europäisches Stahlreich zum Verkauf.

Mit Stahl ist kein Geld mehr zu machen. Die Konsequenz: der indische Konzern verkauft alles, was er in Europa an Stahlfabriken und Stahlproduktion besitzt. Betroffen ist vor allem Großbritannien.

„Es ist egal zu welchem Preis wir verkaufen. Was zählt, ist einen Übernahmekandidaten zu finden“, sagt Koushik Chatterjee, Vorstandsmitglied von Tata in Großbritannien. Der indische Mischkonzern, der 88,7 Milliarden Umsatz macht und 580.000 Menschen beschäftigt, ist seit 2006 der größte Stahlproduzent in Großbritannien mit einer Einheit in Lothringen.

Wachstum und Konsolidierung

Die Situation der Tata Gruppe in Großbritannien gleicht der von ArcelorMittal. Die Stahlindustrie in Großbritannien entwickelte sich in den 50er Jahren. In Port Talbot, im Süden von Wales wurde eine riesige Anlage gebaut mit damals einem der größten Hochöfen Großbritanniens.

Es folgten Konsolidierung der Industrie und Verstaatlichung in den 60er und 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, dann die Re-Privatisierung Ende der 80er. Zehn Jahre später fusionierten die Briten mit den holländischen Konkurrenten zum Konglomerat Corus. 2006 kaufte Tata Corus. Wieder zehn Jahre später wirft Tata seinen europäischen Stahl auf den Markt und will nur noch raus aus Europa.

Radikaler Arbeitsplatzabbau

Bestätigt in seiner Analyse wird das Unternehmen durch die europäische Stahlvereinigung Eurofer. Ihren Zahlen zufolge sind im vergangenen Jahr in Europa 10.000 Arbeitsplätze abgebaut worden, davon die Hälfte in Großbritannien. Laut Eurofer hat die europäische Stahlindustrie in den vergangenen acht Jahren 92.000 Arbeitsplätze verloren.

Das ähnelt der Antwicklung von Arbed, die mit Aceralia und Usinor zu Arcelor und dann vor zehn Jahren zu ArcelorMittal fusionierten. Allerdings ist der unbestrittene Weltmarktführer wohl in der Lage, die derzeitige, weltweite Preiskrise – wenn auch nicht unbeschadet und nicht ohne deutliche Einschnitte – zu überstehen.

Hohe Verluste

Tata hingegen verzeichnet alleine in Großbritannien in den vergangenen fünf Jahren einen Verlust von umgerechnet 2,5 Milliarden Euro. Um aus der Verlustzone herauszukommen, hat Tata innerhalb seiner Stahlsparte Entlassungswellen ausgelöst.

Derzeit beschäftigt das Unternehmen in Großbritannien noch 30.000 Menschen. Tata führt als Begründung zum einen den Verlust an, zum anderen den von China ausgelösten Preiskrieg. Aber: Das Unternehmen spricht auch von einer bestehenden Überkapazität in Europa. Eine Äußerung, die so von anderen Stahlherstellern bisher nicht zu hören war.

Auch Hayange (F) ist betroffen

Seit 2014 versucht Tata, sich von seiner Langstahlsparte in Europa zu trennen. Zu ihr gehört auch das hochmoderne Werk im lothringischen Hayange. Tata stellt hier Eisenbahnschienen her, insbesondere für den Hochgeschwindigkeitsbereich. Wichtigster Kunde ist das französische Eisenbahn-Unternehmen SNCF.

Übernahme-Verhandlungen mit dem US-Unternehmer Gary Klesch für das Werk scheiterten. Ein anderes indisches Unternehmen, Liberty House und der französische Investitions Fonds Greybull Capital, der zwei Franzosen gehört, haben einige Werke übernommen.

Greybull Capital ist auch an Hayange interessiert, will dort auch investieren. Der Fonds traut sich viel zu. Unbestätigten Gerüchten zufolge soll er auch an der Anlage Port Talbot im Süden von Wales mit 4.000 Beschäftigten interessiert sein. Aus Port Talbot kommen die Vorprodukte, die in Hayange zu Eisenbahnschienen verarbeitet werden