Die Libyer haben die erste landesweite Wahl nach dem Sturz von Langzeitmachthaber Muammar al-Gaddafi zu einem Fest gemacht. Frauen stießen in den Wahllokalen Freudentriller aus und verteilten Schokolade. Männer machten das Victory-Zeichen. Vor Wahllokalen in der Hauptstadt Tripolis bildeten sich am Morgen lange Schlangen. Nur in einigen östlichen Städten gab es Störversuche von Anhängern der Föderalismusbewegung und Sympathisanten des alten Regimes. Der Allgemeine Nationalkongress löst den Übergangsrat ab, den Funktionäre und Aktivisten während der Revolution informell gebildet hatten. Die Abgeordneten sollen eine Übergangsregierung ernennen und die Wahl eines Verfassungsrates für Libyen vorbereiten.
Der Allgemeine Nationalkongress löst den Übergangsrat ab, den Funktionäre und Aktivisten während der Revolution informell gebildet hatten. Die Abgeordneten sollen eine Übergangsregierung ernennen und die Wahl eines Rates vorbereiten, der eine Verfassung für das nordafrikanische Land schreiben soll.
Wahllokale geschlossen
Im Osten Libyens konnten mehrere Wahllokale nach Angriffen von Gegnern der ersten demokratischen Parlamentswahl nicht öffnen. Das bestätigte der Vorsitzende der Wahlkommission, Nuri al-Abbar vor der Presse in Tripolis. Störaktionen wurden unter anderem in Brega, Gadamis, Adschdabija und einigen Vierteln der Großstadt Bengasi registriert.
Al-Abbar betonte jedoch, in 94 Prozent der Bezirke sei die Wahl normal abgelaufen. Einige der Wahllokale seien wegen logistischer Probleme geschlossen geblieben, hieß es. Noch in der Nacht seien frisch gedruckte Stimmzettel nach Libyen geflogen worden, hieß es am internationalen Flughafen von Kairo, wo eine libysche Maschine Zwischenstation machte.
Erfolgreiche Revolution
Einige Wähler fotografierten nach der Stimmabgabe ihre mit Tinte aus dem Wahllokal gefärbten Finger. Analog zum Ruf der libyschen Revolutionäre «Erhebe dein Haupt, du bist ein freier Libyer!» riefen sie dabei: «Erhebe deinen Finger, du bist ein freier Libyer!».
Übergangsregierungschef Abdel Rahim al-Kib sagte während seiner Stimmabgabe zu Reportern: «Die ganze Welt wurde überrascht vom Erfolg der libyschen Revolution, und genauso wird sie überrascht werden vom Erfolg dieser Wahl.» Auf die Frage nach den Störmanövern der Föderalisten sagte er: «Jeder hat das Recht auf seine eigene Meinung.» Die Föderalisten beklagen die angebliche Benachteiligung der östlichen Gebiete und streben eine weitgehende Autonomie an. Zum Boykott der Wahl haben auch Gruppen aus dem Osten aufgerufen, die meinen, die Zahl der aus ihrer Region besetzten Sitze im Nationalkongress sei zu gering.
Zu Demaart
Sie müssen angemeldet sein um kommentieren zu können