«Die Herabstufung spiegelt unsere Meinung nach die schlechter werdenden Wachstumsaussichten für Italiens Wirtschaft wider», begründete S&P den Schritt. Die zuletzt verabschiedeten Reformen reichten nicht aus, um gegenzusteuern. Der Regierung bescheinigte S&P eine mangelnde Handlungsfähigkeit.
Wegen der Herabstufung drohen Italien nun höhere Zinsen bei der Aufnahme neuer Kredite. Denn je schlechter die Kreditwürdigkeit, desto größer erscheint das Risiko, dass der Gläubiger sein Geld nicht wiedersieht. Dieses Risiko lässt sich der Geldgeber durch höhere Zinsen bezahlen.
Griechenland und Italien
Erst am Freitag hatte auch die Rating-Agentur Moody’s damit gedroht, Italien trotz der zuletzt verabschiedeten Sparpakete herabzustufen. Moody’s bewertet Italien in seinem eigenen Rating-System mit «Aa2» – und damit merklich besser als S&P. Hier fällt voraussichtlich im nächsten Monat die Entscheidung.
Italien hat nach Griechenland den zweithöchsten Schuldenstand in der Eurozone. Um dem entgegenzuwirken, hatte das Land zuletzt zwei Sparpakete im Volumen von mehr als 100 Milliarden Euro verabschiedet.
Schuldenmachen wird teuer
Ohnehin wird das Schuldenmachen für Italien immer teurer: Das Land hatte sich in der vergangenen Woche am Kapitalmarkt nur zu höheren Zinsen als zuvor refinanzieren können. Bei einer Versteigerung von Anleihen mit einer Laufzeit von fünf Jahren war die Rendite deutlich gestiegen – auf inzwischen 5,6 Prozent.
Italien leidet auch unter einem niedrigen Wirtschaftswachstum. Die OECD hatte in ihren jüngsten Prognose für das laufende Jahr Stagnation erwartet. Der Internationale Währungsfonds (IWF) senkte seine Erwartungen für 2012 von 0,7 auf 0,5 Prozent.
Gemeinschaftswährung sackt ab
Der Euro ist am Dienstag nach der Abstufung Italiens deutlich abgerutscht. Zeitweise kostete er weniger als 1,36 Dollar. Zuletzt notierte die europäische Gemeinschaftswährung wieder etwas über dieser Marke. Händler begründeten die Verluste mit der Abstufung Italiens durch die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) in der Nacht von Montag auf Dienstag.
Am Montagabend war der Euro wegen der positiv aufgenommenen Ergebnisse einer Telefonkonferenz der «Troika» aus EU, Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäischer Zentralbank (EZB) mit dem griechischen Finanzminister Evangelos Venizelos zeitweise über 1,37 Dollar gestiegen.
Zu Demaart
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