Donnerstag22. Januar 2026

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Neue Angriffe auf Tripolis

Neue Angriffe auf Tripolis
(AP)

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Die libysche Hauptstadt Tripolis ist in der Nacht zum Dienstag erneut von der Nato heftig angegriffen worden. Unterdessen melden Augenzeugen, dass die Unterstützung des Gaddafi-Regimes zunehmend schwinde.

Wie eine Bewohnerin der Stadt dem arabischen Nachrichtensender Al-Dschasira telefonisch berichtete, habe es mehrere laute Explosionen gegeben. Ziel der Angriffe sei auch das Areal gewesen, auf dem Machthaber Muammar al-Gaddafi residiert. Die Frau sagte, die Lebensumstände in Tripolis würden immer schwieriger. Es fehle etwa an Nahrungsmitteln und auch an Medikamenten.

Die Aufständischen in der westlibyschen Küstenstadt Mirsrata haben nach eigenen Angaben die Truppen Gaddafis aus den Randbezirken zurückgedrängt. Ein Rebell mit Namen Mohammed sagte dem britischen Sender BBC am Montag, die Aufständischen seien guten Mutes.

Hilfsgüter-Verteilung zurzeit unmöglich

UN-Nothilfekoordinatorin Valerie Amos rief zu einer Waffenpause auf, damit Hilfsgüter verteilt werden könnten. Ungeachtet der Forderungen der internationalen Gemeinschaft würden Zivilisten weiter angegriffen. Die Konfliktparteien sollten Zivilisten verschonen, verlangte Amos.

Die humanitäre Situation in Libyen werde immer schlimmer. Fast eine dreiviertel Million Menschen sei seit Beginn der Kämpfe Mitte Februar aus dem Land geflohen, sagte die UN-Nothilfekoordinatorin am Montag im UN-Sicherheitsrat in New York. Weitere 65 000 Libyer seien im eigenen Land auf der Flucht. Für viele gebe es kaum Nahrung und Wasser und nur unzureichende medizinische Versorgung. Weil auch Benzin knapp sei, hängen laut Amos Zehntausende an den Grenzen fest.

«Die weitreichenden Kürzungen lähmen das ganze Land. Das wird den größten Teil der Bevölkerung noch über Monate betreffen», sagte die Britin. Nach ihren Worten können die Vereinten Nationen keine zuverlässigen Angaben machen, wieviele Menschen bei den Kämpfen zwischen Truppen des Machthabers Muammar al-Gaddafi und Aufständischen ums Leben gekommen seien. Die humanitären Probleme würden aber mit jedem Tag größer.

Unterstützung für Gaddafis Regime schwindet

In Libyen mehren sich die Indizien dafür, dass der Kreis der Unterstützer von Machthaber Muammar al-Gaddafi schrumpft. Ein Augenzeuge berichtete am Dienstag aus Tripolis, in der Hauptstadt sei an einigen Schulen die Fahne der Aufständischen gehisst worden. In den vergangenen Tagen habe es zudem mehrfach nächtliche Razzien und Verfolgungsjagden gegeben.

Die Opposition berichtete von kleineren Demonstrationen in den Stadtteilen Souk al-Dschumaa und Tadschura. Die staatliche Nachrichtenagentur Jana meldete, die Nato habe in der Nacht mehrere zivile Ziele in der Hauptstadt angegriffen, darunter zwei Gebäude der Justizbehörden.

In Abu Dhabi hatten sich am Montag 80 Mitglieder von Kommunalräten aus Bezirken im Westen und Süden von Libyen getroffen. Zum Abschluss ihres Treffens in der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate bekundeten sie am Abend ihre Unterstützung für den Nationalen Übergangsrat. Der Rat war in den ersten Wochen des Aufstandes gegen Gaddafi von den Aufständischen in der östlichen Stadt Bengasi gebildet worden. Das Treffen der Kommunalräte stand unter dem Motto «Für ein freies Libyen».