In Madrid kamen nach Angaben des spanischen Innenministeriums 65.000 Demonstranten zur zentralen Kundgebung, in Portugal hatten auf Facebook mehr als 50.000 ihre Absicht bekundet, in Lissabon gegen Sparbeschlüsse zu protestieren, die für viele die Streichung von Urlaubs- oder Weihnachtsgeld bedeuten. Auch in 40 weiteren Städten Portugals kam es zu Protesten.
In Madrid sagte Gewerkschaftschef Ignacio Fernandez Toxo, die Regierungspolitik verursache zu große Schmerzen. «Es ist eine Lüge, dass es keine andere Möglichkeit zur Wiederherstellung der Wirtschaft gibt», fügte er hinzu und forderte ein Referendum über die Sparmaßnahmen, weil diese etwas ganz anderes als die Wahlversprechen der konservativen Volkspartei seien. Ministerpräsident Mariano Rajoy hatte vor seinem klaren Wahlsieg im November erklärt: «Ich habe nicht die Absicht, die Steuern zu erhöhen.» Am 27. September will er einen neuen Plan zur Reform der Wirtschaft vorlegen. Toxo sagte, da Rajoy eine ganz andere Politik versprochen habe, habe das Volk das Recht, seine Meinung dazu zu äußern.
Millionen protestieren in Portigal
Mehr als eine Million Menschen haben in Portugal und Spanien gegen die harten Sozialkürzungen zur Rettung des Euro demonstriert. In Portugal forderten die Demonstranten am Samstag den Rücktritt der Mitte-Rechts-Regierung, in Spanien eine Volksabstimmung über die Sparpolitik. Doch während in der portugiesischen Regierung Zweifel am eigenen Kurs wachsen, will Madrid die Maßnahmen sogar noch verschärfen.
Alleine in Portugal beteiligten sich nach Medienschätzungen mehr als eine Million Menschen an den Kundgebungen in 40 Städten. Die Zeitung «Público» sprach am Sonntag von der größten Demonstration seit dem Ende der Diktatur 1974. Die Protestmärsche standen unter dem Motto «Zum Teufel mit der (Geldgeber-)Troika! Wir wollen unser Leben». «Eine brutale rote Karte» für die Regierung von Pedro Passos Coelho, titelte das Massenblatt «Correio da Manha».
In Aveiro 200 Kilometer nördlich von Lissabon setzte sich ein Demonstrant in Brand. Er wurde dabei schwer verletzt.
Spanien hat die viertgrößte Wirtschaft in der Euro-Zone. Das Land steckt aber in einer Rezession und hat mit einer Arbeitslosigkeit von 25 Prozent zu kämpfen. Um die kriselnden Banken zu retten, akzeptierte Rajoy ein Hilfspaket mehr als 100 Milliarden Euro. Gleichzeitig muss er das Staatsdefizit senken.
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