Mittwoch28. Januar 2026

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Mehr als 200.000 gehen auf die Straße

Mehr als 200.000 gehen auf die Straße
(dpa)

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Es sind die größten Proteste seit etwa 20 Jahren. In Moskau demonstrieren etwa 200.000 Menschen gegen und für Regierungschef Wladimir Putin.

Bei zwei Großdemonstrationen in Moskau haben Gegner und Anhänger von Regierungschef Wladimir Putin jeweils Zehntausende Menschen auf die Straße gebracht. Bei einer Gegenkundgebung von Anhängern Putins protestierten vor allem Beschäftigte von Staatsunternehmen sowie Lehrer gegen die Gefahr einer Revolution. «Putin ist super!» und «Chaos – nein, Putin – ja!» war auf Transparenten zu lesen.

Die Temperatur lag bei knapp minus 20 Grad Celsius. Der Radiosender Echo Moskwy sprach von einem «Zahlenkrieg» bei dieser vom Machtapparat inszenierten Gegenkundgebung. Staatsmedien berichteten, in der russischen Hauptstadt hätten deutlich mehr Menschen für Putin als gegen ihn demonstriert.

Oppositions-Demo

Genau einen Monat vor der Präsidentenwahl am 4. März forderte die Opposition eine ehrliche Abstimmung und mehr politische Freiheiten. An der Kundgebung nahm auch der Multimilliardär und Präsidentenkandidat Michail Prochorow teil, der Putin in eine Stichwahl zwingen will.

Die Demonstranten, darunter viele Bürgerrechtler und Intellektuelle, forderten aber vor allem auch die Zulassung des von der Abstimmung ausgeschlossenen prominenten Oppositionspolitikers Grigori Jawlinski. Der Mitbegründer der liberalen Jabloko-Partei forderte die demokratisch gesinnten Kräfte in seiner Rede zur Einheit auf.

Unterstützung für Putin

Das Innenministerium sprach von 138.000 Teilnehmern allein bei der Pro-Putin-Aktion. Die Zahl der Demonstranten bei der Oppositionskundgebung gaben die Behörden dagegen mit 36.000 an. Das seien noch mehr Regierungsgegner gewesen als bei den vorherigen Oppositionsprotesten am 10. und 24. Dezember. Die Organisatoren der oppositionellen Demonstration sprachen von etwa 120.000 Teilnehmern.

Die Behörden hatten erstmals einen Protestzug der Opposition mit angemeldeten 50.000 Demonstranten durch das Zentrum zugelassen. Putins Gegner fürchten, dass der Regierungschef bei einer gefälschten Wahl zum dritten Mal in den Kreml einzieht. Er war bereits von 2000 bis 2008 Präsident.

Stabilität gefordert

Die Pro-Putin-Aktion hingegen stand nach Angaben der Organisatoren von der kremltreuen Partei der Patrioten im Zeichen der Stabilität. Das Lager des Regierungschefs hatte nach Bekanntwerden der Oppositionspläne für neue Massenproteste erstmals die Initiative ergriffen, nicht mehr nur den Andersdenkenden den politischen Kampf auf der Straße zu überlassen.

Putin selbst hielt sich am Samstag in der Stadt Tscheljabinsk rund 1900 Kilometer östlich von Moskau auf. Falls die Organisatoren der Pro-Putin-Demonstration eine Strafe dafür zahlen müssten, dass mehr Unterstützer kamen als angemeldet, sei er bereit, Geld beizulegen, sagte der Präsidentenkandidat. Bereits zuvor hatte er betont, er sei wie seine Unterstützer gegen eine Revolution in Russland.

Hohes Sicherheitsaufgebot

In der Hauptstadt waren 9.000 Sicherheitskräfte im Einsatz. Die Agentur Interfax meldete aus zahlreichen Städten Kundgebungen mit insgesamt mehreren tausend Teilnehmern.