Jahr um Jahr überweisen die Schweiz und Luxemburg Millionenbeträge an das europäische Ausland. Grund dafür ist eine EU-Direktive, die beide Länder dazu verpflichtet, Zinseinkünfte ausländischer Sparer zu besteuern und einen Teil der Steuern an das Heimatland des Sparers zu überweisen.
Als das Tageblatt sich jedoch für Mitte Juni für die genau Höhe dieser Überweisungen interessierte, gaben Finanzministerium und Steueramt keine präzise Auskunft.
Weniger Steuern fließen ans Ausland
Lediglich die Summen von 36,2 und 29,5 Millionen Euro, die Belgien für 2009 und 2010 zustehen – und die bereits durch die belgische Zeitschrift Le Soir veröffentlicht worden war – bestätigte das Finanzamt. Außerdem hieß es, an Deutschland und Frankreich fließen dieses Jahr zusammen 56,3 Millionen Euro an Steuern aus 2010. Letztes Jahr seien es 62,6 Millionen gewesen.
Die Schweiz zeigte sich transparenter. Das eidgenössische Finanzdepartement veröffentlicht diese Daten regelmäßig im Internet. Nun zog das luxemburgische Finanzministerium nach. Auf Anfrage des grünen Abgeordneten François Bausch hin, legte das Finanzministerium die Liste der Überweisungen aufgeschlüsselt nach Ländern vor und veröffentlichte sie auf seiner Internetseite.
98,304 Millionen Euro fürs Ausland
Insgesamt überwies Luxemburg dieses Jahr 98,304 Millionen Euro. Im Vorjahr waren es noch 122,954 Millionen. Der Betrag sank also um gut 20 Prozent.
An Deutschland ging für das Jahr 2010 ein Betrag von 45,118 Millionen Euro. 2009 waren es 53,653 Millionen. Für Frankreich waren es 8,963 bzw. 11,253 Millionen.
Auch an die Niederlande, Schweden, Großbritannien, Spanien und Italien überwies das Großherzogtum mehr als eine Million. Mit dem Betrag von 55 Cent ist die zur britischen Krone gehörende Karibikinsel Montserrat Schlusslicht der Länder, die Geld von Luxemburg erhalten.
Luxemburg erhob in 2009 und 2010 auf den Zinserträgen ausländischer Anleger eine Steuer von 20 Prozent. Davon werden nur drei Viertel an das Heimatland überwiesen. Aus den Zahlen lässt sich deshalb schließen, dass der luxemburgische Fiskus auf diese Art und Weise fast 33 Millionen Euro an Einnahmen verbuchen konnte.
Es bleibt abzuwarten, wie es sich im nächsten Jahr verhalten wird. Ab dem 1. Juli 2011 werden Zinserträge mit 30 Prozent besteuert statt wie bisher mit 20. Hinzu kommt, dass die Zentralbank ihren Leitzins dieses Jahr bereits zweimal angehoben hat, was die Banken dazu veranlasst, ihren Sparzins zu erhöhen.
Zu Demaart
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