Auch die Reederei des 114.500 Tonnen schweren Kreuzfahrtschiffs ging von menschlichem Versagen aus: Costa Kreuzfahrten warf Kapitän Francesco Schettino am Montag vor, Bestimmungen des Unternehmens missachtet und damit die Havarie verursacht zu haben. Bis zum Dienstagmorgen stieg die Zahl der Toten auf sieben. Die Suche nach zuletzt 29 Vermissten wurde auf unbestimmte Zeit unterbrochen, weil das auf einen Felsen aufgelaufene Schiff um mehrere Zentimeter abgerutscht war.
«Die Firma steht dem Kapitän bei und wird ihm alle notwendige Unterstützung gewähren. Aber wir müssen den Tatsachen ins Auge sehen und können menschliches Versagen nicht bestreiten», sagte Costa-Kreuzfahrten-Chef Pier Luigi Foschi in Genua. Schettino, der seit 2002 für die Reederei arbeitet und 2006 zum Kapitän ernannt wurde, habe die Bestimmungen des Unternehmens verletzt und das Unglück verursacht. Schettino habe mit dem Riesenschiff zu nahe vor der Küste gekreuzt. Das schwimmende Kleinstadt mit mehr als 4.200 Menschen an Bord war am Freitagabend vor der Insel Giglio auf einen Felsen gelaufen und gekentert.
Falsche Route
«Die Route des Schiffs führte offenbar zu nahe an der Küste vorbei, wobei sich die Einschätzung des Kapitäns für einen Notfall nicht mit den von Costa vorgegebenen Standards deckte», hieß es bereits in einer in der Nacht verbreiteten Erklärung des Unternehmens.
Der toskanische Staatsanwalt Francesco Verusio bestätigte, dass der von dem Unglücksschiff gerammt Felsen eindeutig auf Karten vermerkt sei, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa. Der Kommandant der «Costa Concordia», Francesco Schettino, hatte behauptet, die Felsen seien nicht eingezeichnet. Er war festgenommen worden und soll am Dienstag vernommen werden.
Costa ist eine Tochter des Kreuzfahrtriesen Carnival Corporation & plc. Der Konzern wurde an der Londoner Börse massiv abgestraft. Das Papier fiel in der Spitze um knapp 29 Prozent auf ein Zweieinhalb-Jahrestief. Carnival geht davon aus, dass sein Ergebnis 2012 allein durch den Ausfall der «Costa Concordia» um etwa 90 Millionen Dollar gemindert und das Schiff für den Rest des Jahres oder länger nicht einsatzbereit sein wird.
Schweres Versagen
Bereits vor der Reederei hatten die italienischen Behörden schwere Vorwürfe gegen den Kapitän erhoben. «Nach meiner Einschätzung handelt es sich um schweres menschliches Versagen mit dramatischen und tragischen Folgen», sagte Verteidigungsminister Giampaolo Di Paola, der selbst Admiral der italienischen Marine ist.
Die Staatsanwaltschaft wirft dem Kapitän Totschlag vor und beschuldigt ihn außerdem, das Schiff verlassen zu haben als noch Passagiere an Bord waren. Nach Angaben der Küstenwache weigerte sich Schettino auf sein Schiff zurückzukehren. Schettino sagte zu seiner Verteidigung, die «Costa Concordia» habe einen nicht in den Seekarten verzeichneten Felsen gerammt. Auch das Navigationssystem habe das Hindernis nicht erkannt.
Black Box
Mehr Details zum Hergang des Unglücks erhofft man sich von der Auswertung der Blackbox des Schiffs, die ähnlich wie in Flugzeugen die Kommunikation auf der Brücke und Steuerbefehle aufzeichnet.
Costa-Kreuzfahrten sicherte den Opfern der Schiffshavarie Entschädigung zu. «Wir nehmen mit jedem einzelnen Gast Kontakt auf», hieß es. Die Bergung des Wracks wird nach Einschätzung von Hans Hopman, Professor für Schiffsbau an der Technischen Universität Delft, möglicherweise Monate dauern.
Keine Stonierungen
Die Havarie der «Costa Concordia» hat Kreuzfahrturlauber in Luxemburg nicht zur Stornierung ihrer Reisen bewogen. «Wir können noch keinen Buchungsrückgang aufgrund des Vorfalls verzeichnen», heißt es von Reiseanbietern in Luxemburg.
Zu Demaart

















Sie müssen angemeldet sein um kommentieren zu können