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Im Regen durch Havanna

Im Regen durch Havanna
(Reuters/Carlos Barria)

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Zum ersten Mal seit fast 90 Jahren besucht ein US-Präsident Kuba. Bei Obamas Empfang am Flughafen war Staatschef Raúl Castro nicht anwesend.

Geschichtsträchtiger Moment auf Kuba: Erstmals seit der Revolution von 1959 besucht mit Barack Obama ein US-Präsident den sozialistischen Karibikstaat. Die Air Force One mit Obama, First Lady Michelle und ihren Töchtern Malia und Sasha landete am Sonntagabend (MEZ) am Flughafen von Havanna.

Damen in Weiß
Die Damen in Weiß (spanisch: Movimiento Las Damas de Blanco „Laura Pollán“) sind eine Gruppe kubanischer Frauen. Sie setzen sich in ihrem Heimatland für die Beachtung der Menschenrechte ein und haben sich 2003 gegründet. Bei den Mitgliedern handelt es sich um Angehörige und Lebenspartnern von 79 regierungskritischen Journalisten, Oppositionspolitikern und Menschenrechtsaktivisten (der sogenannten „Gruppe der 75“), die im Rahmen des kubanischen „Schwarzen Frühlings“ verhaftet und zu langjährigen Haftstrafen verurteilt wurden. Die Gruppe streitet seitdem mit der kubanischen Regierung über deren Befreiung. Die Damen in Weiß sind Kubas bekannteste Menschenrechtsgruppe.

«¿Que bolá Cuba?», («Wie geht’s, Kuba»), twitterte er in landestypischer Mundart bei seiner Ankunft. Obama Visite gilt als symbolischer Höhepunkt der Annäherung an den früheren Erzfeind.

Geschäftsreise

Am Flughafen wurden Obama von ranghohen Regierungsvertretern Kubas wie Außenminister Bruno Rodríguez begrüßt – allerdings nicht von Staatspräsident Raúl Castro. Dessen Abwesenheit betrachtete das Weiße Haus indes nicht als Affront. Castros Erscheinen sei «nie erwogen oder besprochen» worden, sagte Obamas Vize-Sicherheitsberater Ben Rhodes in Washington. Stattdessen will der kubanische Staatschef den hohen Gast am Montag im Palast der Revolution in Havanna begrüßen.

Begleitet wird Obama neben seiner Familie von rund 40 Abgeordneten und einer Delegation von Geschäftsleuten aus den USA, die nach der politischen Öffnung in Kuba Fuß fassen wollen. Nachdem die USA als Reaktion auf die Revolution von 1959 die diplomatischen Verbindungen zu Kuba abgebrochen und ein Wirtschaftsembargo verhängt hatten, war der Besuch eines amtierenden US-Präsidenten auf der Insel jahrzehntelang unvorstellbar gewesen – auch noch nach dem Ende des Kalten Krieges.

«Chance»

Doch Ende 2014 kündigten Obama und sein kubanischer Kollege Castro eine schrittweise Normalisierung ihrer Beziehungen an. Unter anderem eröffneten beide Staaten seitdem Botschaften im jeweils anderen Land.

Der erste Termin auf der Agenda Obamas war am Abend ein Treffen mit Mitarbeitern der US-Vertretung in Havanna. «Dies ist eine historische Visite und eine historische Chance», sagte er ihnen. Obama erinnerte auch an Calvin Coolidge, der vor ihm der erste US-Präsident überhaupt war, der Kuba besuchte. Coolidge sei im Jahr 1928 an Bord eines Kriegsschiffes auf der Karibikinsel angekommen und habe für die Reise drei Tage gebraucht. Bei ihm habe es nur drei Stunden gedauert, sagte Obama.

Festnahmen

Danach unternahm Obama mit seiner Familie trotz strömenden Regens einen Rundgang durch die Altstadt von Havanna. Vor einer Kathedrale spendeten einige Hundert Schaulustige Applaus, etliche riefen den Namen des Präsidenten. Vor dessen Ankunft waren noch eilig Straßen aufgeräumt, Wände gestrichen und US-Flaggen gehisst wurden.

Allerdings wurden aber auch mehrere Dutzend Aktivisten der regierungskritischen Gruppe Damen in Weiß vorübergehend festgenommen, nachdem Regierungsanhänger und Polizisten ihre Kundgebung in der Hauptstadt gestoppt hatten.

Vision

Obama plant neben einem Gespräch mit Präsident Castro am Montag unter anderem auch Treffen mit Vertretern der Damen in Weiß und anderer Dissidentengruppen. Das Weiße Haus hatte eine solche Begegnung im Vorfeld als Voraussetzung für Obamas Besuch benannt.

Am Dienstag werden Obama und Castro bei einem Baseballspiel der kubanischen Nationalmannschaft gegen die Tampa Bay Rays aus Florida dabei sein. Zudem wollte der US-Präsident im Großen Theater von Havanna eine Rede zu seiner Vision für Kuba halten.