Der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos soll erstmals über eine geordnete Umschuldung Griechenlands mit einem Schuldenschnitt von 50 Prozent gesprochen haben. Dies berichteten übereinstimmend mehrere griechische Medien am Freitag. Venizelos erörterte am Vortag vor Abgeordneten seiner Partei die verschiedenen Szenarien für die griechische Finanzkrise. Eins davon sei der Verbleib des Landes im Euroland mit einem Schuldenschnitt von 50 Prozent, berichtete die regierungsnahe Athener Zeitung «Ta Nea» und die Nachrichetn Internetseite «in.gr» am Freitag. Auch das Boulevardblatt «Ethnos» veröffentliche diese Informationen.
WEICHE UMSCHULDUNG: Die Schulden werden zwar nicht erlassen, dafür aber umstrukturiert: Möglich wären zum Beispiel ein Zahlungsaufschub oder niedrigere Zinssätze. Wird von vielen Experten im Falle der Griechenland-Rettung präferiert. Auch eine Stundung griechischer Schulden könnten die Ratingagenturen als Zahlungsausfall interpretieren – damit würde das Land als pleite gelten. (dpa)
Die Zeitung zitierte den Minister mit dem Satz: «Wir (in Athen) sollten aber nicht diejenigen sein, die dies ins Gespräch bringen. Es ist gefährlich.» Das Finanzministerium in Athen wollte diese Informationen nicht kommentieren.
Venizelos wollte am Freitag in New York der IWF-Chefin Chrstine Lagarde sowie Bankern die neuesten Sparbeschlüsse seiner Regierung präsentieren. Dies teilte sein Büro in Athen mit. Zudem will Venizelos für die Beteiligung von amerikanischen Banken bei der Beteiligung des privaten Sektors (PSI) an dem im Juli geschnürten zweiten Hilfspaket werben.
«Schuldenschnitt unvermeidlich»
Der US-Ökonom Kenneth Rogoff hält einen Schuldenschnitt für unvermeidlich. Der niederländische Notenbankchef Klaas Knot schließt unterdessen eine Pleite Griechenlands nicht mehr aus. «Dies ist eines der Szenarien», sagte das Ratsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB) in einem Interview mit der niederländischen Wirtschaftszeitung «Het Financieele Dagblad».
«Ich war lange davon überzeugt, dass ein Konkurs nicht erforderlich ist», sagte Knot nach Angaben der Zeitung. «Die Nachrichten aus Athen sind jedoch zuweilen nicht ermutigend. Alle Anstrengungen sind darauf gerichtet, dies zu vermeiden, aber ich bin nun weniger entschieden beim Ausschließen eines Konkurses, als ich das noch vor ein paar Monaten war.» Griechenland habe noch keinen glaubwürdigen Plan zur Wiederherstellung vorlegen können. «Das scheint mir kein böser Wille sein, aber es gibt Zweifel an der Qualität der Behörden und daran, dass die Politik das Land ausreichend im Griff hat.»
Den Gläubigern Griechenlands steht nach Ansicht von US-Ökonom Kenneth Rogoff ein harter Schuldenschnitt bevor. Athen werde seine Verpflichtungen nicht erfüllen können, sagte der Harvard-Professor und Experte für Staatsverschuldungen der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung»(Freitag). «Die Gläubiger werden von einem Euro nominalen Schulden wahrscheinlich nur 30 oder 40 Cent wiedersehen, vielleicht noch weniger», erwartet Rogoff. «Das ist unvermeidlich.»
Düstere Finanzlage
Venizelos und der griechische Regierungschef Giorgos Papandreou versuchen dieser Tage die Abgeordneten der sozialistischen Regierungspartei über die Notwendigkeit eines Bündels neuer harter Sparmaßnahmen zu gewinnen, damit das Land 2012 erstmals keine neuen Defizite «produziere». Das Land habe Einnahmen von rund 54 Milliarden Euro jährlich. Dies sieht der Haushalt vor. Bislang seien aber bis August dieses Jahres 30,7 Milliarden Euro in die Staatskassen eingeflossen. Das seien vier Milliarden Euro weniger als der Hauhalt für die ersten acht Monate vorsieht (34,7 Milliarden). Zusätzlich muss Griechenland noch bis zum Jahresende rund drei Milliarden Euro Zinsen an Gläubiger zahlen. Demnach fehlen rund sieben Milliarden Euro um keine neuen Schulden zu machen. Das neue Sparprogramm sieht unter anderem Entlassungen im staatlichen Bereich, Kürzungen vn Löhnen und Renten sowie eine neue Immobiliensteuer vor.
In der regierenden Partei gibt es gewaltigen Widerstand gegen die neuen Sparmaßnahmen. Eine Abstimmung zur neuen Sonder-Immobiliensteuer musste wegen angeblicher Krankheit mehrerer Abgeordneter der Regierungspartei für nächste Woche vertagt werden.
Zu Demaart
Sie müssen angemeldet sein um kommentieren zu können