Am Dienstag sagten zwei Damen aus, die über kurz oder lang im Escher Nachtclub beschäftigt waren. Die beiden Frauen gaben an, nie Sex mit einem Kunden gehabt zu haben. Besucher des Nachtclubs konnten der Dame ihrer Wahl eine Flasche Champagner spendieren, und danach bis zu einer Stunde im «Séparé» mit ihr verbringen. Die Frauen gaben jedoch an, niemals zu Geschlechtsverkehr gezwungen worden zu sein. Sie hätten aus freien Stücken im Cabaret gearbeitet.
Auf Nachfrage des Richters gab eine der Frauen an, einen der angeklagten Polizisten wiederzuerkennen. Er sei öfters in Uniform im Cabaret gewesen, wo er seiner Arbeit nachging. Unter anderem soll er die «Séparés» mit einer Taschenlampe kontrolliert haben. Danach trank er manchmal noch ein Bier, so die Zeugin.
Eine der Frauen hatte keinen Arbeitsvertrag, die andere gab an, als Artistin im Crazy House angestellt gewesen zu sein.
Ein Arbeitskollege der angeklagten Polizisten gab im Zeugenstand an, den Nachtclub zwar öfters während der Nachtschicht besucht zu haben, jedoch nie etwas getrunken zu haben. Seinen Aussagen zufolge sei er auch nie im Untergeschoss des Nachtclubs gewesen. Als er aufgrund Personalmangels in eine andere Truppe verlegt wurde, hörte er jedoch von den Gerüchten, die über seine ehemaligen Kollegen im Umlauf waren.
Klarstellung
Der Betreiber des Nachtlokals sagte noch einmal aus, da er einiges klarstellen wollte. Dem Betreiber wird neben Menschenhandel, Zuhälterei und Korruption auch noch Drogenhandel zur Last gelegt. Er gab an, nie mit seinen eigenen Augen gesehen zu haben, wie sich die Frauen in seinem Cabaret prostituiert haben. Er ahnte jedoch, was hinter den Vorgängen vor sich ging. Die Männer hätten schließlich 300 Euro aufwärts für eine Flasche Champagner ausgegeben, da könnte man schon mehr als die Gesellschaft der Dame erwarten, so der Betreiber weiter.
Es sei jedoch alles auf freiwilliger Basis geschehen. Er bezahlte die Mädchen am 1. und am 15. jeden Monats, dazu kamen 20 Prozent der Getränke, welche die Männer ausgegeben hätten.
Wieso die Damen keinen Arbeitsvertrag vorweisen konnten, begründete er schlicht damit, dass er es sich ganz einfach nicht leisten konnte, seine Damen anzumelden, da er das Lokal mit hohen Schulden übernommen hatte. Außerdem hätten die Damen alle zwei bis drei Wochen gewechselt. Der Betreiber sieht sich jedoch nicht als Zuhälter, da die Frauen alle freiwillig dort gearbeitet haben.
«Kein Kokain verkauft»
Zu einem der angeklagten Polizisten hegte der Betreiber ein laut eigenen Aussagen freundschaftliches Verhältnis. Am Anfang kontrollierten die Beamten noch regelmäßig die Einhaltung der Sperrzeiten, danach begnügten sie sich, etwas am Thresen zu trinken. Wenn die Polizisten in Uniform waren, mussten sie nichts für ihre Getränke bezahlen. Wenn die Polizisten in ihrer Freizeit den Nachtclub besuchten, bezahlten sie jedoch ihre Getränke. Es habe aber niemand die Séparés in Gesellschaft der Damen besucht.
Im Gegenzug für die freien Getränke sollen die Beamten geheime Dokumente an den Betreiber weitergegeben haben, so konnte dieser die illegalen Frauen vor Polizeikontrollen verstecken. Auf die Vorwürfe, der Betreiber habe auch mit Kokain gedealt, gab dieser an, er hätte lediglich einen Dealer ins Crazy House bestellt, wenn ein Kunde nach Drogen verlangte. Er habe die Droge lediglich weitergegeben und nichts am Verkauf verdient.
Zu Demaart
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