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«Er sollte gequält werden»

«Er sollte gequält werden»
(Tageblatt-Archiv)

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Im Berufungsverfahren um den Haller Mordprozess steht nach dem ersten Tag der Wiederaufnahme fest: Einen Grund für die Tat gibt es nicht.

Auf der Anklagebank sitzen vier Beschuldigte: Giuseppina T. (44), ihr Sohn Eric T. (24), Sven R. (22) und Tom K. (20). Ihnen wird in erster Linie Mord vorgeworfen. Sie sollen den damals 65-jährigen Raymond G. auf brutale Art und Weise umgebracht haben. In erster Instanz waren die vier Angeklagten zu Haftstrafen zwischen 15 und 30 Jahren verurteilt worden. Alle Beschuldigten hatten Berufung gegen das Urteil aus erster Instanz eingelegt.

Nichtigkeit gefordert

Zu Beginn der Sitzung am Montag forderte Me Roby Schons, der Verteidiger von Sven R., die Nichtigkeit des gesamten Prozesses aus erster Instanz.

Der Prozess sei in erster Instanz kein fairer Prozess für seinen Mandanten gewesen. Sven R. wurde laut Me Schons sofort in Untersuchungshaft gebracht. Erst danach sei er dem Untersuchungsrichter vorgeführt worden. Zudem hätten die Ermittler, laut Rechtsanwalt, seinem Klienten anlässlich des ersten Verhörs den Zugang zu einem Verteidiger verboten. «Dies verstößt eindeutig gegen die Menschenrechtskonvention», so Me Schons.

Auch Me Claudia Monti, die Rechtsanwältin von Giuseppina T., schloss sich der Forderung von Me Schons an. Auch ihrer Mandantin hätten die Ermittler anlässlich des ersten Verhörs den Zugang zu einem Rechtsanwalt nicht gewährleistet. Die Ermittler hätten damals angegeben, es sei kein Rechtsanwalt verfügbar.

Die Vertreterin der Generalstaatsanwaltschaft, Martine
Solovieff, sah dies jedoch nicht so: «Die Begründung des Urteils in erster Instanz ist gerechtfertigt». Das Gericht entschied, die Forderungen der Verteidiger zum «Fond» der Affäre beizufügen.

Im endgültigen Urteil des Berufungsgerichtes wird dann ebenfalls über diese Forderungen entschieden. (pha)

Laut der Anklageschrift soll diese Tat am 20. November 2010 verübt worden sein. Acht Tage danach, also am 28. November, wurde der Leichnam von einem Spaziergänger, der mit seinem Hund unterwegs war, in einem abgelegenen Waldstück bei Haller gefunden. Eine grausame Entdeckung, wie sich herausstellte. Der Mann war sehr stark entstellt. Grund dafür sei Wildfraß gewesen. Zudem war der Leichnam für die Jahreszeit sehr leicht bekleidet.
Das Opfer und Giuseppina T. sollen zusammen in einer Wohnung gelebt haben. Am 20. November soll die Angeklagte ihren Sohn gefragt haben, Raymond G. eine „Lektion“ zu erteilen. Dies bestätigte die Angeklagte gestern. Zusammen mit Freunden, also mit den Angeklagten Sven R. und Tom K., habe Eric T. sich nach Haller begeben und den 65-Jährigen in der Wohnung brutal zusammengeschlagen.

«Vor der Tat gab es des Öfteren Meinungsverschiedenheiten zwischen Raymond und mir. Er hat mich mehrere Male im Intimbereich angefasst, und das wollte ich nicht. Deswegen hatte ich meinen Sohn Eric angerufen», so die Angeklagte. Sowohl Sven R. als auch Eric T. und Tom K. hätten laut der Angeklagten das Opfer im Schlafzimmer mit Multimediakabel und Tüchern stranguliert und auf ihn eingeschlagen, bis er blutüberströmt war. «Einen genauen Grund dafür gab es nicht», so Giuseppina T.
Danach sollen die Beschuldigten den Mann mit in den Wald genommen haben unter dem Vorwand, sie würden ihn ins Krankenhaus bringen. Hier sollen sie ihn stranguliert und zu Tode verprügelt haben. «Am Ufank wollte mer en net ëmbrengen, mee e sollt gequält ginn. Am Bësch ass et du virugaang. Ech hunn ëm de Mond an d’Nues zougehal. Alleguer hunn se de Raymond mat Féiss gerannt. Mir hunn en dunn a Frischhaltefolie agewéckelt. Den Eric huet gemengt, et géife Leit kommen, an eréischt dunn hu mer opgehal», so die Angeklagte emotionslos. Warum die Angeklagten dermaßen gewalttätig reagiert haben, darauf gibt es bis heute keine Antwort.

Emotionslos

Eric T. erklärte vor den Richtern, dass seine Mutter ihn angerufen habe und ihn um Hilfe bat, weil Raymond G. sie angeblich sexuell belästigen würde. Er gestand, dass er den Mann in der Wohnung strangulierte. «Danach sind wir in den Wald gefahren und haben ihn hier weiter gefoltert. Ich wollte allerdings nicht, dass er stirbt. Ich wollte nur, dass er sich wegen des Mordes an meinem Hund und wegen der sexuellen Taten, die er an meiner Mutter verübte, entschuldigen sollte. Wir alle haben auf ihn eingeschlagen», so Eric T.

Der Angeklagte Sven R. stritt ab, im Schlafzimmer dabei gewesen zu sein. „Ich befand mich in der Küche, als die anderen Raymond G. im Schlafzimmer strangulierten und quälten. Im Wald habe ich dem Opfer eine Plastiktüte über den Kopf gestülpt, aber geschlagen habe ich ihn nicht“, so Sven R.

Am Mittwoch wird der Prozess fortgesetzt.

(Philippe Hammelmann/Tageblatt.lu)