Es handle sich um Briefe von Hildebrand Gurlitt (1895-1956) an Bernhard A. Böhmer (1892-1945) aus den 1940er Jahren. Diese gäben unter anderem Auskunft über den Handel mit der von den deutschen Nationalsozialisten als «entartet» diffamierten Kunst, sagte der Geschäftsführer der Ernst-Barlach-Stiftung Güstrow, Volker Probst, der «Schweriner Volkszeitung» (Montag).
In mindestens einem Schreiben an den Kunsthändler-Kollegen Bernhard A. Böhmer sei es um zwei Plastiken des Bildhauers Ernst Barlach gegangen, sagte der Geschäftsführer der Ernst-Barlach-Stiftung, Volker Probst.
Er bestätigte einen entsprechenden Bericht der «Schweriner Volkszeitung». Barlach, dessen Werke von den Nazis als «entartet» diffamiert wurden, lebte – wie auch sein Nachbar Böhmer – bis zu seinem Tode 1938 in Güstrow.
Fünf von 499
Gurlitt und Böhmer waren zwei der vier Kunsthändler, die unter den Nazis offiziell mit «entarteter» Kunst handeln durften, um damit Devisen für das Nazi-Regime zu beschaffen. Bei Cornelius Gurlitt, dem Sohn Hildebrand Gurlitts, wurden 2012 hunderte Kunstwerke beschlagnahmt.
Eine Taskforce ermittelte bis Anfang 2016, dass es sich bei lediglich fünf von 499 untersuchten Werken um so genannte Raubkunst handelte, die die Nazis Juden oder anderen Verfolgten abgenommen hatten. Probst sagte, bislang lasse sich nicht sagen, ob der Güstrower Fund dazu neue Erkenntnisse bringt.
Dazu wolle er nun mit den entsprechenden Fachleuten zusammenarbeiten. Die Briefe waren Anfang September zusammen mit zahlreichen anderen teilweise von Mäusen angeknabberten Schriftstücken in einem Jutesack der Reichspost unter der Terrasse eines baufälligen Holzhauses gefunden worden.
Raubkunst-Debatte
Es gehörte in den 1940er Jahren einem Postbeamten und befand sich unmittelbar neben dem früheren Wohnhaus Böhmers und dem Atelier Barlachs. Erich-Alexander Hinz, der das Grundstück vor kurzem erworben hatte und den Fund der Ernst-Barlach-Stiftung überließ, vermutet, der Postbeamte habe nach dem Suizid Böhmers Anfang Mai 1945 Unterlagen von seinem toten Nachbarn an sich genommen und versteckt. «Das kann ich aber nicht belegen», sagte Hinz der Nachrichtenagentur AFP
Im Februar 2012 hatten Ermittler in der Münchner Wohnung von Cornelius Gurlitt, dem Sohn von Hildebrand Gurlitt, rund 1280 Kunstwerke entdeckt. Erst deutlich später, im November 2013, wurde der Fall öffentlich und löste eine Raubkunst-Debatte aus.
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