Am Freitag nahm der belgische Ministerrat ein Gesetzesprojekt an, das vorsieht, die Preise in Zukunft auf ein Mehrfaches von fünf Cent ab- bzw. aufzurunden. Das Gesetz muss jedoch noch durch das Parlament und einige Modalitäten bleiben zu klären.
Aus dem luxemburgischen Finanzministerium heißt es, dass schon mehrmals in den entsprechenden europäischen Gremien diskutiert wurde, ob man die Ein- und Zwei-Cent-Stücke aufgeben solle. Man stehe jedoch einer Aufgabe der Münzen reserviert gegenüber. Die Regierung befürchtet eine Auswirkung auf die Inflation und einen nicht näher bezeichneten „psychologischen“ Einfluss. Man warte jedoch darauf, dass eine europäische Studie die Befürchtungen widerlegt.
Doppelter Vorteil
Interessanterweise liegt hinter der belgischen Operation ein gar nicht so einfaches Berechnungssystem , das folgendermaßen aussieht: Endet der zu zahlende Betrag mit einem, zwei, sechs oder sieben Cent, soll er auf ein Mehrfaches von fünf abgerundet werden. Sollte der Betrag allerdings mit drei, vier, acht oder neun enden, wird auf ein Mehrfaches von fünf aufgerundet.
Spötter mögen hier eine „histoire belge“ vermuten, das Ganze soll allerdings laut der belgischen Mittelstandsministerin Sabine Laruelle dazu dienen, dass die Operation kostenneutral für den Konsumenten verläuft. Ob der normale Bürger dies allerdings in der Praxis so handhaben wird, bleibt abzuwarten.
Die belgische Regierung sieht dahinter einen doppelten Vorteil: Die Geschäfte hätten in puncto Cent-Stücke keine Versorgungsprobleme mehr und die Geldbörse der Konsumenten wird nicht mehr von diesen „Münzchen“ überquellen. Ein Sprecher der belgischen Nationalbank wollte gegenüber dem Tageblatt nicht bestätigen, dass die belgischen Münzen aus dem Verkehr gezogen werden. Dafür müssten zuerst noch die gesetzlichen Modalitäten geklärt werden. Der Sprecher wies allerdings darauf hin, dass etwa die alten Fünf-Euro-Scheine nach und nach aus dem Verkehr gezogen würden.
Belgien nicht allein
Belgien kann auch nicht so einfach die Münzen auf einen Schlag abschaffen, unabhängig davon, dass man etwa mit luxemburgischen oder anderen Cent-Münzen weiterhin in Belgien bezahlen kann. Wer sich allerdings noch an die Zeiten der belgisch-luxemburgischen Währungsunion erinnern kann, wird wohl anzweifeln, dass man in Zukunft für seine Ein- oder Zwei-Cent-Stücke in Belgien Abnehmer finden wird. Aber wer weiß, vielleicht wird diese Aktion ja auch in anderen Ländern der Eurozone Nachahmer finden. In Finnland übrigens dürfen seit 2002 die Preise nur auf ein Mehrfaches von fünf Cent enden.
Zu Demaart
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