Mit den gestern vorgestellten Geräten leitet Apple eine neue Strategie ein. Die Absatzkurve des Apple-Erfolgsprodukts iPhone kannte seit der Premiere 2007 nur eine Richtung: steil aufwärts. Doch vor wenigen Wochen musste Apple-Chef die Investoren erstmals davor warnen, dass im auslaufenden Vierteljahr vermutlich weniger Geräte verkauft werden als im Vorjahresquartal.
Mit einem neuen Einsteiger-iPhone in kleinerer 4-Zoll-Größe will sich Apple-Chef Tim Cook nun diesem Trend entgegenstemmen und nimmt dafür auch niedrigere Margen in Kauf. Für Konkurrenten wie Samsung, Huawei oder Lenovo mit der Marke Motorola bedeutet dieser Kurswechsel eine Kampfansage.
Europäische Käufer bezahlen 489 Euro
Das neue i-Phone ist bei einem Einstiegspreis von 489 Euro kaum ein Billig-iPhone. Beim aktuellen Einsteigermodell iPhone SE ist zwar alles eine Nummer kleiner als bei den aktuellen Modellen der 6er-Serie. Und es fehlt auch der drucksensible Bildschirm, bei dem man mit stärkerem Druck auf das Display zusätzliche Inhalte wie bei einem rechten Mausklick anzeigen lassen kann. Doch sonst entsprechen quasi alle anderen technischen Features dem derzeitigen Flaggschiff iPhone 6S. Dazu gehören der schnellere Prozessor, schnelles LTE, schnelles WLAN, der Fingerabdruck-Sensor «Touch ID», die 12-Megapixel-Kamera und der NFC-Chip, der unter anderem für mobile Bezahlsysteme wie Apple Pay benötigt wird.
In den USA drückt Apple den Preis bei der kleinsten Variante des iPhone SE erstmals unter die psychologisch wichtige Schwelle von 400 Dollar, auch wenn diese dann im Laden mit den lokalen Steuern in der Regel überschritten wird. Käufer in Europa bekommen den schwachen Euro zu spüren und müssen mindestens 489 Euro auf den Tisch legen (inklusive Mehrwertsteuer).
Bei diesem Preispunkt können aber viele Mobilfunkprovider immer noch Vertragspakete schnüren, bei dem das iPhone SE für einen symbolischen Euro den Besitzer wechselt, auch wenn die Kunden den wahren Kaufpreis für das neue Smartphone dann über einen Zwei-Jahresvertrag indirekt abstottern.
Weniger Umsatz im Kalkül
Apple-Chef Cook nimmt in Kauf, pro verkauftem iPhone und iPad durchschnittlich weniger zu verdienen als die Jahre zuvor. Solange dies den Absatz der Geräte in die Höhe treiben wird, kann dieses Rezept aufgehen. Schließlich verdient Apple auch am gesamten Umfeld, etwa den Verkäufen im iTunes- und App-Store, den Abos für Cloud-Speicher oder den Dienst Apple Music. Mit dem wachsenden Service-Geschäft (10 Prozent des Konzernumsatzes) wird die Apple-Bilanz auch glänzen, wenn die Hardware-Einnahmen ein bisschen weniger sprudeln.
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