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Wenn Augen sprechen…

Wenn Augen sprechen…
(Hilly Kessler)

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LUXEMBURG – In den Gesprächen mit ihren Patientinnen erblickt die Frauenärztin Hilly Kessler täglich eine Vielfalt an Emotionen in ihren Gesichtern. Ein Tageblatt.lu-Gespräch über "Frauen-Blicke".

Frau Kessler, die Frauen in Ihren Bildern schauen den Betrachter immer an, als ob sie mit ihm ins Gespräch treten wollen?

Logo" class="infobox_img" />Dr. Hilly Kessler. (Bild: Hilly Kessler/Homepage)

Die Künstlerin

Hilly Kessler wurde in Würzburg, in Deutschland geboren. Nach der Fachabitur und Ausbildung zur technischen Zeichnerin für Maschinenbau studierte sie Medizin. 1997 beendete sie ihre Facharztausbildung in Gynäkologie und Geburtshilfe. Sie ist Ärztin in der Maternité Grande-Duchesse Charlotte, 1999 eröffnete sie ihre eigene Praxis in der Hauptstadt.

Ihre künstlerische Aus- und Weiterbildung fand u.a. an der Europäischen Kunstakademie in Deutschland, in Italien und in Luxemburg statt. Die Bilder Hilly Kesslers wurden auf zahlreichen Ausstellungen in Luxemburg, in Italien, Deutschland und Frankreich der Öffentlichkeit präsentiert.

«Die Augen sind in einem Gesicht ganz wichtig. Je nachdem, wie ich sie male, sie verändere, kann ich Verschiedenes damit ausdrücken – tiefe Traurigkeit, Melancholie, Freude, Überraschung, Arroganz, Hochmut. Das Auge ist ein Medium, um Gefühlszustände auszudrücken. Für mich war es die Assoziation ‚Augen-Blicke – Frauen-Blicke‘, die dieser Ausstellung zu Grunde lag. Augen sind mitunter eines der wichtigsten Teile im Gesicht. Sie sind das Tor zur Welt, sie sind unsere Wahrnehmung für das, was rund um uns geschieht.

Wenn ich male, schaue ich von außen in diese Augen hinein. Ich werde damit angeblickt. Die meisten der Frauen (auf den Bildern) schauen den Betrachter an, sie beginnen einen Dialog mit ihm. Es setzt beim Besucher die Bereitschaft voraus, sich den fordernden oder frechen Blick der Frauen zu stellen.»

Warum findet man immer nur Frauen auf Ihren Bildern?

«Ich habe auch Stillleben gemalt oder Landschaften. Aber im Moment finde ich dekoratives Malen, den Menschen am Allerspannendsten. An den (Mal-)Akademien hat man meistens Frauen als Modelle. Ich finde, dass eine Frau in unserer Kultur sich ganz anders darstellen kann, als ein Mann. Eine Frau kann ganz «weich» und sinnlich sein, von Barbie-Püppchen bis Femme fatale. Sie kann sehr weiblich und gleichzeitig androgyn sein. Frauen sind sensibel und stark, frech und witzig. Während Frauen diese Seiten ihrer Persönlichkeit ausleben dürfen und können, sind solche «weibliche» Eigenschaften bei einem Mann eher schwierig. Von daher kann ich beim Malen von Frauen vielschichtiger sein, viel bunter.

In den Bildern gebe ich auch einen Teil von mir preis. Viele der Frauen auf den Porträts der aktuellen Ausstellung lächeln den Betrachter an. Ich bin selbst ein fröhlicher Mensch, aber auch ich habe ein verborgenes Ego, eine melancholische Seite, die sich in manchen Bildern wiederspiegelt.»

Welche Verbindung gibt es zwischen Ihrem Beruf und der Auswahl der weiblichen Protagonistinnen in ihren Bildern?

«Schwer zu sagen. Ich glaube, dass ich durch meinen Beruf den Frauen viel näher bin, ihre Emotionen mitbekomme, ihre Gesichtsausdrücke. Ich beobachte ihre Veränderung, das Wachsen der Frauen, weil ich sie über viele Jahre begleite.

Ich unterhalte mich mit ihnen, dabei erfahre ich viel Freude, aber auch Schmerz, Leid, Kummer, Traurigkeit, Überraschung. Die Gespräche mit den Patientinnen sind oft sehr intensiv: Wir reden über Angst, über die größte Freude, die es gibt, über Glück. Dadurch erlebe ich diese «Frauen-Blicke» sehr intensiv mit und verarbeite sie (zum Teil) in meinen Bildern.»