Die Rückbesinnung auf die Natur ist eigentlich ein alter Hut und reißt niemanden mehr aus dem Sessel. Wenn aber ein Künstler beschließt, auf sämtliche chemischen Hilfsmittel oder Zusätze zu verzichten, dann kann das durchaus Interesse wecken. Als er bei seinem Renteneintritt neue Wege ging und statt Schulbücher zu verlegen künstlerisch tätig wurde, war das für Ott Neuens ein echter Neubeginn. Nicht nur, weil er auf die traditionellen Farben verzichtete und stattdessen mit Öl, Bienenwachs, Erdpigmenten und Mineralien hantierte. Sondern auch, weil er mit dieser alten Technik, die schon die Ägypter benutzten, ausdrucksstarke Bilder schafft. Sie sollen die Neugier des Zuschauers wecken und ihn gleichzeitig zum Träumen bringen.
AUSSTELLUNG
Rythmes et couleursSchauwenbuerg
BertrangeSamstag 7., Sonntag, 8.,
Samstag, 14., Sonntag, 15. DezemberÖffnungszeiten
10.00 bis 12.00
14.00 bis 18.00
So genau, wie der Pädagoge in seiner wissenschaftlichen Arbeit war, so akribisch erforschte er auch diese alte Kunstart. So wie er bei den Grafikern die Gestaltung eines Buches erlernte, so las er alles über die Arbeit mit Bienenwachs nach, dessen er habhaft werden konnte, sah sich an, was in dieser Art schon einmal gemacht wurde und probierte immer wieder Neues aus. Vom Lehrerberuf ist auch noch etwas geblieben. Akribisch genau erklärt Neuens seine Technik, ihre Geschichte und Anwendung. Präzise spricht er über seinen künstlerischen Werdegang, die Ausstellungen in Frankreich, die Vorgehensweise in Luxemburg.
„Mein Atelier ist eher eine Hexenküche“, sagt er, wenn er von seinen Versuchen spricht oder von der geduldigen Arbeit, mit der er den in der ganzen Welt gesammelten Mineralienstaub verarbeitet.
Erde aus dem Lubéron, Sand aus der Bretagne, Kreide aus der Champagne und Schiefer aus den Ardennen komponieren von Beginn an Neuens’ Arbeiten, entdeckt hat er vor einiger Zeit den Lapislazuli, einen blauen Halbedelstein aus Afghanistan. Der Künstler kauft die für den Juwelier unbrauchbaren Stücke, zertrümmert und mahlt sie und vermischt sie dann mit seinem Bienenwachs, bevor sie in die Bilder einfließen.
Kreatives Konstrukt
Das beruhigende Blau wird von feurigem Rot und kräftigem Gelb ergänzt. Dadurch haben die jüngeren Werke eine neue, sehr rhythmische Gestaltung bekommen, die ein kräftiger Tuschstrich nochmals unterstreicht. In seiner ersten „Erdphase“ hat Neuens vorwiegend mit grauen, braunen und sandigen Farben gearbeitet, in der Feuerfarbe kam ein kräftiges Rot dazu, später auch die vielen Blaunuancen und Mangan, aus dem ein warmes Violett entsteht.
Relief bekommen die Bilder auch durch die vielen Schichten, die der Künstler übereinander aufträgt und dann gelegentlich wieder aushöhlt. Sie werden so zur Erinnerung an die Steinbrüche, aus denen die einzelnen Farbkomponenten herkommen. „Vom Abstrakten hin zum Figurativen“, schreiben die französischen Zeitungen, wenn der Luxemburger die Entwicklung seiner Arbeiten darstellt.
In der Tat hat Neuens, der auch hierzulande regelmäßig ausstellt, inzwischen vor allem in Frankreich einen echten persönlichen Erfolg. So hat ihn eine Pariser Galerie auf der Straßburger „St-Art“-Ausstellung gezeigt, einer der größten französischen Ausstellungen für zeitgenössische Kunst.
Das hat ihm nicht nur viel Anerkennung für seine Technik und seine ausdrucksstarken Bilder gebracht, sondern auch weitere Gelegenheiten, seine Werke zu zeigen und weiteres Lob für seine poetischen Oeuvres und ihre ungewöhnliche Herstellungsart in der Hexenküche, wo mit Wachs und Harz, mit Sand und mit Steinen hantiert wird, wo aber auch die Musik mitunter den Ton angibt.
Zu Demaart
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