Jetzt wird sein Roman „Schwarze Sonne scheine“ nun auf die Bühne gebracht. Eine Herausforderung für Schauspieler Luc Feit und Regisseur Johannes Zametzer.
Schon als Johannes Zametzer im September 2009 „Das Leben der anderen“ auf die Bühne des Kapuzinertheaters brachte, war es Albert Ostermaier, der die Bühnenfassung zu dem gleichnamigen Film von Florian Henckel von Donnersmarck schrieb. Und schon damals war es Luc Feit, der eine der Hauptrollen, den Stasi-Offizier Wiseler, spielte. Das Trio kennt sich und arbeitet gerne zusammen.
„Es gibt Leute, mit denen versteht man sich blind. Und es gibt Leute, mit denen muss man erst einmal kämpfen. Besonders bei komplizierten Stücken ist es schön, sie mit jemandem zu machen, mit dem man nicht erst drei Wochen braucht, um zueinander zu kommen“, erzählt Luc Feit und grinst herüber, zu Johannes Zametzer, der das Kompliment sofort zurückgibt. „Kaum ein Schauspieler traut sich an die Texte von Ostermaier heran. Und noch weniger Schauspieler können sie spielen. Aber Luc Feit, der kann das!“ Sein Spiel habe auch Albert Ostermaier überzeugt, bei der Premiere zu „Das Leben der anderen“.
Wenn Wertegerüste zerbrechen
Jetzt also „Schwarze Sonne scheine“. Der im letzten Jahr bei Suhrkamp erschienene autobiografische Roman von Albert Ostermaier erzählt die Geschichte des Klosterschülers Sebastian. Aufgewachsen in einem katholischen Internat in Süddeutschland, hat der Junge nur eines im Kopf: Er möchte Schriftsteller, Dichter werden. Doch dann bekommt er plötzlich eine fatale Diagnose: Er ist todkrank. Entweder er stirbt im nächsten halben Jahr oder er begibt sich in die Hände einer unbekannten Ärztin irgendwo in den USA. Der Abt, sein moralischer Ziehvater, die Vertrauensfigur des Jungen, rät ihm, sich behandeln zu lassen. Doch allmählich merkt Sebastian, dass so einiges nicht stimmt: Die angeblich Leben rettende Ärztin ist gar keine richtige Ärztin und er wohl noch nicht einmal krank. Was soll das alles? Das gesamte Wertegerüst des Jungen gerät ins Wanken. Wem kann er überhaupt noch vertrauen, wenn sogar seine Vertrauensperson ein doppeltes Spiel zu spielen scheint?
„Kirche und Wissenschaft haben etwas gemeinsam: Sie benutzen die Menschen, um Geld zu machen“, bringt Johannes Zametzer die Thematik der Geschichte auf den Punkt. Sebastian soll mit einer falschen Diagnose ausgebeutet werden, die Medizin soll ihn gesund machen, obwohl er gar nicht krank ist. „Schwarze Sonne scheine“ ist demnach ein Text über Missbrauch, nicht unbedingt über physischen, sondern über psychisch-moralischen, über den Missbrauch von Vertrauen. Der Text beschreibt moralisch-politische Strukturen, in denen der Einzelne nichts, die Kirche jedoch alles zählt.
Alles, was er hat, ist die Sprache
Der Monolog, den Luc Feit und Johannes Zametzer nun dabei sind, für die Bühne zu schaffen, soll das Innenleben Sebastians bloßlegen und ausloten, inwieweit Sebastian sich aus dieser Missbrauchssituation befreien kann.
Alles, was Sebastian dazu hat, ist die Sprache. Ostermaiers Sprache, ihre Direktheit, ihre Authentizität, ihre Modernität, die im Idealfall nicht nur den Schauspieler Luc Feit, sondern auch den Zuschauer in die Geschichte hineinzieht. „Ostermaier schreibt literarisch, er liefert keine dramatischen Situationen für die Bühne“, erklärt Luc Feit. Deshalb könne der Monolog auch nicht über dramatische Situationen funktionieren, sondern einzig und allein über die „Dramatik des Seins. Diesen Punkt müssen wir finden“, so Luc Feit.
Sollte dies gelingen, dann nehme der Zuschauer die Sprache auch nicht mehr als geschriebene Literatur wahr, sondern als ein Ist-Zustand, als ein Text mit vielen schönen Sätzen, die dazu gemacht sind, gesprochen zu werden. „Ihr werdet sehen, die Aufführung wird euch viel kürzer vorkommen, als sie tatsächlich ist“, sagt Luc Feit. Daran besteht kaum Zweifel. Denn Luc Feit alleine auf der Bühne kann vieles sein, doch wohl kaum Langeweile.
Zu Demaart
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