Dienstag24. Februar 2026

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Retro-Look im Quadrat

Retro-Look im Quadrat
(François Besch)

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Sie sehen aus, als ob sie bereits einige Jahrzehnte alt wären. Dabei stammen die Fotos auf dieser Seite aus den letzten Tagen und Wochen. Geschossen wurden sie mit einem Mobiltelefon.

Mit einem iPhone 4 und der für dieses Gerät entwickelten App namens Hipstamatic, die mit rasanter Geschwindigkeit immer mehr Anhänger findet.

Die Fotos aus dem Telefon haben den Charme von Polaroid-Bildern gepaart mit denjenigen der guten alten Lomo LC-A. Das Aussehen verleiht ihnen eine eigens für das iPhone entwickelte Anwendung namens Hipstamatic.

Kostenpflichtige App

Die kostenpflichtige App (bei iTunes oder direkt beim Entwicklerteam auf www.hipstamatic.com erhältlich) ist für 1,99 Euro in der Basisversion erhältlich. Inbegriffen sind hier bereits verschiedene Objektive, Filme und Blitzlichter. Natürlich alles nur virtuell. Zusätzliche Pakete können erworben werden, um die Palette an verschiedenen Einstellungen zu erweitern.

Der Benutzer kann zwischen den einzelnen Kombinationen per Fingerdruck immer diejenige auswählen, die am besten zum Motiv passt, oder über eine «Random»-Funktion durch Schütteln des iPhones eine Zufallskombination einstellen und sich dann vom Resultat überraschen lassen.

Die Macht der Filter

Mittlerweile hat es die vor rund anderthalb Jahren entwickelte App bereits ins Online-Lexikon Wikipedia geschafft, wo sie wie folgt bezeichnet wird: «Hipstamatic ist ein Fotografie-Programm für mobile Apple-Geräte, die unter iOS laufen und über eine integrierte Kamera verfügen. Durch die Kombination verschiedener Software-Filter werden die Fotos manipuliert, so dass sie wie ältere Analogfotografien wirken. Die Auswahl der Filter erfolgt über die Kombination verschiedener virtueller Objektive, Filme und Blitze. Die verwendeten Namen entsprechen keinen wirklichen Markennamen, sind aber an Markennamen wie Kodak angelehnt. Nach dem Auslösen berechnet die Software den Einfluss der Filter mehrere Sekunden lang, was als ’entwickeln’ bezeichnet wird.»

Damit wäre schon fast alles gesagt: Mit der Hipstamatic Fotos zu schießen macht Spaß, vor allem Nostalgiker dürften ihre helle Freude an den Bildern haben, die jedes Motiv um Jahrzehnte zurückkatapultieren. Auf Communities wie Facebook, Tumblr oder Flickr sowie in persönlichen Blogs tauchen inzwischen täglich Hunderte von Bildern auf, bei denen die Hipstamatic im Spiel war. Manche banal, andere von unbestritten künstlerischer Qualität.

Hipstamatic-Ausstellungen

In den USA gibt es mittlerweile immer mehr Galerien, in denen Hipstamatic-Fotografien ausgestellt werden, es gibt sogar einige, die sich auf iPhone-Fotos im Allgemeinen spezialisiert haben. Auch in einige europäische Kunsttempel hat die App inzwischen schon Einzug gehalten. In der Kunsthalle Rotterdam (www.kunsthal.nl) kann man beispielsweise noch bis zum 28. August eine solche Ausstellung besichtigen. Hipstamatic-Fotos als

Zeitungsillustrationen? Auch das gibt es! Das Tageblatt hat bereits mehrfach solche Bilder verwendet und selbst die New York Times (www.nytimes.com/) scheut nicht davor zurück, sie zu drucken. Pulitzer-Preisträger Damon Winter, der für die angesehene Zeitung arbeitet, verwendete die App im November 2010 bei einem Einsatz von US-Soldaten in Afghanistan. Mit dem Mobiltelefon war es ihm möglich, Fotos zu schießen, ohne dabei aufzufallen. Und für diese Fotoreportage erhielt er die Auszeichnung «Picture of the Year International». Eine Serie von vier Hipstamatic-Fotos war sogar groß auf der Titelseite der Zeitung abgebildet. Auch andere renommierte Publikationen, wie zum Beispiel das National Geographic Magazine, haben den Reiz der Anwendung erkannt.

Im Juli veranstaltete das Magazin zum US-Start des Films «Life in a Day» zusammen mit der Community-Seite von Hipstamatic (community.hipstamatic.com) einen Wettbewerb, bei dem 18.000 «Hipstamaten» aus der ganzen Welt mitmachen. Die 20 besten Fotos wurden von der Fotoredaktion des Magazins prämiert und sind auf der Webseite von NatGeo (http://photography.nationalgeographic.com/photography/photos/life-in-a-day-photo-contest) zu sehen.