Die berühmte Silhouette von Paris hat eine Sehenswürdigkeit mehr. In die von Eiffelturm, Montmartre und Tour Montparnasse geprägte Szenerie ragt derzeit ein weißes Monstrum hinein. Wo sonst die gigantische Kuppel des Pariser Panthéons zu sehen ist, findet sich ein Gebilde, das an eine zu groß geratene Sternenwarte denken lässt.
" class="infobox_img" />Blick auf das Panthéon in Paris, an dessen für Renovierungsarbeiten eingehüllten Kuppel eine Fotocollage des französischen Künstlers JR angebracht ist. (Bild: dpa)
Knapp 20 Jahre nach der spektakulären Verhüllung des Berliner Reichstages durch das Künstlerpaar Christo und Jeanne-Claude hat ein junger Franzose den oberen Teil eines der wichtigsten historischen Monumente seines Landes eingekleidet. Der als JR arbeitende 31-Jährige, zuletzt mit einer Retrospektive im Museum Frieder Burda in Baden-Baden zu sehen, hat an der weiß verhüllten Kuppel und im Innern des Ruhmestempels eine Collage aus Tausenden schwarz-weiß Porträtfotos von Franzosen angebracht.
Umfangreiche Sanierung
Ummantelt wird das Monument allerdings nicht nur vom Kunstprojekt, sondern vor allem von einer Schutzhülle für eine umfangreiche Sanierung. Das mehr als 200 Jahre alte Panthéon hat Probleme mit seiner Größe. Gefährdet sind die Steinbögen, die als Stützen der 82 Meter hohen Kuppel des Monumentalbaus fungieren. Eisenelemente in und an den Bögen rosten aufgrund einer fehlerhaften Abdichtung des Panthéons. Das Eisen dehnt sich aus, greift den Stein an, der zersplittert und die Bögen baufällig werden lässt.
Um die Ruhestätte großer Franzosen wie Victor Hugo, Émile Zola, Voltaire oder Rousseau vor dem Zerfall zu bewahren, umfasst eine erste Etappe der Sanierung den Dom, dessen Spitze und den Tambour, die runde Mauer unterhalb der Kuppel. Für die Arbeiten wurde ein 315 Tonnen schweres Baugerüst installiert. Besondere Herausforderung: die Konstruktion trägt einen 96 Meter hohen Kran, der bis zur Spitze des Monuments reicht. Auch bei schwerem Unwetter muss der Kran in luftiger Höhe stabil bleiben, damit die Architektur nicht beschädigt wird.
Ausmaß der Schäden
Im Zentrum für nationale Monumente koordiniert Daniele Déal die Arbeiten am Panthéon. Sie spricht von einer spektakulären Restaurierung: «So ein Baugerüst machen wir nicht alle Tage. Es ist eine komplexe Sanierung, weil es sich um eine ganz spezielle Architektur handelt. Ein Monument wie das Panthéon können wir heute selbst mit Hilfe von Computern nicht mehr nachbauen», sagt Déal. So besteht der Dom nicht aus einer, sondern aus drei untereinander gereihten Kuppeln, die mit bloßem Auge nicht zu erkennen sind. Jeder einzelne Stein davon muss gesäubert oder ausgetauscht werden.
Allein für den Dom werden rund 10 500 Quadratmeter Stein gereinigt. Hinzu kommen nicht absehbare Arbeiten. «Wir konnten uns erst nach der Installation des Baugerüstes ein Bild vom wirklichen Ausmaß der Schäden machen. Alle Studien und Berechnungen haben wir von unten vorgenommen», erläutert Projektmanagerin Déal. So stellte sich heraus, dass die Laterne, die Spitze des Panthéons, nicht nur wie geplant gereinigt, sondern komplett neu gemacht werden muss.
19 Millionen Euro
Bis 2015 bleibt der Dom des Panthéons für die 19 Millionen Euro teure Sanierung in weiß gehüllt. Solange wird auch die äußere Foto-Installation von Künstler JR das imposante Gebäude zum modernen Kunstobjekt machen. Sofern die mit insgesamt 100 Millionen Euro kalkulierte Finanzierung klappt, soll das Panthéon bis 2022 komplette restauriert sein.
Zu Demaart
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