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(Tageblatt-Archiv)

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Auch 56 Jahre nach seinem Tod ist über den Luxemburger Karikaturisten Albert Simon längst nicht alles bekannt. Medienhistoriker Paul Lesch will mehr darüber herausfinden. Ein Buch dazu soll Ende 2013 erscheinen.

Auch 56 Jahre nach seinem Tod ist über den Luxemburger Karikaturisten Albert Simon längst nicht alles bekannt, obwohl bereits zahlreiche
Publikationen, sei es in Form von Büchern oder als Zeitungsberichte, über den 1901 in Sanem geborenen Sohn eines Schmelzarbeiters erschienen sind. Medienhistoriker Paul Lesch hat sich vorgenommen, mehr über Leben und Werk des einzigartigen Zeichners herauszufinden. Am Mittwochabend referierte er im vollbesetzten Saal des Merscher Literaturhauses.

Logo" class="infobox_img" />Medienhistoriker Paul Lesch beleuchtete vor allem die politischen Zeichnungen des Karikaturisten Albert Simon, die in den 1930er-Jahren im Tageblatt erschienen. (Bild: Tageblatt/Tania Feller)

Im kommenden Jahr wird das Tageblatt 100 Jahre alt. Aus diesem Anlass wird unter anderem ein Buch über einen der bekanntesten Mitarbeiter unserer Zeitung aus den 30er- bis 50er-Jahren des letzten Jahrhunderts erscheinen, den Karikaturisten Albert Simon. Medienhistoriker Paul Lesch hat sich dieser ebenso faszinierenden wie schwierigen Aufgabe angenommen. Lesch geht davon aus, dass Simon innerhalb von knapp vier Jahrzehnten zwischen 11.000 und 13.000 Zeichnungen geschaffen hat.

Viele davon erschienen im Tageblatt, weitere in Publikationen wie den Satirezeitschriften De Gukuk (1920er-, 1930er-Jahre), herausgegeben von Eugène Formann, und auch De Péck-Villchen, die Simon nach dem Zweiten Weltkrieg selbst gegründet und bis zu seinem Tod im März 1956 geleitet hat. Bekannt war der Mann mit dem unverkennbaren Stil einem Großteil der Luxemburger in den 1930er-Jahren vor allem aber wegen seiner wöchentlichen Seite in der AZ, einem populären Familienmagazin. Anlässlich einer Konferenz, die am Mittwochabend im CNL in Mersch stattfand, beleuchtete Lesch vor allem den politischen Karikaturisten Simon.

2.400 Arbeiten analysiert

Hierzu hat er rund 2.400 Zeichnungen analysiert, die in den Jahren 1932 bis 1940 im Tageblatt erschienen sind, die meisten davon an prominenter Stelle, gleich auf der ersten Seite rechts unter dem Titel.

CNL-Direktor Claude Conter führte, bevor er das Wort an den Medienhistoriker weitergab, zunächst kurz in die Karikatur an sich ein, die er als gezeichnete Satire bezeichnete und die ihren Ursprung im England des frühen 18. Jahrhunderts gehabt habe. Hier war es William Hogarth, der mit seiner Serie „Modern Moral Subjects“ die Karikatur zu einer eigenständigen Kunstform erhob.

Paul Lesch begann seinen Vortrag anschließend mit der Feststellung, dass über Albert Simons Werdegang nicht allzu viel Konkretes bekannt sei, dafür aber umso mehr Legenden kursieren würden, die jedoch nicht nachprüfbar seien. Sicher sei, dass Simon keine Lust auf schwere körperliche Arbeit gehabt habe und es für ihn nicht in Frage gekommen sei, wie sein Vater als Schmelzarbeiter seinen Lohn zu verdienen oder auf dem kleinen Hof, den die Familie zusätzlich bewirtschaftete, zu schuften. Wohl habe er für eine kurze Zeit Schmelzluft geschnuppert, jedoch dann wieder die Schulbank gedrückt.

„Schlagkräftiger politischer Zeichner“

Hier war es Zeichenlehrer Pierre Blanc – seinerzeit ein gefragter Porträtist –, der sein künstlerisches Talent entdeckt habe. Eugène Forman ermöglichte es dem jungen Simon dann, in München zu studieren. Nach seiner Rückkehr wurde er vom damaligen Tageblatt-Direktor Hubert Clement – der ebenfalls Herausgeber des Magazins AZ war – eingestellt.

Simon sei, so Lesch, in bisherigen Publikationen vor allem als „humoristischer Zeichner“ bezeichnet worden. Dabei sei es so, dass der Sanemer auch ein äußerst schlagkräftiger und frecher politischer Karikaturist gewesen sei.

Lesch hatte aus den rund 2.400 Karikaturen, die in den 30er-Jahren im Tageblatt erschienen waren, eine ganze Reihe ausgesucht, um sie den Anwesenden vorzustellen und die nötigen Erläuterungen zu liefern. Es sei nicht immer einfach gewesen, den Zusammenhang zu klären, so der Historiker, der betonte, dass der Webdienst eLuxemburgensia.lu der Nationalbibliothek ihm diese Arbeit erheblich erleichtert habe.

Unterteilt hatte er die Karikaturen in verschiedene Themenbereiche, wie beispielsweise die Arbeiten Simons, in denen die katholische Kirche und ihre Machtgelüste innerhalb des Staates im Visier standen, seine Zeichnungen gegen das Maulkorbgesetz oder auch diejenigen, in denen vor Nazi-Deutschland gewarnt wird.

Paul Lesch untersuchte dabei u.a. auch die Arbeitsweise des Karikaturisten Simon, der immer wieder auf die gleichen allegorischen Darstellungen zurückgriff, um seinen Zeichnungen ihren speziellen Charakter zu verleihen.

Wir freuen uns schon auf das Buch zum Thema, dessen Erscheinen der Historiker für Ende 2013 angekündigt hat.