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«Letzte Ausfahrt, neue Spur»

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Der Überraschungseffekt ist gelungen. Der Name der Ausstellung, die der in Paris lebende Luxemburger Maler Fernand Bertemes in den Räumlichkeiten der Zentralbank ausrichtet, lässt zumindest aufhorchen.

Der Besuch in der hauptstädtischen Avenue Monterey ist eine Rückkehr zu den Ursprüngen des Künstlers.

Der Auslöser ist eigentlich ganz banal. Fernand Bertemes signiert eine Seite der Sammlermünze der Zentralbank zum Thema «Stahl». Sie zeigt einen Hochofen mit der Bewertung 5 Euro, die zweite Seite trägt das von Yvette Gastauer-Claire kreierte Profil von Großherzog Henri mit dem Hinweis «Lëtzebuerg»“ und dem Jahrgang 2014.

Die 21 Gramm schwere Sammlermünze wurde 2.500 Mal geprägt und kostet am Schalter der Zentralbank ganz genau 40 Euro.

Beim Kauf der Münze bekommt der Liebhaber jedoch mehr als nur ein numismatisches Sammlerstück. Parallel zum Verkaufsstart wurde dem Künstler die Gelegenheit geboten, seine stimmungsvollen «Schmelz»-Landschaften auszustellen. Mit ihnen ist der aus Bettemburg stammende Bertemes besonders im Süden des Landes bekannt geworden.

Die Glanzzeit der hiesigen Stahlproduktion mit ihren unverwechselbaren Industrielandschaften hat der 1964 geborene Künstler in seinen Kinderjahren noch erlebt. Seitdem beobachtet er den Verfall und progressiven Abbau der Stahlkathedralen, beziehungsweise ihre Umwandlung in eine Stadtlandschaft.

Der an der Straßburger Kunsthochschule ausgebildete Bertemes, der seine erste Ausstellung schon mit 21 Jahren gestalten durfte, hat mit seinen in kräftigem Blau gehaltenen Meerlandschaften, seinen mitunter recht aggressiven Vögeln, seinen eleganten Frauen, die den Besucher mit samtigem Blick empfangen, längst seinen Ruf gesichert. Seine Verkaufsschlager jedoch sind die Industrielandschaften. Muss man aus dem Süden des Landes sein, um die spröde Schönheit zu schätzen? Wahrscheinlich schon.

Rauer Charme

Mehr noch als die drei Ölbilder – allesamt Schneebilder, die dem rauen Charme der Hochöfen weiche Konturen geben – stehen die energischen, geradlinigen Kohlezeichnungen für die verblichene Kraft der Industrie.

«Poussière d’acier», «Le vieux géant», «Chariots de feu» oder «La place de l’absent». Die Titel der perfekt ausbalancierten Bilder sind genauso ausdrucksstark wie der Kohle- oder Tuschestrich. Mitunter bringen die Wasserfarben zusätzlich Leben in die Landschaft, ohne jedoch die Untergangsstimmung zu beschönigen.

Allein das Bild, das der Ausstellung ihren Titel verliehen hat und auf dem im Hintergrund die Städte zu sehen sind, die aus dem verblichenen Industriestandort entwachsen, stehen für Hoffnung, genau wie die Kühe auf dem Bild «Souvenir» oder auf der «Times are a-changin»-Serigrafie der Nostalgie einen wiederum anders gearteten Anstrich geben.

Claude Wolf