Uraufgeführt in New York im Jahre 1956 zählt «My Fair Lady» heute zu den wohl bekanntesten Musicals. Die Geschichte basiert auf dem Theaterstück «Pygmalion» von George Bernard Shaw und wurde mit Musik von Frederick Loewe und Alan J. Lerner in ein Musical verwandelt, an dem einige der größten Schauspieler aller Zeiten beteiligt waren.
So wurden die beiden Hauptrollen bei der Uraufführung von Rex Harrison und Julie Andrews gespielt, während bei dem 1964 veröffentlichten Film Audrey Hepburn in die Rolle der Eliza Doolittle schlüpfte. Das Musical wurde in viele Sprachen übersetzt; die deutsche Version wurde zuerst 1961 in Berlin gezeigt. Bei der am Wochenende in Wiltz aufgeführten Version handelt es sich um eine Produktion der Times Square Productions, bei der Leo Decker Regie führte.
Die Geschichte
Nach einer Opernaufführung entwickelt sich ein Gespräch zwischen einer Blumenverkäuferin aus ärmlichen Verhältnissen (Eliza Doolittle) und den wohlhabenden Gentlemen Professor Henry Higgins und Oberst Hugh Pickering. Higgins, der in der Phonetik und Sprachwissenschaft tätig ist, schlägt Pickering daraufhin scherzend eine Wette vor, bei der er behauptet, er könne innerhalb von sechs Monaten aus Eliza eine Lady machen, indem er nur mit Sprachübungen ihren seiner Meinung nach grässlichen Cockney-Akzent verändert.
Am nächsten Tag taucht Eliza bei ihm zu Hause auf und verlangt, dass er sein Versprechen in die Tat umsetzt. Higgins lässt sich schließlich darauf ein und beginnt, der jungen Frau die hochenglische Sprache beizubringen. Bis zur Erschöpfung muss Eliza immer wieder die gleichen Sätze aufsagen, um ihre Aussprache zu verbessern.
Eine Kerze mit Tücken
Bei der Aufführung am Samstag kam es bei einer dieser Sprechübungen zu einem ungewollt komischen Moment, als Professor Higgins versuchte, eine Kerze anzuzünden und dies auf Anhieb nicht so ganz klappen wollte, was beim Publikum für schallendes Gelächter sorgte. Da er und Eliza bei dieser Szene auf die Kerze angewiesen waren, mussten die Darsteller etwas improvisieren und konnten auch selbst kaum ein Kichern unterdrücken. Nach einigen Streichhölzern funktionierte es dann doch noch, woraufhin das Publikum den Schauspieler mit tosendem Applaus belohnte.
Ein Pferderennen wird genutzt, um Elizas neue Kenntnisse in der Öffentlichkeit vorzuführen. Zunächst schlägt sie sich ganz gut, begeht dann aber einige Fauxpas, die dem jungen Gentleman Freddie allerdings zu gefallen scheinen, woraufhin er beginnt, Eliza zu umwerben.
Nach vielen weiteren Übungen muss Eliza dann wiederum ihr neuerworbenes Können bei einem königlichen Ball unter Beweis stellen und schafft es, jeden zu täuschen. Der Plan von Higgins und Pickering geht auf, und nach dem Ball gratulieren sie sich gegenseitig und ignorieren Eliza, die die Hauptarbeit geleistet hat, vollkommen. Sie fühlt sich vernachlässigt und verschwindet, doch Higgins, dem Eliza ans Herz gewachsen ist, bewegt sie schlussendlich doch noch zum Zurückkommen.
Die Vorführung der Times Square Productions wurde äußerst professionell ausgeführt. In fantastisch bunten Kostümen versammelte die Gruppe einige sehr talentierte Sänger und Tänzer, die das Publikum mit ihrer Performance restlos begeisterten. Besonders Elizas ständig leicht betrunkener Vater sorgte für viel Gelächter und Applaus mit seiner komischen Darbietung. Auch Higgins’ Mutter entwickelte sich zum Publikumsliebling, aber auch die Hauptdarsteller überzeugten mit Gesangs- und Schauspieltalent und jeder Menge Witz.
«Es grünt so grün»
Natürlich durften auch die bekanntesten Stücke des Musicals nicht fehlen. «Wäre det nich wundascheen?», «Wart’s nur ab!», «Es grünt so grün», „Ich hätt’ getanzt heut’ Nacht“ sind nur einige der beliebtesten Ohrwürmer aus «My Fair Lady». Sie sorgten beim Publikum für angeregtes Klatschen und machten es von Zeit zu Zeit sogar fast unmöglich, ruhig sitzen zu bleiben.
Kurz nach Mitternacht endete die Vorstellung und das Ensemble wurde vom Publikum mit minutenlangem Beifall und Standing Ovations belohnt.
Wie auch alle anderen Angebote des 59. Wiltzer Festivals wurde «My Fair Lady» zu einem unvergesslichen und kurzweiligen Event, das das Freilichttheater fast komplett füllte und die Zuschauer begeisterte. Schade, dass es schon wieder vorbei ist!
Zu Demaart
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