Dienstag3. Februar 2026

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Jede Szene wie die Perle einer Kette

Jede Szene wie die Perle einer Kette
(Tageblatt/Hervé Montaigu)

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Es ist ein Zugeständnis von Regisseur und Schauspielern, die Türen zu den Proben zu öffnen. Besonders, wenn es sich bei den Eindringlingen um die Presse handelt.

Doch Regisseur Vlad Massaci erklärte uns seine Herangehensweise an Büchners «Woyzeck», und die Schauspieler gaben uns einen zweistündigen Einblick in ihre Interpretation.

«Woyzeck» von Georg Büchner

«Woyzeck», heute eines der meistgespielten und einflussreichsten Dramen der deutschen Literatur, wurde 1836 von Georg Büchner begonnen und blieb, nach Büchners Tod 1837, als Fragment in mehreren Entwurfsstufen erhalten. Der einfache Soldat Franz Woyzeck, der seine Freundin Marie und das gemeinsame uneheliche Kind finanziell zu unterstützen versucht, arbeitet als Laufbursche für seinen Hauptmann. Um sich einen zusätzlichen Verdienst zu seinem mageren Sold, den er restlos an Marie abgibt, zu sichern, lässt er sich von einem skrupellosen Arzt zu Versuchszwecken auf Erbsendiät setzen. Hauptmann und Arzt nutzen Woyzeck nicht nur physisch und psychisch aus, sondern demütigen ihn obendrein in aller Öffentlichkeit. Als Marie heimlich eine Affäre mit einem Tambourmajor beginnt und Woyzecks aufkeimender Verdacht sich bestätigt, glaubt er, innere Stimmen zu hören, die ihm befehlen, die treulose Marie umzubringen …

Mit:

Luc Feit, Vicky Krieps, Martin Engler, Germain Wagner, Stefan Bastians, Nickel Bösenberg, Christiane Rausch, Pascal Noë Adam, Nilton Martins, Michel Roth und Pit Steinbach

Aufführungen:
Im Escher Theater:

Freitag, 18. Januar und Samstag, 19. Januar um 20 Uhr

Tickets: Tel. (+352) 54 03 87 / www.theatre.esch.lu

• Im Grand Théâtre de la Ville de Luxembourg:

Mittwoch, 23., Donnerstag, 24. u. Freitag, 25. Januar, 20 Uhr

Tickets: Tel. (+352) 47 08 95-1 / www.theatres.lu

Wie und wann haben Sie Büchner kennengelernt? Welchen Zugang haben Sie zu ihm?

«Georg Büchner ist auch in Rumänien ein sehr bekannter und viel inszenierter Autor. Büchner ist ein Muss für jeden Regisseur. Die Geschichte ist allgemein gültig und überall gültig. Es geht schließlich darum, inwiefern andere Leute über unser eigenes Schicksal verfügen.»

«Woyzeck» kann man als soziales Drama, als Eifersuchtsdrama oder auch als Drama eines psychisch kranken Menschen interpretieren. Auf welchen dieser vielen verschiedenen Ansätze legen Sie bei Ihrer Inszenierung besonders Wert?

«Meine Geschichte spricht vor allem darüber, wie das Schicksal eines Menschen in den Schicksalen anderer Menschen liegt. Ich möchte zeigen, wie Woyzeck zum Mord gebracht wird, dass der Mord sozusagen zu seinem Schicksal wird. Und dass er sich diesem Schicksal nicht entziehen kann, egal, was er auch macht.»

Für Sie ist Woyzeck demnach der arme, von der Gesellschaft missbrauchte Protagonist. Ganz im Sinne Büchners.

«Ja, genau. Ich arbeite sehr textnah. Ich habe die Jahrmarktatmosphäre, die in einzelnen Szenen bei Büchner selbst vorkommt, als Über-Geschichte, als Rahmen benutzt, in dem sich dann die gesamte Geschichte um Woyzeck entwickelt.»

Worin sehen Sie die größte Herausforderung an Büchners offenem Drama «Woyzeck»?

«Die Figuren sind nicht realistisch geschrieben. Das führt dazu, dass man keine Entwicklungen der Figuren hat. Sie werden nicht eingeführt, wie zum Beispiel bei Tschechow. Die Figuren bei Büchner sind schon mitten in ihrem Höhepunkt. Sie beginnen wie sie sind und sie enden wie sie sind.»

Was hat dies in Ihrer Inszenierung für Konsequenzen?

«Zwangsläufig ist die Geschichte fragmentarisch. Das Stück ist wie eine Kette, jede Szene eine einzelne Perle. Eine Art Puzzle aus dem dann ein Bild entsteht.»

Sie kommen aus Rumänien und arbeiten hier nun mit deutschsprachigen Schauspielern zusammen. Merken Sie einen Unterschied in der Theaterarbeit?

«Es gibt keinen menschlichen Unterschied. Menschen sind überall gleich, ob hier oder in Rumänien, vor allem auch, wenn sie sich mit ‚Woyzeck‘ beschäftigen. In jedem von uns steckt ein bisschen von all den Figuren, die im ‚Woyzeck‘ vorkommen. Organisatorisch gibt es Unterschiede, schon alleine, weil die Schauspieler hier keine Ensemble-Schauspieler sind. Das macht die Planung manchmal etwas schwieriger als in Rumänien.»