Der erste Wettbewerbsbeitrag „Jack“ ist einer von vier deutschen Filmen, die sich Hoffnungen auf den Goldenen Bären machen dürfen. „Jack“, von Edward Berger, porträtiert zwei Jungen, den elfjährigen Titelhelden sowie seinen jüngeren Bruder Manuel. Beide werden heiß und innig von ihrer Mutter geliebt, doch Liebe allein reicht nicht aus.
Sanna, die Mutter, die sich mit diversen Jobs über Wasser hält und dabei relativ gut über die Runden kommt, hat vor allem ihr eigenes Vergnügen im Sinne. Sie will ausgehen, einen Verehrer mit nach Hause bringen und nicht dann zur Stelle sein müssen, wenn ihr nicht danach ist. Es ist Jack, der von Tag zu Tag immer stärker in die Mutterrolle für seinen jüngeren Bruder reingedrängt wird. Bis zu dem Augenblick, als ein Unfall passiert und Jack ins Heim kommt. Als die Mutter ihn nicht wie versprochen abholt, um gemeinsam die Sommerferien zu verbringen, macht Jack sich auf die Suche nach Sanna.
In keinem anderen Land der Europäischen Union sind 2013 weniger Babys pro Einwohner zur Welt gekommen als in Deutschland und den Ruf eines kinderfeindlichen Landes hat Deutschland schon lange weg.
Regisseur Berger erklärte bei der Pressekonferenz am Freitagmorgen: „Das Thema der vernachlässigten Kinder wollten wir ohne die üblichen Klischees angehen, so sollte die Mutter auf keinen Fall drogenabhängig sein. Ein wichtiges Element war die Großstadt, das Chaos einer Millionenstadt eignete sich besonders gut, aber zutragen könnte sich diese Geschichte eigentlich überall. Die offensichtliche Überforderung der Mutter, die keine Verantwortung übernehmen will/kann, ist eine Entwicklung, die man in den letzten Jahren immer stärker beobachten kann.“
La voie de l’ennemi
Jack lebt vom überzeugenden Spiel des Titelhelden, der bei der Pressekonferenz als richtiger Profi daherkam. Lässig beantwortete der Elfjährige die Fragen der Journalisten und machte sogar einige Witze. Sollte der junge Mann entgegen seiner Ankündigung dann doch professioneller Schauspieler werden, darf man gespannt sein auf seinen weiteren Weg. „Two Men in Town“ (La voie de l’ennemi) ist einer der französischen Beiträge im Rennen um die Goldenen und Silbernen Bären. Der Regisseur des Films, Rachid Bouchareb, liefert hier ein Remake des 70er-Jahre-Streifens „Deux hommes dans la ville“ von José Giovanni, seinerzeit mit Alain Delon und Jean Gabin. Bouchareb verlagert die Story nach Amerika, genauer nach New Mexiko. Verpflichten konnte er für diese Neuverfilmung zahlreiche bekannte Größen wie Forest Whitaker, Brenda Blethyn, Harvey Keitel, Luis Guzman und Ellen Burstyn.
Bouchareb ist längst kein Unbekannter mehr hier in Berlin. 2009 wurde sein Film „London River“ mit dem Silbernen Bären für den besten Hauptdarsteller (Sotigui Kouyaté aus Burkina Faso) ausgezeichnet.
Heute kommt Clooney
Das Original aus den 70er-Jahren ist kein Meilenstein der Filmgeschichte, allerdings als engagiertes Plädoyer gegen die Todesstrafe zu verstehen. Bouchareb hat bei „La voie de l’ennemi“ die Thematik neu definiert. Ihm geht es hier um Macht und Missbrauch, um Versöhnung und Rache. Ein visuell sehr beeindruckender Film, mit einer perfekten Darbietung von Whitaker, der sich im Rennen um die Darstellerpreise schon mal ganz vorne platzieren konnte.
Der heutige Samstag dürfte dann das Maß aller Dinge sein. So wie Festivalleiter Dieter Kosslick es angekündigte hatte, wird „the one and only George“ die Berlinale mit seiner Präsenz beehren und die Anwesenheit des früheren „sexiest man alive“ wird dann ohne Zweifel zum „G-Punkt der Berlinale“.
Zu Demaart
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