Es zeigt sich nun mit präzisen Projekten rund um Europa und seine Kultur bürgernah und transparent. Ein Gespräch mit Olivier Frank, Direktor, und Diane Krüger, stellvertretende Leiterin.
Tageblatt: Herr Frank, seit Juni 2011 sind Sie Direktor des „Institut Pierre Werner“. In Ihren Antrittsinterviews betonten Sie, am Image des deutsch-französisch-luxemburgischen Kulturinstituts feilen zu wollen. Ist Ihnen dies gelungen?
Olivier Frank: „Als ich Leiter des IPW wurde, hatte dieses gerade eine schwierige Phase hinter sich, dennoch habe ich kein Haus vorgefunden, das in einem katastrophalen Zustand war. Doch mit den Polemiken haben wir abgeschlossen. Wir konzentrieren uns auf Inhalte und möchten, dass sich das IPW auf demselben Niveau wie andere Kulturhäuser auch in die kulturelle Landschaft von Luxemburg einfügt.“
Wie würden Sie den Platz des IPW in der hiesigen Kulturlandschaft denn beschreiben? Ist das Institut eine Art Brücke zwischen Frankreich und Deutschland via Luxemburg?
O.F.: „Natürlich, von französischer Seite wird uns nahegelegt, den Schwerpunkt auf Auseinandersetzungen um Europa zu legen, von deutscher Seite hingegen steht die Kulturvermittlung im Vordergrund. Wir versuchen nun, dialektisch beides zusammenzubringen. Die unterschiedlichen Ansätze unserer beiden großen Nachbarn lassen sich sehr gut miteinander verbinden.“
Wie genau?
O.F.: „Luxemburg hat eine fantastische Kulturlandschaft. Doch das, was vielleicht etwas fehlt, ist die sprachliche Auseinandersetzung mit Problemen und Phänomenen politischer, philosophischer, ethischer, literarischer oder künstlerischer Natur.“
Was meinen Sie mit sprachlicher Auseinandersetzung?
O.F.: „Es gibt nicht genug intellektuelle Auseinandersetzung und Ideenaustausch. Vor allem nicht in der Öffentlichkeit. Wir haben ein fantastisches Angebot an Theater-, Tanz-, oder Musikveranstaltungen, doch die Reflexion fehlt ein bisschen. Ich sehe eine der Aufgaben des IPW darin, Intellektuelle, Schriftsteller, kritische Geister einzuladen, um Diskussionen und Dialoge zu fördern.“
Diane Krüger: „Uns ist dabei eine multilaterale Herangehensweise wichtig. Wir versuchen, Gesichtspunkte aus deutscher, französischer und luxemburgischer Sicht zu erörtern. Außerdem legen wir Wert darauf, auch die Perspektive aus anderen Ländern und Kontinenten zu bekommen.“
O.F.: „Aber wir sind kein Elfenbeinturm. Wir sind kein Forschungszentrum, sondern Kulturvermittler. Unser Programm machen wir für unser Publikum.“
Wen möchten Sie vor allem ansprechen?
O.F.: „Wir versuchen natürlich, besonders junge Leute anzusprechen, wir arbeiten mit der Universität zusammen, geben den internationalen Gemeinschaften im Land eine Plattform, wir sind breit gefächert und haben kein Zielpublikum.“
D.K.: „Im Gegensatz zu früheren Jahren des IPW versuchen wir jetzt gezielt bekanntere, auch gelegentlich populärere Gäste einzuladen, die ein breiteres Publikum anziehen. Wie zum Beispiel Christian Kracht im vergangenen Juli oder jetzt, im Oktober, Manfred Krug.“
Worin liegt für Sie die größte Herausforderung in den kommenden Monaten/Jahren?
O.F.: „Als europäisches Kulturinstitut ist für uns die größte Herausforderung, Europa heute noch schmackhaft zu vermitteln. Das ist eine sehr reizvolle Arbeit, doch es macht keinen Sinn, Diskurse zu reproduzieren, die die Leute sowieso schon überall hören und nicht mehr hören wollen. Deshalb konzentrieren wir uns auf präzise Themen und Projekte, jenseits des Krisengeschwätzes.“
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