Eindrucksvoll zeigt „Esch-sur-Belval“ von Ed Maroldt die Entwicklung der ehemaligen Schmelzarbeiterstadt in Richtung Wissens- und Forschungsstandort auf Belval. Nebenbei klärt sich auch, woher der Sender seinen Namen hat und ob er fiktiv ist oder nicht.
Vorstellung
Im „Kinosch“, dem Kino der Escher Kulturfabrik, wird der Film am Sonntag, 20.12.2016 um 17.00 Uhr vorgeführt.
Interessiert?
Der rund 75 Minuten dauernde Film wurde zum Jubiläum des „Uelzechtkanal“ gedreht und wird begleitet von einem 126-seitigen Buch mit 300 Abbildungen zu Esch-sur-Alzette. Das Jubiläumspaket gibt es gibt es im Buchhandel oder bei „Edition le Phare“ für 29 Euro.
Er ist nicht fiktiv. Den Uelzechtkanal gibt es wirklich und zwar unter der Alzettestraße und nicht unter der Kanalstraße, wie die O-Töne im Film beweisen. Ein Mitarbeiter des Escher Kanalamts klärt auf. 1894/95 verschwindet die Alzette, deren Name als Zusatz in der Stadtbezeichnung nicht fehlen darf, unter den Mauern der heutigen Fußgängerzone und schließlich in Rohren, die durch den Keller der Raiffeisenkasse durchlaufen.
20 Jahre Stadtgeschichte
In zwei Teilen erzählt der Film die Geschichte einer Stadt, die nicht nur glanzvolle Zeiten kennt, deren Schicksal aber fest mit der Geschichte des Südens verbunden ist. Damit starten die 75 Minuten Film. Ohne Stahl und Erzabbau ist die Entwicklung Eschs nicht zu verstehen.
Weder die Mentalität der Menschen, noch ihr Lebensgefühl. Die nachts leuchtende Schlacke, der Blick auf die Hochöfen, seine Geräusche, der Dreck und die Unfälle bestimmte jahrzehntelang die Wahrnehmung von Generationen von Einwohnern der „Minettestadt.“ Es gab Heimat, Sicherheit, ein gesichertes Auskommen. Das gilt auch für die vielen Gastarbeiter, die kommen, weil es hier Arbeit gibt und die mitanpacken, um dem Land zu bescheidenem Reichtum zu verhelfen.
«Melting Pott»
Damals kommt er aus dem Hochöfen und nicht von den Banken. Der „Melting-Pott“ der Kulturen, der dadurch und über die Nähe zur französischen Grenze entsteht, lebt bis heute sichtbar im Stadtbild fort – allerdings unter anderen Vorzeichen.
Der zweite Teil gilt dem Kampf um eine neue Zukunft für die Stadt nach dem Niedergang der Montanindustrie. Die Stadt ist gebeutelt. Was wird aus Belval? Wohin wird sich Esch entwickeln? Im Rückblick muten die ersten Diskussionen um die Pläne für die Industriebrache teilweise amüsant an, vor allem angesichts dessen, was heute dort steht. Die Erhaltung der Silhouette der Hochöfen, die Regruppierung von Universität und Forschungseinrichtungen rundherum ist heute kein Thema mehr.
Probleme
Genauso wenig wie die Rockhal, die dieses Jahr gerade 10-jähriges Jubiläum gefeiert hat. Auch sie hat einen Platz in dem Film wie das Escher Theater, wegen dem früher viele „Stadter“ nach Esch reisten, um die Aufführungen zu sehen. Das sagt Luc Feit dem Interviewer beim Plausch auf der Alzettestraße.
Eine große Stärke des Films ist es, die Missstände nicht zu verschweigen. Der schleichende Zerfall der Kultur der Solidarität, die zunehmend kritische Haltung der Jugend gegenüber der Politik, die Probleme der Integration sowie die sozialen Herausforderungen, Regisseur Ed Maroldt macht keinen Bogen darum.
Für alle, die die Stadt verstehen und sich ihr nähern wollen, ist das nicht nur eine exzellente Einführung mit Zeitzeugen aus 20 Jahren Stadtgeschichte. Es ist eine Hommage, wie sie dereinst Grönemeyer für Bochum erfand. In „Esch sur Belval“ zählen allerdings die Bilder mehr als die Worte.
Zu Demaart
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