Er ist Drucker aus Liebe und Leidenschaft, Verleger aus Überzeugung und Freude am gedruckten Buch.
Steidl
Druckerei & Verlag
Düstere Straße 4
D-37073 Göttingen
Tel.: (+49) 551 49 60 60
www.steidl.de
Verreisen mag Steidl nicht. Und das aus ganz bestimmten Grund: Der Duft der Farben ist seine Droge, sein Lebenselixier. Er kann nicht von ihr lassen, ohne sie kann er nicht leben. Und sein Tod wäre wahrlich ein schmerzvoller Verlust für die gesamte Kunstwelt. Denn eine Welt ohne Steidl, ohne die Traumfabrik in der Düsteren Straße 4 in Göttingen, ist für viele Kunst- und Literaturliebhaber schlichtweg undenkbar.
Im Rahmen des europäischen Monats der Fotografie projizierte das CNA den mehrfach preisgekrönten Dokumentarfilm «How to Make a Book with Steidl» auf die Leinwand. Vor geraumer Zeit ist der Film von Gereon Wetzel und Jörg Adolph auf DVD erschienen. Und, wie hätte es anders sein können, natürlich im Steidl-Verlag. Über ein ganzes Jahr hinweg besuchten die beiden Filmemacher den Meister in seiner Druckerei, um, wie sie immer wieder zu sagen pflegen, das «organisierte Chaos» im Hause Steidl in Bild und Ton einzufangen: Berge von Papier, die bis unter die Decke gestapelt sind, Farbkleckse an Kleidung und den Wänden, haufenweise Fotografien, die einst liebevoll zusammengebunden und zu einem in limitierter Auflage erschienenen Kunstobjekt wurden, das bereits kurz nach seinem Erscheinen einen unaussprechlichen Wert bei Kunstsammlern hat.
Jedes Buch ein Kunstwerk
Denn seit der Gründung seines ersten Verlags im Jahr 1969 setzt Gerhard Steidl, am 22. November 1950 in Göttingen geboren, auf Qualität. Und was noch viel bedeutender ist: Er strebt nach Individualität. Jeder Künstler, den er verlegt und mit dem er zusammenarbeitet, verdient seine vollste Aufmerksamkeit.
Kein Produktionsschritt und keine Entscheidung, und sei noch so unbedeutend, wird ohne ihn getroffen. Steidl, die Inkarnation der Perfektion, ist omnipräsent, betreut jedes Projekt von Anfang bis zum Ende, ganz zum Leidwesen seiner Mitarbeiter, die mehr als einmal am Tag in die Schranken gewiesen werden.
Steidls Repertoire umfasst die herausragendsten Lichtbildner unserer Zeit: Robert Frank, Mitch Epstein, Herlinde Koelbl, Karl Lagerfeld und viele mehr. Doch Steidl interessiert sich nicht nur für die Kunst der Fotografie, auch Literatur ist ein bedeutender Bestandteil seines Lebens. Zwei Literaturnobelpreisträger verlegt der gelernte Drucker: der im Jahr 1998 verstorbene Isländer Halldór Laxness und Günter Grass, Steidls Lebensversicherung schlechthin. Denn seine «Blechtrommel», die in regelmäßigen Abständen immer wieder in einer neuen Auflage erscheint, hat sich bis heute Millionen- und Abermillionenmal verkauft. Mit dem Erlös der «Blechtrommel» und dem seines zweiten Bestsellers «The Americans» von Robert Frank finanziert Gerhard Steidl neue Kunstprojekte, wie beispielsweise «iDubai», ein Bildband des New Yorker Fotografen Joel Sternfeld.
Ein Maßstab für alle Ewigkeit
Szene aus «How to Make a Book with Steidl»: Sternfeld sitzt ratlos vor einer Farbtabelle und wirkt verunsichert. Steidl sitzt stillschweigend neben ihm. Es verstreichen Minuten, bis sich Steidl endlich regt und sich Sternfeld alles aufschwatzen lässt, was Steidl empfehlt. Er hat nicht mal den Hauch einer Chance, sein eigenes Werk selbst zu gestalten. Denn Steidl berät gekonnt, manipuliert, überzeugt und lässt einen Teil seiner Seele in jedes von ihm konzipierte, gedruckte und verlegte Buch hinein. Und gerade das macht den Steidl-Verlag so einzigartig.
Die bedingungslose Liebe zum Detail, der Mut zur außergewöhnlichen Aufmachung und Formaten, die Wahl und die Duft des verwendeten Papiers, die beeindruckende Druckqualität: Das ist die fabelhafte Welt des Gerhard Steidl, eine unentbehrliche Inspirationsquelle, ein Maßstab für alle Ewigkeit.
Zu Demaart
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