Mittwoch28. Januar 2026

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Deutkin oder Türsche

Deutkin oder Türsche
(Hatice Akyün)

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Mit einer interaktiven Lesung der deutsch-türkischen Bestsellerautorin Hatice Akyün startet das Institut Pierre Werner in das neue Veranstaltungsjahr.

Die mit dem Berliner Integrationspreis ausgezeichnete Schriftstellerin liest heute Abend um 19.00 Uhr in der Abtei Neumünster aus ihren Büchern «Ich küss dich, Kismet» und «Verdammte anatolische Bergziegenkacke», in denen sie ihr Leben mit und zwischen den verschiedenen Kulturen beschreibt. In einem begleitenden Gespräch mit der Journalistin Janina Strötgen gehen die beiden Kolleginnen den Fragen nach kulturellen Zugehörigkeiten auf den Grund.

Mit der Reihe «Wie man wird, was man nicht war» hat das Institut Pierre Werner eine Plattform geschaffen, bei der erfolgreiche Autoren präsentiert werden, die aufgrund von Migration oft zwischen zwei Kulturen stehen und sich in ihren Werken der Sprache des Gastlandes bedienen. Als Trägerin des Berliner Integrationspreises (2011) ist Hatice Akyün der ideale Gast für diese Reihe. 1969 in Akpinar in der Türkei geboren, lebt sie seit ihrem dritten Lebensjahr in Deutschland und arbeitet als Journalistin und Autorin. In ihren Erzählungen widmet sich Akyün stets dem Leben an der Schnittstelle zwischen deutscher und türkischer Kultur, die sie mit Witz und in einer bildhaften, detailverliebten Sprache niederschreibt.

Bereits vor dem Erscheinen ihres ersten Buches im Jahr 2005 schrieb Akyün für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften (u.a. für Spiegel, Emma, taz). Die Reportagen und Spiegel-Titelgeschichten «Der Denkzettel» (über den Brandanschlag in Solingen), «Eine Stadt wie ein Versprechen» (über eine junge, aufsteigende Generation von Frauen in Istanbul) oder auch «Verlorene Töchter» (über türkische Mädchen in Deutschland, die sich gegen ihre Väter auflehnen und ausbrechen) stammen aus ihrer Feder. Während Hatice Akyün in ihren Büchern vor allem über den Humor und die Überspitzung auf kulturelle Unterschiede und Missverständnisse zwischen den Welten hinweist, zeichnen sich ihre Reportagen hingegen durch einen klaren, sachlichen, beinahe nüchternen Stil aus. Sie lässt Menschen zu Wort kommen, urteilt wenig und legt vor allem dar.

«Einmal Hans mit scharfer Soße»

Ihr erstes Buch «Einmal Hans mit scharfer Soße» wurde unlängst verfilmt. Darin spielt Idil Uner (bekannt aus «Mordkommission Istanbul») eine Hatice, Deutschtürkin, Journalistin und mit Anfang dreißig immer noch nicht verheiratet. Für Hatice Akyün spiegeln der Film und natürlich das Buch ihr eigenes Leben zu einem bestimmten Zeitpunkt wider.

In «Ich küss dich, Kismet» (KiWi-Verlag, 2013) beschreibt Akyün auf humorvolle, aber nie plakative Art und Weise ihre Eindrücke als Deutsche in Istanbul. Mit dem Schlüssel zu einer kleinen Istanbuler Wohnung im Gepäck begibt sie sich auf die Suche nach ihrem anderen Ich. In der pulsierenden Stadt am Bosporus merkt sie jedoch schnell, dass sie weniger türkisch ist, als die deutsche Gesellschaft es ihr stets vermittelt hat.

Weder als Türkin noch als Deutsche, sondern als Kosmopolitin geht Hatice Akyün in ihrer Kolumne «Meine Heimat» für den Berliner Tagesspiegel sowohl den gewöhnlichen als auch den seltsamen Dingen, die in ihrer Heimat Deutschland geschehen, auf den Grund. «Verdammte anatolische Bergziegenkacke» (2014, KiWi-Verlag) ist eine Sammlung dieser Kolumnen und zugleich ein selbstkritischer Blick auf ihre bisherige journalistische Arbeit.