Der neue Finanzminister Pierre Gramegna war seinerzeit Kapitän der Fußballmannschaft, der langjährige Geschäftsführer des „CRP Henri Tudor“, Claude Wehenkel war als gefährlicher Revoluzzer verschrien, Ehrenstaatsminister Jacques Santer war zuständig für die beim jährlichen „Träipeniessen“ benötigten Würste, der neue Justizminister Félix Braz hat hier seine ersten Schritte im Studium der Rechtswissenschaften gemacht, Mady Delvaux-Stehres und ihr Gatte Michel waren eines der erste Ehepaare, die in der Stiftung unterkamen. Weitere „anciens“ sind François Biltgen, Viviane Reding, Jean-Jacques Kasel und Monique Kieffer, die Direktorin der Nationalbibliothek und Gastgeberin.
" class="infobox_img" />Die luxemburgischen Autoren Régis Moes (l.) und Denis Scuto. (Bild: Tageblatt/Pierre Matgé)
Biermans-Lapôtre. Histoire d’un mécène et de sa fondation
Auteurs
Pierre Van den Dungen & Serge Jaumain.
Avec la collaboration de Pieter Dhondt, Régis
Moes, Denis Scuto et
Guillaume Tronchet.
Editions Racine,
24,95 Euro
Es war demnach eine echte Klassenkonveniatsstimmung, die bei der Vorstellung des Buches aufkam, das die Brüsseler ULB in Zusammenarbeit mit der Uni Luxemburg über die Geschichte des Projektes ausgearbeitet hat.
„Cité universitaire“
Die wissenschaftliche Abhandlung ist kein Erinnerungsbuch, sondern die sorgfältige Aufbereitung des umfangreichen Archivs, das vor 13 Jahren, bei den bitter notwendigen Umbauarbeiten, in den Kellern des imposanten Beaux-Arts-Gebäudes gefunden wurde. Die ersten Kapitel beschreiben das Leben von Hubert Biermans und seiner Frau Berthe Lapôtre. Der niederländische Geschäftsmann, selbst kinderlos, hat sein ganzes beeindruckendes Vermögen in den Dienst der Jugend gestellt.
Nicht weniger als zwölf Millionen Goldfranken hat er zwischen den beiden Weltkriegen in das Gebäude investiert, das 1927 eröffnet wurde und seit seiner Gründung 25.000 Studenten in den rund 200 Zimmern aufnahm.
Die darauffolgenden Kapitel über die Entstehung der „Cité universitaire“, die politische Situation, die Entwicklung der Studentenschaft und die starke Persönlichkeit des langjährigen Direktors Jean Brauns sind spannend.
Zeitgeschichte mitgeschrieben
Interessant sind jedoch vor allem die Kapitel über die luxemburgische Belegschaft.
Von mehr als 3.000 Luxemburgern, die in der „Béiermans“ unterkamen und von denen viele heute zu den Entscheidungsträgern des Landes gehören, haben einige „Béiermans“-Geschichte geschrieben. So hat die 1968er Revolution im luxemburgisch-belgischen Studentenhaus schon 1965 begonnen, als sich die Bewohner von der Bevormundung der Direktion befreien wollten und mehr als einer ungewollt zum Wortträger des Protestes wurde.
Im Gegensatz zu seinem Assistenten Régis Moes ist Denis Scuto, der die luxemburgischen Recherchen leitete, kein ehemaliger Bewohner. Dennoch hat er sich von der Begeisterung anstecken lassen und will die Recherchen weiterführen, wobei ihm ganz besonders die Interviews der Zeitzeugen wichtig sind.
Die vielen Anekdoten, die nach der langen, offiziellen Vorstellung trotzdem noch ausgetauscht wurden, haben jedenfalls klar gezeigt, dass das Thema noch nicht erschöpft ist.
Zu Demaart
Sie müssen angemeldet sein um kommentieren zu können