Montag26. Januar 2026

Demaart Zu Demaart

Headlines

Aus Stahl und Eisen

Aus Stahl und Eisen
(François Besch)

Jetzt weiterlesen !

Für 0,99 € können Sie diesen Artikel erwerben.

Oder schließen Sie ein Abo ab.

ZU DEN ABOS

Sie sind bereits Kunde?

Eigentlich hätte man sich ja erwarten können, dass seine Heimatstadt Esch ihm zum 10. Todestag eine Retrospektive gewidmet hätte. Doch dort bestand kein Interesse. Also fand Jeannot Bewing Exil in der Gemeinde Kayl.

In der Tetinger „Schungfabrik“ findet die von mediArt kuratierte Schau also nun statt. Bis zum 6. September erhält der Besucher dort einen Einblick in das vielfältige Werk des Escher Künstlers, der uns im Juni 2005 für immer verlassen hat.

Zur Person

Jeannot Bewing wurde am 28. März 1931 in Esch geboren. Der Autodidakt war von Beruf Hüttenarbeiter. Nach einer Experimentierphase mit Holz und Stein fand Bewing 1968 den Weg zur Stahlbildhauerei. In zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland wurden die Werke des Eschers im Laufe der Jahrzehnte gezeigt. Jeannot Bewing erarbeitete sich einen eigenen, unverkennbaren Stil.

1991 wurde er mit dem „Prix de Raville“, 1997 mit dem „Prix Grand-Duc Adolphe„ ausgezeichnet.

Den Tod seiner Frau Mim (2004), mit der er seit 1954 verheiratet war, sollte der Künstler nicht verkraften. Nur ein Jahr später, in der Nacht zum 4. Juni 2005, verstarb Jeannot Bewing im Alter von 74 Jahren in seinem Haus in Esch.

Info

Jeannot Bewing (1931-2005)

Retrospektive in der
Tetinger „Schungfabrik“

Bis zum 6. September
Mittwoch bis Sonntag,
15.00 bis 19.00 Uhr

www.kayl.lu
www.mediart.lu

„Die Gewitterfront war heftig. Blitze, Donner, kübelweise Regen. Eine laute, gewaltige Nacht, eine Nacht, wie sie Shakespeare gern auf die Bühne brachte. Eine Gewitternacht voller Paukenschläge, eine Nacht für die, die mit dem Eisen tanzen. In dieser Nacht ist Jeannot Bewing gestorben.“ Mit diesen Sätzen beginnt die Hommage an Jeannot Bewing, die Paul Bertemes von mediArt in dem reich illustrierten, kleinen Katalog anlässlich der Retrospektive zum 10. Todestag des Escher Künstlers verfasst hat. Es war die Nacht auf den 4. Juni 2005, als Bewing verstarb. Geboren am 28. März 1931 war der Künstler seit jeher mit dem, was seine Heimatstadt einst reich machte, verbunden: mit Eisen und Stahl.

Als Jugendlicher trat er seinen Dienst als Schmelzarbeiter an. Dass später einmal aus ihm einer der bedeutendsten Bildhauer Luxemburgs und der Großregion werden sollte, stand damals noch auf keinem Blatt.

Doch Jeannot Bewing, der Autodidakt, sollte sich bereits sehr früh für die bildende Kunst begeistern. Während seine Arbeitskollegen zum Fußball gingen, besuchte er Kunstgalerien und Museen. Während sie Karten klopften oder kegelten, verbrachte er seine Freizeit mit künstlerischer Gestaltung. Er gehörte zu den Mitbegründern der Künstlergruppe „Consdorfer Scheier“, arbeitete zunächst in Holz, später dann in Stein, um schließlich zu dem Material zu finden, das wie geschaffen dafür schien, von ihm verarbeitet zu werden. Das Eisen war es, das harte Metall, mit dem er tagsüber „op der Schmelz“, im Walzwerk, zu kämpfen hatte, und von dem er fortan auch in seiner Freizeit die Finger nicht lassen konnte.

Waren seine Arbeiten zu Anfang noch streng minimalistisch geometrisch ausgelegt, so sollte Bewing diese Bande schon rasch sprengen. „Sein Kunstschaffen vertrug keine berechnenden, einengenden Formen. Seine instinktive Sicherheit im Umgang mit der Form erlaubte es ihm, mit ungehemmter Kraft ein Werk anzugehen“, schreibt Paul Bertemes hierzu im Ausstellungskatalog.

Die Retrospektive in der „Schungfabrik“ in Tetingen liefert einen guten Überblick über das Oeuvre des Eschers. Die gezeigten Werke aus rund vier Jahrzehnten sind Leihgaben von Sammlern und vom Nationalmuseum für Geschichte und Kunst (MNHA). Zu sehen sind zahlreiche Plastiken, aber auch Wandreliefs, Modelle von Monumentalwerken sowie Skizzen.