Ende Dezember kletterte in Esch-Alzette, nahe dem Kreisverkehr in Raemerich, eine Frau auf einen 80 Meter hohen Mast (s.T. vom 28.12.2022). Anfangs ging von einer Klimaaktivistin die Rede, ein Gerücht, das sich jedoch nicht bestätigen sollte. Nicht politische Motive hatten die Frau auf den Mast getrieben, sondern gesundheitliche Probleme: Wie die Schwester der Betroffenen dem Tageblatt erzählte, leidet die junge Frau an Schizophrenie. Bei der Gelegenheit kritisierte sie, dass es nicht genügend Therapieplätze gebe, wo solche Patienten stationär behandelt werden können. „Es ist nicht das erste Mal, dass sich meine Schwester in Gefahr begibt. Doch es ist sehr schwierig, sie dauerhaft in einem Krankenhaus unterzubringen. Schon mehrere Male wurde sie in die Notaufnahme gebracht. Dort gibt man ihr Medikamente und nach ein paar Tagen entlässt man sie. Doch ich kann sie nicht zwingen, ihre Medikamente auch weiter zu nehmen, wenn sie nicht möchte.“
Die junge Frau ist beileibe kein Einzelfall. Schätzungen zufolge leiden zwischen einem und zwei Prozent der Bevölkerung an einer Psychose, erklärt der Psychiater Dr. Paul Rauchs. Das wären bei der aktuellen Bevölkerungszahl zwischen 6.500 und 13.000 Menschen. Das geläufigste Krankheitsbild sei die Schizophrenie. Dabei kommt es zu einer Veränderung des Denkens und der Wahrnehmung. Man nimmt an, dass eine genetische Veranlagung bei der Schizophrenie eine Rolle spielt. Die Krankheit wird auch als Stoffwechselstörung des Gehirns verstanden. Die Ursachen sind jedoch nicht eindeutig geklärt.
Dass das Thema "Psychische Erkrankung" nicht nur in Luxemburg tabuisiert ist, hängt nicht nur, aber auch mit der Geschichte der Medizin der letzten hundertfünfzig Jahre zusammen. Psychisch kranke Menschen gehörten weltweit zum "unbrauchbaren Volkstum" von vielen "modernen", sozialdarwinistisch geprägten Nationen. MfG Robert Hottua