Historiker siedeln den Chardonnay im französischen Burgund an und datieren ihn auf 1685. Andere Forscher wollen wissen, dass die Rebe ursprünglich aus Syrien kommt und von den Kreuzrittern nach Frankreich gebracht wurde. Fest steht jedenfalls, dass er sich dort nicht nur etabliert hat – seit der Weinbauausstellung von 1872 in Lyon ist der Name gefestigt –, sondern auch einen eigenen Eroberungszug angetreten hat. Es gibt ihn mittlerweile auf der ganzen Welt, er ist die weltweit am meisten angepflanzte Weißweinrebe.
Verbunden bleibt er natürlich mit der gleichnamigen Ortschaft in der Gegend von Mâcon, Namensgeber könnte aber auch der „Chardon“ – die Distel – gewesen sein.
1958 wurde die Rebe jedenfalls von dem französischen Professor und Weinfachmann Pierre Galet als natürliche Kreuzung von „Gouais Blanc“, auch bekannt als „Heunisch“, und Pinot Noir bezeichnet und damit deutlich von seinem nahen Verwandten, dem Pinot Blanc, differenziert.
Eine Erfolgsgeschichte
Die höchste Qualität erreicht der Chardonnay in berühmten Appellationen wie Puligny-Montrachet, Meursault oder Corton-Charlemagne. Etwas weiter südlich, in der Côte Chalonnaise (Mercurey), Rully und Pouilly-Fuissé, fühlt er sich jedoch ebenfalls zu Hause.
Von Burgund ausgehend hat der Chardonnay seit etwas mehr als hundert Jahren die ganze Welt erobert. Das verdankt er in erster Linie seiner guten Anpassungsfähigkeit. Die Rebe gedeiht auf warmem wie auch auf kaltem Boden, entwickelt jedoch, je nach Anbaugebiet, unterschiedliche Geschmacksrichtungen. Bevor er verarbeitet wird, braucht es die richtige Pflege. Spezialisten sprechen hier von einer „Winzertraube“, die fachgerecht behandelt werden muss, damit sie sich bewährt. Kritiker werfen ihm vor, weniger Charakter zu haben als beispielsweise ein Riesling. Daran Schuld ist möglicherweise seine größere Anpassungsfähigkeit. Gleichzeitig hat gerade diese Eigenschaft seinen Eroberungszug gefördert.
In die Welt hinaus
Schon in seinem Heimatland Frankreich ist der Chardonnay äußerst vielseitig. So wird er in der Gegend von Beaune gerne im Holzfass ausgebaut, was ihm fruchtige Aromen und einen rauchigen, buttrigen Geschmack verleiht. Man erkennt darin Geschmackskomponenten wie Himbeere, Stachelbeere, Vanille, tropische Früchte, Pfirsich, Tabak, Tee oder einen Hauch von Walnuss. Damit passt er besonders gut zu Fisch- und Fleischgerichten, wenn sie in einer leicht buttrigen Soße serviert werden.
Reift er im Stahltank, dann schmeckt er mineralischer, nach Melone und reifen Äpfeln. Damit kann er bei einem Salat, Meeresfrüchten und sogar einem Käsebuffet mithalten. In der Regel wird die Rebe allein verarbeitet und nicht in einer Cuvée mit anderen Rebsorten vermischt.
In Burgund ist er auf 51 Prozent der Rebfläche der meist angepflanzte Wein. Er fühlt sich aber auch im Jura und im Languedoc-Roussillon wohl, wobei in diesen südlicheren Gegenden die Aromen der Südfrüchte stärker zu Ausdruck kommen. Auch in der Champagne wird Chardonnay angebaut und in den Champagner-Weinen verarbeitet.
Weltweit wird Chardonnay auf etwas mehr als 200.000 Hektar Fläche gezüchtet. Damit liegt er hinter dem Cabernet-Sauvignon, dem Merlot, dem Airèn und dem Tempranillo auf Platz fünf.
Nummer eins der Anbauländer ist noch immer Frankreich mit rund 47.000 Hektar. An zweiter Stelle kommen die USA, wo der Chardonnay mit einer Anbaufläche von 41.000 Hektar der meist angepflanzte Weißwein ist. In der warmen Gegend reifen die Trauben schnell, die schönsten Chardonnay kommen deshalb aus dem Sonoma-Tal und dem Oregon. Unwiderruflich verbunden mit dem Chardonnay sind hier die Namen von Ernest und Julio Gallo.
In wärmeren Klimazonen hat der Wein mehr Zucker und Alkohol und bekommt dadurch tropische Noten. Der neuseeländische Chardonnay zum Beispiel zeichnet sich durch seine klaren Aromen und seine frische Säure aus. Der amerikanische Chardonnay hingegen wird immer kräftig und gehaltvoll ausgebaut, was ihm eine cremige Säure gibt.
Auch in Australien, mit 21.000 bepflanzten Hektar, ist der Chardonnay die am meisten gezüchtete Rebe. Die besten Weine kommen aus der Gegend von Victoria.
Chile mit 11.000 und Argentinien mit etwas mehr als 6.500 Hektar sind ebenfalls große Chardonnay-Produzenten, genau wie mittlerweile auch China.
In Europa wird der Chardonnay neben Frankreich vor allem in Italien auf immerhin 19.000 Hektar angebaut, insbesondere in Venezien und dem Piemont.
Spanien und Portugal sind keine großen Produzenten. Dafür hat der Chardonnay in den letzten 30 Jahren Deutschland und Österreich erobert. Er wird auch in Moldawien und Bulgarien angebaut.
Luxemburg bleibt auch nicht außen vor. Bei uns wurden die Jahrgänge 2018 und 2020 als außergewöhnlich eingestuft. Weingüter wie Sunnen-Hoffmann, Frank Kayl, Cep d’Or, Häremillen oder Clos des Rochers sind hier Vorreiter.
Einen Versuch wert
Wer sich informieren möchte, ist seit dem 21. März und bis zum 2. April auf dem alljährlichen „Festival des vins du monde“ in den Cactus-Verkaufsstellen genau richtig. Haupt-Veranstaltungsort ist das Einkaufszentrum „Belle Etoile“, wo eine Auswahl von 351 Weinen aus 16 Ländern auf interessierte Kunden wartet. Wer sich auf die Suche nach Chardonnay-Weinen macht, wird Produkte aus Südafrika, Argentinien, Chile, Kalifornien, Moldawien, Bulgarien und natürlich Italien verkosten können.
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