alt-J sind eine dieser Live-Bands, bei denen man eigentlich am liebsten nur schreiben möchte, der Leser solle sich das Ganze doch bitte selbst anhören und ansehen – Musik und Bilder würden so sehr für sich sprechen, dass die sprachliche Beschreibung bloß einen ungefähren Eindruck überliefern, einen synästhetischen Annäherungsversuch darstellen könne.
Dies kann man aber durchaus als intrinsische Problematik des Musikjournalismus ansehen und als Herausforderung, dann trotzdem etwas Sinnvolles über das Konzert zu schreiben, ohne in Gemeinplätze des gängigen, massentauglichen Journalismus zu verfallen (im Stil von: Band X brachte die Masse zum Brodeln).

Foto: Hervé Montaigu
Einstudierte Unsicherheit
alt-J treten äußerst schüchtern auf, reden kaum mit dem Publikum, bewegen sich auch fast nicht. Diese Unsicherheit, die der Band natürlich Sympathiepunkte einbringt, wirkt aber irgendwie konstruiert, bedenkt man, wie professionell und einstudiert hier alles ist.
Da wäre zum Beispiel das Bühnenbild, das prachtvoll-minimalistisch mit Lichtsäulen daherkommt, die man so ähnlich zwar schon bei Radiohead gesehen hat, die aber schön auf Schlagzeug und Rhythmus abgestimmt pulsieren und die Zerbrechlichkeit der Songs widerspiegeln. Oder die wohl einstudierte, clever aufgebaute Setlist – vom gewagten Beginn mit dem Opener des neuen Albums, „3WW“, ein anfänglich etwas sperriger, unaufgeregter Song, dessen Schönheit sich spät entfaltet über die vielfachen Hits vom Debüt bis hin zum Encore, das mit „Breezeblocks“ nicht treffender aufhören hätte können.

Foto: Hervé Montaigu
Isolation
Das Bühnenbild ist so arrangiert, dass die drei Bandmitglieder durch Lichtsäulen voneinander isoliert sind, stoisch starren sie ins Publikum, fast könnte man sagen, die Band male auf der Bühne Bilder der Einsamkeit. Ein Eindruck, der verstärkt wird, wenn bei „Dissolve“ horizontale Lichtschranken die Band vom Publikum abtrennen, als wolle die Band sich definitiv in ihrer Musik auflösen und dem melancholischen Diktum von Radiohead-Mastermind Thom Yorke („How to Disappear Completely“) folgen. Ständig beobachtet man hier dieses freudianische Fort-Da-Prinzips, die heimliche Lust nach Unsichtbarkeit und die Notwendigkeit, dann trotzdem im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen.
Den vollständigen Bericht sowie die Renzension des neuen alt-J-Albums finden Sie in der Samstagsausgabe (15.07.2017) des Tageblatt.
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