Gefühlte 32 Grad im Schatten, kühle und verlockende Cocktails, vegane Kost aus streng biologischem Anbau, geselliges Beisammensitzen und strahlende Gesichter: Die gutmütige Laune ist förmlich mit Händen zu greifen. Kaum jemand mag den behaglichen Platz an der Sonne räumen.
Art exhibition:
„Out of the Crowd“
Galerie Terre Rouge
Kulturfabrik
Bis zum 23. April
Mo.-Fr.: 15-19 Uhr
Kontakt:
116, rue de Luxembourg
L-4221 Esch/Alzette
Tel.: (+35) 55 44 93-1
www.kulturfabrik.lu
Ausstellende Künstler:
• Philippe Nathan (Lux)
• Letizia Romanini (Lux)
• Stephan Backes (D)
• Florent Schmitt (F)
• Ali Khodr (F)
• Yann Annaricchiarico (I)
Letztendlich tun sie es aber doch, einzig und allein des alternierenden Klanges wegen. Auf der Bühne: No Metal in this Battle. Und sie machen ihrem Namen alle Ehre: vertrackte Beats, kräftige Bässe und virtuoses Tapping auf elektrifizierten Saiten. Luxemburgs Independent-Szene lebt, gedeiht und erntet tosenden Applaus.
Als Geheimtipp gehandelt
Vor acht Jahren wagte Schalltot erstmals das Unmögliche und hob ein Musikfestival aus der Taufe, das die Hand am Puls der Zeit hat: das «Out of the Crowd». Die Bands, die hier auftreten, kennen nur die allerwenigsten Menschen. Und gerade das macht dieses Festival so unentbehrlich und anziehend.
Mainstream kennt es nicht, nur unglaublich talentierte Soundtüftler, die bestenfalls in Insiderkreisen als Geheimtipp gehandelt werden.
Doch die Ausnahme bestätigt die Regel: Da die Musikprogrammgestalter des «Out of the Crowd» nur sehr ungern unter sich verweilen oder ihren Abend mit zwei, drei, vielleicht auch sieben Indienerds verbringen möchten, setzen sie Jahr für Jahr alles auf eine Karte: einen Headliner, der selbst Besucher aus dem fernen Ausland nach Esch in die Kulturfabrik lockt.
Nach «65 Days of Static» im vergangenen Jahr legte Schalltot am Samstagabend die Messlatte ein Stückchen weiter höher und trumpfte mit den unnachahmlichen und unwiderstehlichen New Yorker Battles auf, die nach Abgang ihres Masterminds Tyondai Braxton zugegebenerweise nicht mehr ganz so reizvoll sind. Es sind vielmehr die Unbekannten, die die Sinne reizen und für außerordentliche Überraschungen sorgen. Am Samstag war es Baths, der uns in atemloses Staunen versetzte – ein einsam reisender Globetrotter, dessen Fingerfertigkeit für stummelige Drehknöpfe keine Grenzen kennt und der an der Tonsequenz anknüpft, die Kieran Hebden hat abklingen lassen.
Musik fernab des Mainstreams
Indie, Elektro, Post- und Mathrock: Dies ist die Sternekonstellation des wundersamen Schalltot-Klanguniversums – eine unglaublich beziehungsreiche, eng umschlungene Weltordnung, die längst vergessene DIY-Regeln wieder zum Leben erweckt und Künstler ins Rampenlicht stellt, die abseits des etablierten Kunstsystems entstanden sind und fernab von konventionellen Normvorstellungen agieren.
Gewiss, Musik ist unweigerlich mit Unterhaltung verbunden. Doch das «Out of the Crowd» soll viel mehr sein als nur ein reines Musikfestival. Seit der ersten Auflage, die gemeinsam mit der «Jugend fir Fridden a Gerechtegkeet» veranstaltet wurde, setzen die Drahtzieher des «Out of the Crowd»-Festivals auf kulturpolitische Inhalte. Jahr für Jahr verwandelt Konzeptkünstlerin Isabelle Henrion die Galerie «Terre Rouge» in ein kleines, ansehnliches und imponierendes «Palais de Tokyo», in der eine ganze Reihe von aufstrebenden Künstlern aus dem In- und Ausland ihrer ganz eigenen Konzeption zeitgenössischer Kunst Ausdruck verleihen – eine Kunstausstellung, die selbst dann noch zu sehen ist, wenn die schrillen Klänge blubbernder Bässe und ohrenbetäubender Rimshots längst verklungen sind.
Zu Demaart
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