Während in Europa um jedes Kohlekraftwerk gerungen wird, baut China Woche für Woche ein bis zwei dazu. Der weltgrößte Kohle-Produzent und -Verbraucher hat seinen Energiehunger noch lange nicht gestillt; immer neue Stahlwerke und Fabriken wollen mit günstiger Energie versorgt sein. «Steinkohle ist die am schnellsten wachsende fossile Primärenergie der Welt», heißt es. Förderung und Verbrauch erhöhten sich im vergangenen Jahr um 600 Millionen auf 6,7 Milliarden Tonnen.
Dieser Trend setzt sich nach den meisten Szenarien in den kommenden Jahren fort. Treiber ist vor allem die wachsende Weltbevölkerung. Jedes Jahr kommen 70 bis 80 Millionen Menschen hinzu, das sind fast so viele wie in ganz Deutschland. Ein immer größerer Anteil von ihnen wohnt in Städten, wo der Energieverbrauch pro Kopf höher ist. Laut der Internationalen Energieagentur (IEA) steigt die Weltbevölkerung in den nächsten 25 Jahren von heute 7 auf 8,5 Milliarden Menschen. Zwar leben die meisten von ihnen in Entwicklungsländern und mehr als 20 Prozent der Weltbevölkerung hat keinen Zugang zu Strom. Aber sie streben danach. Die Schwellen- und Entwicklungsländer haben einen enormen Nachholbedarf beim Energieverbrauch, um sich den Industrieländern anzunähern.
Zukünftige Märkte
In Indien, dem zweitgrößten Land der Erde, ist die Bevölkerung in den vergangenen zehn Jahren um 16,2 Prozent auf 1,22 Milliarden Menschen gewachsen, und mit einer weiteren Zunahme ist zu rechnen. «Schon deshalb hat Indien eine zentrale Bedeutung für die weltweite Energienachfrage», sagt Prof. Michael Bräuninger vom Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut HWWI. Indien und China sind zusammen für 90 Prozent des Verbrauchsanstiegs bei der Kohle verantwortlich. Sie decken ihren Strombedarf heute und in Zukunft überwiegend mit Kohle. Erneuerbare Energien und Kernkraftwerke spielen eine geringere Rolle.
Nach dem Hauptszenario der IEA wird China bis 2035 Kohlekraftwerke mit einer Leistung von rund 600 Gigawatt hinzubauen; das entspricht der heutigen Kapazität der USA, der EU und Japans zusammengenommen.
Mit dem Verbrauch von Kohle und anderen fossilen Brennstoffen steigt auch der Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxids, im vergangenen Jahr nach BP-Zahlen um 5,8 Prozent. Da der Verbrauch nicht zurückgehen wird, setzt die Kohlelobby auf Technologie: Mit effizienterer Kraftwerkstechnik sei der CO2-Ausstoß in den Griff zu bekommen. Eine Schlüsselrolle spielt dabei die sogenannte CCS-Technik, mit der das CO2 bei der Kohleverbrennung zurückgewonnen wird. Sie steckt allerdings noch in den Kinderschuhen.
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