Intelsat hat eine bewegte Geschichte: Im Jahre 1964 wurde das heute private Unternehmen als zwischenstaatliche Betreiberorganisation von Kommunikationssatelliten gegründet.
Anfangs waren zehn Länder am «International Telecommunications Satellite Consortium» beteiligt. Zu ihnen zählten die USA, Frankreich, Japan, Deutschland und Großbritannien. Bis zur Privatisierung im Jahr 2001 war ihre Zahl auf über 150 angestiegen. Auch Luxemburg, China, die Sowjetunion und die DDR waren zwischendurch zu Mitgliedern der Organisation geworden.
Intelsat I war dann auch der erste kommerzielle Nachrichtensatellit auf einer geostationären Umlaufbahn. Er wurde am 6. April 1965 in den Weltraum geschickt. Sein Spitzname lautete Early Bird (Der frühe Vogel).
Intelsat: Branchen-Führer
«Heute sind wir – mit 53 Satelliten – das größte Unternehmen in dem Bereich», so Intelsat-Vizepräsident Flavien Bachabi gegenüber dem Tageblatt. Der gebürtige Beniner ist Leiter des Weltsitzes des Unternehmens auf dem Kirchberg. Seit Dezember 2009 ist Intelsat ein Luxemburger Unternehmen. Zuvor war die Satellitenbetreibergesellschaft auf den Bahamas zu Hause.
Wichtigster Grund für den Umzug war die Tatsache, dass die «Bahamas kein Doppelbesteuerungsabkommen mit den USA haben», so Flavien Bachabi. «Dabei erwirtschaften wir 46 Prozent unserer Einkünfte mit Kunden, die in den USA sitzen.» Luxemburg hingegen habe ein Abkommen mit den USA und viele weitere Doppelbesteuerungsabkommen mit Ländern, die fürs Intelsat-Geschäft wichtig sind.
Luxemburgs Vorzüge
Daneben sei es wichtig für Intelsat gewesen, in ein Land zu kommen, das sich mit Satelliten auskennt. Und zudem befinde sich Luxemburg nahe an den Zeitzonen, in denen Intelsat in Zukunft mit Wachstum rechnet, etwa Osteuropa und Afrika.
Ein Jahr nach der Entscheidung für Luxemburg zählt das hiesige Büro bereits 14 Mitarbeiter. «Bei uns erledigen wenige Mitarbeiter viele Arbeiten», so Flavien Bachabi.
Weltweit beschäftigt die Gruppe rund 1.100 Leute in 14 Büros, die sich in 14 verschiedenen Ländern befinden. Wichtigster Standort ist Washington. «Wir sind überall auf der Welt präsent – sogar in Afrika.»
Glasfasernetz von 28.000 Meilen
Intelsat ist jedoch nicht nur Betreiber von Satelliten. Das Unternehmen unterhält auch eine großflächige Infrastruktur auf der Erde, die das Netz von Satelliten ergänzt. Dazu zählen ein Glasfasernetz von 28.000 Meilen rund um den Globus und mehrere «Teleports». «Das Ganze ist ein wahrhaft globales Netzwerk», unterstreicht Flavien Bachabi. «Somit konkurrieren wir nicht nur mit Satellitenbetreibern, sondern auch mit Kabelanbietern.»
Die Gesellschaft bietet ihren Kunden eine ganze Reihe von Dienstleistungen im Kommunikationsbereich. Dazu zählen Video-, Data- und Sprachübertragungen. Zudem bauen sie auch komplette Netzwerke für Kunden auf. Insgesamt 7.000 Fernsehprogramme werden von Intelsat in die Haushalte gesendet.
Zukunftsprojekt mit kanadischer Firma
Daneben bietet Intelsat auch Dienstleistungen für Regierungen an, beispielsweise zur Steuerung unbemannter Drohnen der US-Armee.
Die neue Luxemburger Firma ist an keiner Börse notiert. Besitzer von Intelsat ist eine Gruppe von Finanzinvestoren, zu denen BC Partners und Silverlake gehören.
Und «die Firma entwickelt sich gut», so Flavien Bachabi. Das globale Netz werde konstant weiter ausgebaut. Sieben neue Satelliten seien derzeit im Bau. Im vergangenen Jahr hat die Gesellschaft einen Umsatz von 2,5 Milliarden Dollar erwirtschaftet.
Innovation für den Weltraum
Zudem arbeitet Intelsat derzeit, zusammen mit einer kanadischen Firma, an einem ehrgeizigen Zukunftsprojekt: Sie bauen ein Vehikel, das dazu genutzt werden kann, um Satelliten im Weltraum mit Sprit zu versorgen, ja sogar reparieren zu können. Das würde die Lebensdauer der Satelliten deutlich verlängern, so Bachabi. Zudem soll das Vehikel den Orbit untersuchen.
Flavien Bachabi selbst arbeitet seit 15 Jahren für Intelsat. Ehe er nach Luxemburg kam, war er zuständig für das Büro in Südafrika. Mit dem eher kühlen Wetter in Luxemburg ist er zufrieden. «Es ist geradezu perfekt für mich», meint er.
Ursprünglich kommt er aus dem westafrikanischen Land Benin. Dort hatte er auch sein Studium in Physik und Mathematik abgeschlossen. Ein Zusatzstudium hatte er in St. Petersburg gemacht. Später arbeitete er für France Télécom und Siemens, dann an einem Projekt in Afrika für die kanadische Regierung. Danach wurde er Geschäftsführer der Telekommunikationsgesellschaft in Benin. 1983 wurde dieses Land Mitglied bei der Organisation Intelsat, wohin Bachabi dann auch wechselte.
Zu Demaart
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