Dienstag27. Januar 2026

Demaart Zu Demaart

Headlines

Der Charme der «Nei Avenue»

Der Charme der «Nei Avenue»
(Tageblatt-Archiv)

Jetzt weiterlesen !

Für 0,99 € können Sie diesen Artikel erwerben.

Oder schließen Sie ein Abo ab.

ZU DEN ABOS

Sie sind bereits Kunde?

LUXEMBURG - Die Avenue de la Liberté kam in einer Studie der Agentur "Présence" zu unerwarteten Ehren. Die Mystery-Shopper der Agentur, die als Touristen getarnt die Geschäftsstraße bewerteten, haben 400 Läden quer durch die Welt getestet.

Das Ergebnis: Hinter der Orchard Road in Singapur belegt die «Nei Avenue» den zweiten Platz und lässt prestigeträchtige Shopping-Meilen wie die Pariser Champs-Elysées oder die Berliner Friedrichstraße hinter sich.

Die «Nei Avenue» kommt in der Gesamtnote auf 85 von 100 möglichen Punkten. Bei den Punkten «Erscheinungsbild» (Stichwort gepflegte Umgebung und Beleuchtung) und «Kundenempfang» ist die Avenue de la Liberté sogar Spitze. «Wenn ich jetzt sagen würde, dass ich nicht überrascht wäre, würde ich lügen», so Corinne Cahen, Präsidentin der «Union commerciale de la Ville de Luxembourg» (UCVL).

Missverstandene Ergebnisse

Die Studie selber hatte sie gestern Nachmittag noch nicht gesehen. Aber es hat bereits einige Missverständnisse in der Interpretation der Studie gegeben. Vier Kriterien wurden genannt: die «Atmosphäre» der Avenue, der «Kontakt» mit den Passanten, wenn man etwa nach dem Weg fragt, das «Erscheinungsbild» der Läden und Umgebung und schließlich der «Empfang» durch das Personal. Von der «schönsten Avenue» geht nicht die Rede.

Für Corinne Cahen gibt es aber eine ganz plausible Erklärung für das Ranking. «Wenn Sie zum Beispiel auf den Champs-Elysées in ein Riesengeschäft laufen, sagt Ihnen auch nicht jeder Guten Tag. Der Unterschied ist: Wenn mich ein Tourist nach «Tax free» fragt, kommt man schnell ins Gespräch. Wo kommen Sie her?, Wie lange bleiben Sie? Haben Sie dies oder das schon gesehen? Das macht man auf den Champs-Elysées natürlich nicht, weil man sonst nicht mehr fertig würde. Von daher ist der Kundenempfang natürlich ein anderer. Wenn an einem Tag 50 Kunden in den Laden kommen, kann man natürlich jedem einzelnen ‚Bonjour soen‘. Bei 500 geht das nicht mehr.»

Tradition und Moderne

In der Avenue de la Liberté gibt es eigentlich auch keine großen internationalen Ketten. Die zahlreichen Geschäfte bilden eine gute Mischung aus neueren und trendigen Läden sowie Traditionsadressen. Und fast überall wird man in der Sprache begrüßt, die gerade passt. Luxemburgisch, Deutsch, Französisch, Englisch. Die Läden sind das, was man vielleicht als authentisch oder persönlich bezeichnen könnte. Das ist bei den großen Shopping-Meilen eher weniger der Fall.

«Man kann immer Erklärungen suchen», so Corinne Cahen. Was die Studie angeht, so kann sie nur feststellen, «dass wir beim nächsten Mal eigentlich nur Plätze verlieren können». Das Ergebnis ist ein netter Schulterklopfer und die Erkenntnis, dass man doch einiges richtig gemacht hat, mit einer Einschränkung: «Die Ausländer bewerten den Empfang ganz anders als Luxemburger. Die achten stark auf die Sprache.» Ob die Mystery-Shopper Englisch oder Französisch sprechen, ist ja kein Problem.