Dienstag27. Januar 2026

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Mit Sitzblockaden gegen Stuttgart-21-Weiterbau

Mit Sitzblockaden gegen Stuttgart-21-Weiterbau
(dpa)

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Die Deutsche Bahn will ihr Mammutprojekt Stuttgart 21 endlich weiterbauen. Die Polizei soll dafür den Weg frei machen. Doch die S21-Gegner blockieren die Straße vorm Südflügel. Und es sind mehr als erwartet.

Hunderte Stuttgart-21-Gegner haben sich in der Nacht zum Freitag der Polizei beim Absperren der Baustelle am Stuttgarter Hauptbahnhof in den Weg gesetzt und Barrikaden errichtet. Um kurz nach 3.00 Uhr waren nach Behördenangaben 1.900 Beamte im Einsatz, darunter 400 Bundespolizisten. Sie wollten das Gelände vor dem Südflügel mit Gittern abriegeln.

Rund 600 S21-Gegner hatten sich dort eingefunden, um den Weg zu versperren. Als die Polizisten kamen, bildeten viele Sitzblockaden. Mit Trompeten spielten Demonstranten die deutsche Nationalhymne. Andere riefen: «Oben bleiben!», «Schämt euch!» und «Kretschmann weg!». Von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Die Grünen) hatten sie auch nach der verlorenen Volksabstimmung mehr Engagement gegen das auf 4,1 Milliarden Euro veranschlagte Projekt erwartet.

Blockaden räumen

Die Polizei hat damit begonnen, die Demonstranten vor dem Südflügel des Stuttgarter Hauptbahnhofs wegzutragen. Zuvor hatten Beamte bereits Barrikaden aus Holz, Pappe und Möbeln geräumt. Einige Polizisten trugen dabei fast am ganzen Körper besondere Schutzkleidung.

In den kommenden Tagen soll der Südflügel entkernt und abgerissen werden. Das Fundament der südlichen Umfassung kollidiert mit den Plänen für den Tiefbahnhof. Der Nordflügel war bereits im August 2010 abgetragen worden. Die Projektgegner halten den Abriss des Südflügels für den zeitlichen Ablauf des S21-Weiterbaus derzeit für unnötig.

Wütende Demonstranten

Die Polizei, die mit 400 bis 500
Demonstranten gerechnet hatte, hofft auf einen friedlichen Verlauf der generalstabsmäßig geplanten Aktion. Sie setzte Anti-Konflikt-Teams und Kommunikationsmanager ein. Mit Leuchtschrift-Laufbändern rief die Polizei die Demonstranten auf: «Verlassen Sie den abgesperrten Bereich.» Die Versammlung sei verboten worden. Viele S21-Gegner, von denen mehrere Aufkleber mit der Aufschrift «DB-Kunde» trugen, blieben zunächst unbeeindruckt sitzen. Die Initiative «Parkschützer» hatte am Donnerstag aufgerufen, zum Hauptbahnhof zu kommen. An einem Protest-Café gab es unter anderem heißen Kaffee und Tee. Ein Lagerfeuer sollte Wärme spenden.

Als neuer Versammlungsort sei der Mittlere Schlossgarten zur Verfügung gestellt worden, verbreitete das Stuttgarter Präsidium über den Kurznachrichtendienst Twitter und das Soziale Netzwerk Facebook. Züfle kündigte an, wer nicht freiwillig gehe, werde weggetragen.

Eskalation vermeiden

Zu einer Eskalation wie bei den Baumfällarbeiten am 30. September 2010 soll es nicht kommen. Damals hatten die Einsätze eines Wasserwerfers und von Pfefferspray mehr als 100 Menschen verletzt. Die grün-rote Landesregierung, deren grüner Teil vehement gegen das Bahnvorhaben gekämpft hatte, will Bilder von blutenden und weinenden Demonstranten unbedingt vermeiden.

Um mehr Transparenz zu bieten, hatte die Polizei zudem Journalisten eingeladen, den Einsatz besonders eng zu begleiten. Die Reporter sollen hinter die Kulissen blicken dürfen, etwa im üblicherweise abgesperrten Bereich der Baustelle.

In den vergangenen Tagen musste die Bauherrin Deutsche Bahn ebenfalls für Januar geplante Baumfällarbeiten im an den Bahnhof angrenzenden Schlossgarten wegen Naturschutzfragen verschieben.