Mike, weil er nicht erwachsen werden will, und Josefine, weil sie viel zu früh erwachsen werden musste.
Dabei herausgekommen sind eindrückliche Psychogramme zweier sehr unterschiedlicher Charaktere. Und jeder für sich ist eine nähere Betrachtung wert.
«Mike» fällt auf. Die größtenteils in Frankreich gedrehte Produktion läuft auf dem Nachwuchsfestival des deutschsprachigen Films in französischer Sprache mit deutschen Untertiteln.
Wahre Begebenheit
Regisseur ist der Deutsche Lars Blumers, der sich als freier Regisseur bisher über die Produktion von Musikclips und Werbespots einen Namen gemacht hat. Im Gegensatz zu «Die wunderbare Welt der Amelie» ist «Mike» die Werbeerfahrung seines Machers nicht anzumerken. Im Gegenteil.
Die Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit. Mike lebt im elsässischen Grenzgebiet im Dreiländereck Deutschland, Frankreich, Schweiz, geografisch gesehen direkt neben Basel. Im echten Leben hieß der junge Mann, dem das Erwachsenwerden nicht liegt, der sich dafür umso mehr für schnelle Autos begeistert, anders. Wie im Film endet eine seiner Aktionen für Mike an der Schweizer Grenze tödlich.
In einer wilden Verfolgungsjagd durch die Polizei wird er erschossen.
Freundin und Baby sitzen mit im Wagen. Die Nachricht kommt damals im Radio, der Stoff für das Drehbuch steht.
Obwohl sich die Geschichte tragisch anhört, ist es erstaunlich, wie viel Sinn für französischen Humor sich darin findet. Auch wenn der Zuschauer ab der Mitte zu ahnen beginnt, dass das nicht gut gehen kann, sind viele Szenen an Situationskomik einfach nicht zu überbieten.
So endet der ständige Versuch, irgendwie an Geld zu kommen, mit einem zertrümmerten Solarium. Die Träume von Mike und seinen Kumpels vom Sonnenstudio und vielen nackten Mädchen darin enden genauso im Trüben wie der Überfall auf die Filiale der «Banque Alsace» im Dorf. Mike mit Motorradhelm als Maske getarnt wird vor der Bank aufgehalten und macht Small Talk. Ein Freund seines Vaters erkennt ihn vor der Bank. Man tauscht Höflichkeiten aus, wie es eben so geht auf dem Dorf. Währenddessen versucht sein Kompagnon am Bankschalter verzweifelt mit gezückter Pistole die Herausgabe des Geldes zu erpressen. Die Beute: 2.460 Euro. Allein schon wegen dieser und ähnlicher witziger Szenen ist es dem Film zu wünschen, dass er in die Kinos kommt – genauso wie «Die Unsichtbare».
Gefährliches Spiel
Josefine ist Schauspielschülerin. Sie lebt bei ihrer Mutter zusammen mit ihrer geistig und körperlich schwer behinderten Schwester Jule.
Um die hat sich und dreht sich alles. Josefine muss und musste immer funktionieren, als eigenständige Persönlichkeit wird sie nicht wahrgenommen – privat wie beruflich. Da wird ihr die Hauptrolle in der Theaterproduktion des Regie-Egomanen Kasper Friedmann angeboten.
Ausgerechnet. Es beginnt ein gefährliches Spiel voller Höhen und Abstürze, das Josefine fast das Leben kostet.
Großartige Nachwuchs- und Profischauspieler. Sehenswert und vielleicht einen Preis wert.
Zu Demaart
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