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Chinese Lang Lang verzückt Luxemburg

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Der Samstag bot wieder mal einen unvergesslichen Abend, der einem einen Ohren- sowie Augenschmaus bereiten konnte. Natürlich spielte das New York Philharmonic Orchestra vor ausverkauftem Haus ein fast perfektes Programm.

In sich war es eine klassische Aufteilung, mit im ersten Teil einem „Ohrwurm“, einem „Hit“ (wäre es Pop-Musik), dem 1. Piano-Konzert in b-moll von Tschaikowsky, und im zweiten Teil der fünften Symphonie von Prokofjew als modernem Gegenüber.

Das Tageblatt berichtete schon vorab vom Dirigenten Alan Gilbert, der für das NYPO ein echter Zugewinn war, da er veraltete Strukturen aufbrach und als erster in NY geborener Dirigent diesem ältesten Orchester der USA neue Impulse geben konnte.

Ein „leuchtender Mann“ – so lautet die chinesische Übersetzung von Lang Lang – betrat die Bühne als fast 30-Jähriger.

Kritiken

Vieles gäbe es noch zu diesem Phänomen zu berichten, auch negative Kritiken, dass er zu theatralisch spiele und eher mit aggressivem Tastenspiel als mit der Romantik Freund wäre. Auf jeden Fall wusste der Solist gleich vom ersten Satz an die Hörer zu überzeugen.

Dieser erste Satz ist schon in sich ein Klassiker, da dieses Thema im ganzen Konzert nicht wieder ertönt. Diese pathetische Einleitung des Orchesters wird mit wuchtigen Akkorden vom Solisten begleitet. Und hier kommen wir auf den Augenschmaus zurück.

Man mag geteilter Meinung sein, aber Lang Lang hat eben unzählige Bewunderer, da er in seinem Spiel seinen Gefühlen freien Lauf lässt und daher für manche zu „theatralisch“ wirkt. Damit steht er in vollem Gegensatz etwa zu Horowitz und Argerich. Aber er trifft den Nerv unserer Zeit und kann auch ein jüngeres Publikum für die Klassik begeistern. Von Lang Langs „Starallüren“ konnten wir an diesem Abend absolut nichts feststellen.

Viele Kontraste

Der erste Satz macht fast drei Fünftel des gesamten Konzertes aus und gibt viel Kontraste her. Das Eröffnungsthema ist eine der meistgehörten Melodien der Klassik. Das Klangbild gestaltet sich sehr majestätisch.

Der zweite Satz beginnt mit der melodiösen Flöte. Danach antworten sich Piano und Querflöte bis zur Mitte des zweiten Satzes, wo ein schnellerer Teil, entnommen einer französischen Chansonette, den Part übernimmt. Der zweite Satz kling mit dem ursprünglichen Thema im Wechselspiel Piano/Oboe aus. Der dritte Satz hat seinen Namen „Allegro con Fuoco“ nicht gestohlen. Das erste Thema ist ein Wechselspiel zwischen Klavier und Orchester, ukrainischen Volkstänzen entnommen. Lang Lang meistert die Laufkaskaden und Akkordketten, wie es eben nur ein Ausnahmetalent kann – Gänsehaut erzeugend! Der Schlusstakt macht unseren Träumen ein Ende, aber so richtig sind wir noch nicht in der Realität angelangt. Erst der tosende und nicht enden wollende Beifall des Publikums bedeutet, dass dieses musikalische Geschenk sein Ende gefunden hat.

Das NYPO brilliert mit Prokofjew

Geschätzte fünf Minuten anhaltender Beifall bewegten dann den sichtlich gerührten Solisten zu einer originellen Zugabe in Form eines chinesischen Volksliedes.

Eine vorzügliche Wahl hatte Alan Gilbert mit der fünften Symphonie von Sergej Prokofjew getroffen. Dieser moderne, 1891 geborene Komponist der St. Petersburger Schule war nach einem bewegten Leben, das ihn nach der Oktoberrevolution in die USA, nach Deutschland und Frankreich ins Exil brachte, 1936 definitiv in die Sowjetunion zurückgekehrt und wurde als einer der bedeutendsten russischen Komponisten betrachtet. 1944 komponierte er sein Meisterstück der Symphonie, die fünfte, außerhalb Moskaus, von der Regierung geschützt vor Hitlers Armeen.

Traditionell in vier Sätzen geschrieben, zieht Prokofjew alle Register der Instrumentation. Mit einem verhaltenen Andante beginnt das Meisterwerk , wobei die Holz- und Blechbläser hier durch Schönklang miteinander wetteifern. Das Scherzo des zweiten Satzes entwickelt sich zu einer wilden Jagd, in der es scheint, als wollten einzelne Instrumente sich gegenseitig überholen. Und der Dirigent führt sein Orchester meisterhaft durch dieses Allegro marcato.

Der langsame dritte Adagio-Satz erinnert an Schostakowitsch und Mahler. Nostalgisch am Anfang, bis Mitte des Satzes pathetisch anmaßend, klingt dieser Satz träumerisch aus. Das Finale ruft einige Elemente der Einführung des ersten Satzes in Erinnerung, wobei ein Rondo den Satz auf das Allegro giocoso erhebt.

Einzigartig

Nach 44 Minuten war der Traum dann vorbei. Minutenlanger, frenetischer Applaus war das einzige Geschenk, welches das Luxemburger Publikum dem Dirigenten und seinen Musikern bereiten konnte. Es war mit Sicherheit kein bloßer Höflichkeitsapplaus. Alan Gilbert bedankte sich mit zwei Zugaben – zum Abschluss der Candide-Ouvertüre von Bernstein.

Das, was am Samstag in der Philharmonie geboten wurde, war ein einzigartiges Hör- und Seh-Erlebnis.