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Telefonieren im Urlaub wird günstiger

Telefonieren im Urlaub wird günstiger
(dpa-Archiv)

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LUXEMBURG - Die Sommerferien stehen vor der Tür. Die Luxemburger packen ihre Koffer und das Handy darf dabei nicht fehlen. Zu der Urlaubsfreude gesellt sich die Freude, dank neuer Tarife, weniger fürs Telefonieren und Surfen im Ausland zu zahlen.

Der Urlaub steht bevor – und das Handy ist im Gepäck. Doch wer im Ausland am Strand SMS abruft oder im Internet surft, erlebt oft eine böse Überraschung. Ab 1. Juli gelten europaweit neue Tarife. Die verbraucher aus Luxemburg können von den Neuerungen nicht nur im Urlaub profitieren.

Erstmals setzt die EU-Kommission der Telekombranche nun Preisobergrenzen für Datendownloads im EU-Ausland. Von diesem Sonntag (1. Juli) an gelten auch für grenzüberschreitende Telefonate und SMS neue Preisgrenzen. 2016 soll das gefürchtete «Roaming» ganz verschwunden sein.

Ab dem 1. Juli zahlen Verbraucher für Daten pro Megabyte 70 Cent, bisher gab es keine Obergrenze. Für einen abgehenden Anruf werden 29 anstatt der bisherigen 35 Cent pro Minute fällig. Für einen ankommenden Anruf zahlt man 8 Cent, drei Cent weniger als bisher. Eine SMS wird die Urlauber aus Luxemburg und die Grenzgänger demnächst 9 Cent anstatt der bisherigen 11 Cent kosten. Ab dem 1. Juli 2013 sollen die Preise weiter purzeln, ab dem 1. Juli 2014 wird die Obergrenze für einen Megabyte Datentransfer nur 20 Cent kosten. Die abgehenden Anrufe sollen dann mit 19 Cent pro Minute, die ankommenden Anrufe mit 5 Cent zu Buche schlagen. Die SMS wird nur noch 6 Cent kosten.

Was ist «Roaming»?

Das Wort «Roaming» stammt aus dem Englischen und bedeutet in etwa «umherwandern». In der Welt der Telekommunikation steht das für die Möglichkeit, auch in ausländischen Mobilfunknetzen zu telefonieren, angerufen zu werden oder SMS und Daten auszutauschen. Die Anbieter verlangen für die Weiterleitung von Gesprächen und Daten Gebühren, die sogenannten Roaming-Gebühren. Laut EU-Kommission entfallen rund 4 Prozent des gesamten EU-Mobilfunkmarktes auf «Roaming», das entspricht 5 Milliarden Euro Umsatz.

Wie ist die Lage für luxemburger Verbraucher derzeit?

Wer sein Handy im Ausland nutzt, muss mit hohen Zusatzkosten rechnen, kritisiert die EU-Kommission. Für Verbraucher aus Luxemburg gilt die Tatsache nicht nur im Urlaub. Sobald sie in eines der Nachbarländer fahren, befinden sie sich im Ausland. Teuer ist es auch wenn man nahe der Landesgrenze wohnt und ohne es zu wissen, sich im Netz eines ausländischen Betreibers befindet. «Die Leute haben es satt, böse Überraschungen zu erleben, wenn sie ihre Rechnung bekommen», sagt die zuständige EU-Kommissarin Neelie Kroes dazu. Sie beklagt, dass viele Verbraucher ihr Handy im Ausland abschalten, weil sie die Kostenfalle fürchten: «Ein Mobiltelefon sollte mobil sein.»

Warum sind wieder neue Vorgaben nötig?

«Weil der Markt nicht funktioniert», so die EU-Kommission. Seit Jahren versucht Brüssel, in Europa die Preise durch Regulierung zu drücken. Seit 2007 gibt es schon Obergrenzen, die seitdem kontinuierlich sinken.

Was ändert sich am 1. Juli?

Ab diesem Stichtag gelten neue gesetzliche Obergrenzen, die nach EU-Angaben 75 Prozent niedriger als 2007 sind. Ein Anruf aus dem europäischen Ausland kostet dann maximal 29 statt 35 Cent pro Minute (ohne Mehrwertsteuer). Bis 2014 sinkt die Summe schrittweise auf 19 Cent. Für eine SMS dürfen statt 11 nur noch 9 Cent berechnet werden, bis 2014 nur noch 6 Cent. Das Ziel lautet, dass bis 2016 im EU-Ausland die gleichen Tarife wie im Inland gelten; dann wäre das Roaming abgeschafft.

Was ist neu beim Internet-Surfen im Ausland?

Ab 1. Juli dürfen Anbieter maximal 70 Cent vor Steuern pro Megabyte Datenvolumen verlangen, ab Juli 2014 maximal 20 Cent. Heutzutage zahlt ein Nutzer nach EU-Angaben oft bis zu 4 Euro. Ein Megabyte entspricht 100 Mails ohne Anhang, weniger als einer Stunde Internet-Surfen oder einer Minute Musik-Download im MP3-Format.

Wie viel Geld spart man tatsächlich?

Die EU-Kommission rechnet in einem Musterbeispiel vor: Wenn eine vierköpfige Familie aus Luxemburg eine Woche lang Urlaub in Griechenland, Frankreich oder Italien macht, spart sie bei den Handy-Gebühren rund 280 Euro (gegenüber dem Jahr 2009). Für diese Berechnung sind bestimmte Mengen an E-Mails, Surfen im Internet und Hochladen von Fotos zugrunde gelegt. Ein Geschäftsmann, der mehrfach im Jahr ins EU-Ausland reise, könne bis zu 1.000 Euro sparen.

Was kann der Handynutzer im Urlaub und auf Geschäftsreise oder als Grenzgänger noch tun?

Verbraucherschützer raten, die Handy-Mailbox vor der Reise ins Ausland auszuschalten oder im Urlaub nicht abzuhören, um Kosten zu sparen. Wer in der Nähe der deutschen Grenze Urlaub macht, kann prüfen, ob er ins deutsche Handynetz wechseln kann. Bei Smartphones sollte der Besitzer einige Funktionen ausschalten. Viele Firmen bieten Pakete fürs Ausland oder für Grenzgänger an.

Wie reagiert die Mobilfunk-Branche?

Nicht begeistert. Sie bemängelt, dass die EU den Unternehmen die Gewinne abgräbt. Nach Ansicht der Branche könnten die Regeln den Verbrauchern sogar schaden, weil den Firmen Geld für Investitionen in den Ausbau der Netze (schnelles Internet) fehle. Für das High-Speed-Internet seien in der EU 220 Milliarden Euro Investitionen nötig.

Und was ist beim Telefonieren außerhalb der EU?

Für Übersee oder Asien gelten die Regeln nicht. Denn die EU kann ihre Gesetzgebung nicht auf außereuropäische Länder anwenden.

(Marion Trimborn/dpa/Tageblatt.lu)