Erstmals nach der Ära Gaddafi haben die Libyer ein demokratisches Parlament gewählt. Bei der Auszählung der Stimmen zeichnete sich am Sonntag ein deutlicher Vorsprung für die liberale Allianz von Mahmud Dschibril ab. Die Gruppierung des ehemaligen Übergangsministerpräsidenten habe in der Hauptstadt Tripolis und in Bengasi die meisten Stimmen erhalten, meldeten Wahlbeobachter nach Wählerbefragungen. Die islamistische Muslimbruderschaft belegte demnach den zweiten Platz. In den Nachbarländern Ägypten und Tunesien hatten sich nach jahrzehntelanger Unterdrückung bei Wahlen islamistische Parteien durchgesetzt.
Der neu gewählte Allgemeine Nationalkongress in Tripolis löst den Übergangsrat ab, den Funktionäre und Aktivisten während der Revolution informell gebildet hatten. Die 200 Abgeordneten sollen eine Übergangsregierung ernennen und die Wahl eines Rates vorbereiten, der eine Verfassung für das nordafrikanische Land schreiben soll. Bei der ersten demokratischen Wahl seit Jahrzehnten gaben am Samstag rund 63 Prozent der 2,8 Millionen registrierten Wähler ihre Stimme ab.
Bekanntgabe der Ergebnisse
Einige Wahllokale im Osten blieben wegen Sicherheitsproblemen geschlossen. Ein Wähler wurde in Adschdabija getötet. Dort, in der Wüstenstadt Al-Kufra sowie in Bengasi werde die Wahl nachgeholt, sagte der Leiter der nationalen Wahlkommission, Nuri al-Abbar, am Sonntag.
Einen Termin für die Bekanntgabe des Endergebnisses wollte Al-Abbar vor der Presse in Tripolis nicht nennen. Dass die Resultate korrekt seien, sei für ihn wichtiger als der zeitliche Faktor. «Wir haben 42 Jahre gewartet, da sollten wir jetzt nicht allzu ungeduldig sein», sagte er in Anspielung auf die Regierungszeit von Ex-Diktator Muammar al-Gaddafi.
USA sichert Unterstützung zu
Die Libyer hatten die Wahl am Samstag zu einem Fest gemacht. Frauen stießen in den Wahllokalen Freudentriller aus und verteilten Schokolade. Männer machten das Victory-Zeichen.
US-Präsident Barack Obama lobte die Wahl als historischen Schritt. Die USA wollten «eng mit dem neuen Libyen zusammenarbeiten», betonte er in einer schriftlichen Erklärung. Zwar gebe es weiterhin Herausforderungen für das nordafrikanische Land, doch die USA seien zur Hilfe bereit.
Zu Demaart
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