Erneut hat ein Blutbad in den USA weltweit Schock und Entsetzen ausgelöst. Womöglich hatte der Täter rassistische Motive, als er am Sonntag sechs Menschen in einem Sikh-Tempel im Bundesstaat Wisconsin erschoss. Die US-Behörden gehen von «heimischem Terrorismus» aus. Der indische Premierminister Manmohan Singh verurteilte das Massaker scharf. Besonders schmerzvoll sei, dass es an einem Ort der Gottesverehrung zu der «sinnlosen Gewalttat» gekommen sei, erklärte Singh, der selber der religiösen Minderheit der Sikhs angehört, laut einer am Montag in Neu Delhi verbreiteten Mitteilung.
Die Identität des Attentäters, der offenbar von einem Polizisten erschossen wurde, soll frühestens am Montagmorgen (Ortszeit) bekanntgegeben werden, wie der US-Sender CNN unter Berufung auf Behörden berichtete. Demnach handelte es sich bei dem Mann um einen Armee-Veteran. Die Verletzten erlitten nach Angaben eines Krankenhaussprechers zum Teil Schusswunden in der Bauchgegend, im Gesicht und im Nacken. Ihr Zustand sei «kritisch». Zu ihnen zählt ein Polizeibeamter, der laut Edwards von dem Täter unter Beschuss genommen wurde, während er einem Opfer zu helfen versuchte. Ein zweiter Polizist konnte den Schützen dann stoppen.
Dem Sender CNN zufolge wurden im Tempel zwei halbautomatische Waffen sichergestellt. Offiziell bestätigt wurde das aber zunächst nicht.
Zuhnemende Abneigung
Es kamen auch Spekulationen auf, wonach der Todesschütze seine Opfer mit Muslimen verwechselt habe. «Jeder hier glaubt, dass es sich ganz bestimmt um ein Hassverbrechen handelt», zitierte die «New York Times» einen Sikh aus der Region namens Manjit Singh. «Die Leute glauben, wir sind Muslime.» Eine Sikh-Anhängerin namens Ravi Chawla sagte dem Blatt zufolge, die meisten Menschen seien so ignorant, dass sie den Unterschied zwischen Religionen nicht kennen würden. «Nur weil sie einen Turban sehen, denken sie, man sei Taliban.»
Angehörige der Gemeinschaft hatten von wachsender Abneigung seit den Anschlägen vom 11. September 2001 berichtet. CNN zitierte einen Sikh namens Kandwardeep Singh Kaleka, der unter Berufung auf Augenzeugen berichtete, der Attentäter habe eine «9/11»-Tätowierung getragen – möglicherweise zum Gedenken an die Anschläge.
Trauer und Entsetzen
US-Präsident Barack Obama bekundete «tiefe Trauer» und Anteilnahme. In einer in Washington veröffentlichten Erklärung bot er zugleich Hilfe der Bundesbehörden bei der Aufklärung der Bluttat an und würdigte die Rolle der Sikhs im amerikanischen Leben. Sie seien eine Bereicherung für das Land und «ein Teil unserer erweiterten amerikanischen Familie», erklärte Obama. Auch sein republikanischer Herausforderer bei der Wahl im November, Mitt Romney, verurteilte den «sinnlosen Akt der Gewalt».
Edwards zufolge ist sich die Polizei zunehmend sicher, dass es sich um einen Einzeltäter handelte. Insgesamt hüllten sich die Behörden aber auch Stunden nach dem Blutbad noch strikt über Einzelheiten des Vorfalls in dem Vorort von Milwaukee in Schweigen. So gab es auch zunächst keine Angaben über die Todesopfer. Mehr Informationen wurden für Montag in Aussicht gestellt.
Die Sikhs
Lokalsendern zufolge hielten sich zum Zeitpunkt der Attacke möglicherweise bis zu 100 Menschen in dem Gebäude auf. Die Schüsse seien während Vorbereitungen auf ein gemeinsames Mittagessen der Gläubigen gefallen.
Sikhs sind Anhänger einer im 15. Jahrhundert in Nordindien entstandenen religiösen Reformbewegung. Die meisten Sikhs leben in Indien, aber auch in Großbritannien und in Nordamerika gibt es viele Anhänger.
Suche nach dem «Warum»?
Zu den Verletzten gehört möglicherweise auch der Präsident der Sikh-Gemeinde von Oak Creek. Dessen Sohn sagte dem Sender CNN, ein Priester habe ihn aus dem Tempel angerufen und berichtet, dass sein Vater verletzt worden sei. Ein Gemeindemitglied äußerte sich fassungslos über die Bluttat. «Warum?» fragte er. «Wir sind doch friedliebende Menschen. Wir achten unsere Mitmenschen.»
Die jetzige Schießerei passierte nur etwa zwei Wochen nach dem Massaker in einem Kino in Colorado. Dort hatte ein Amokläufer bei einer «Batman»-Premiere 12 Menschen erschossen und knapp 60 verletzt. Darauf entbrannte auch wieder eine Debatte über die freizügigen Waffengesetze in den USA. Der Angeklagte James Holmes muss sich wegen Massenmordes vor Gericht verantworten. Ihm droht die Todesstrafe.
Zu Demaart










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