Nach zweitägigem Artilleriebeschuss griffen Bodentruppen unterstützt von Panzern und Kampfhubschraubern den Ort Daraja wenige Kilometer südwestlich der Hauptstadt an. Landesweit sprachen die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London und die Örtlichen Koordinationskomitees von mindestens 100 Toten bei den Bürgerkriegskämpfen. Frankreich signalisierte derweil Bereitschaft, sich an der Durchsetzung einer Flugverbotszone über Teilen Syriens zu beteiligen.
Während das Regime von Präsident Baschar Assad den militärischen Druck auf die Rebellen verstärkte, schloss es nach russischen Angaben den Einsatz von Chemiewaffen in dem Bürgerkrieg aus. Der russische Syrien-Beauftragte Gennadi Gatilow sagte der Nachrichtenagentur AP, Damaskus garantiere, diese Massenvernichtungswaffen nicht einzusetzen. Russland sei sich mit den USA darin völlig einig, dass Chemiewaffen in dem Bürgerkrieg nicht eingesetzt werden dürfen, sagte der stellvertretende Außenminister weiter.
Obama droht mit militärischem Schlag
US-Präsident Barack Obama hatte eine militärische Intervention in Syrien angedroht, sollte das Regime Chemiewaffen einsetzen. Gatilow sagte, seine Regierung arbeite eng mit der syrischen zusammen, um sicherzustellen, dass das Chemiewaffenarsenal an sicheren Orten bleibe und nicht in die Hände von Terroristen fallen könne.
Unterdessen lieferten sich Rebellen und Regierungstruppen erbitterte Gefechte um die nahe der irakischen Grenze gelegene Ortschaft Al Bukamal in der ölreichen Provinz Deir el Sur. Die Rebellen hätten mehrere Kontrollposten, die Polizeiwache und die örtliche Vertretung eines Geheimdienstes erobert, teilte die in Großbritannien ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. «Die Freie Syrische Armee versucht, die Stadt zu befreien und zu säubern», sagte der Aktivist Abu Omar al Diri per Telefon aus der Provinzhauptstadt Deir al Sur.
Die letzten Beobachter der beendeten UN-Mission verließen derweil am Donnerstag Damaskus. Bei einem Treffen mit deren Leiter Babacare Gaye wies der stellvertretende Außenminister Fajsal Mekdad eine Schuld am Tod der japanischen Journalistin Mika Yamamoto zurück. Yamamoto war am Montag als erste ausländische Journalistin seit Beginn der Kämpfe in Aleppo ums Leben gekommen.
Hollande fordert Abgang Assads
Der französische Staatspräsident François Hollande bekräftigte in Berlin seine Forderung nach einem Rückzug Assads. Die internationale Gemeinschaft sei der Ansicht, «dass Baschar Assad nicht an der Regierung bleiben kann», sagte er vor einem Gespräch mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel. «Seit Wochen ist er eine Gefahr für sein Volk», sagte Hollande. Es sei nötig, eine «Übergangsphase» in Syrien einzuleiten.
Der französische Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian drängte die internationale Gemeinschaft derweil dazu, die Einrichtung einer Flugverbotszone über Teile Syriens zu erwägen. Den gesamten Luftraum des Landes zu schließen käme einem «Gang in den Krieg» gleich, warnte er im Gespräch mit dem Fernsehsender France 24. Im Übrigen erfordere dies eine bereitwillige internationale Koalition, die es so bislang nicht gebe. Gleichwohl würde sich Paris auch an einer vollständigen Flugverbotszone beteiligen, falls diese international verbindlichem Recht folge.
Amnesty weist auf Leid der Zivilbevölkerung hin
Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Amnesty International werden immer mehr Unbeteiligte zu Leidtragenden des Bürgerkriegs. Die Zivilbevölkerung zahle in den Kämpfen einen hohen Preis, hieß es in einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht der Amnesty-Krisenbeauftragten Donatella Rovera.
Häufig würden Unbeteiligte zur Zielscheibe von Luft- und Artillerieangriffen durch die syrischen Streitkräfte, teilte Rovera mit. Sie war für zehn Tage in die umkämpfte Handelsmetropole Aleppo gereist, um sich ein Bild zu machen. Zwar gingen die meisten Angriffe auf das Konto der Regierungstruppen, sagte sie. Doch auch die Opposition nutze gelegentlich unpräzise Waffen, und es könne nicht immer genau geklärt werden, von wem die Gewalt ausgehe.
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