Dienstag3. Februar 2026

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Das schwarze Loch bleibt

Das schwarze Loch bleibt
(Tageblatt)

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Der erste Spielfilm von Sandrine Bonnaire ist vor allem eins: traurig. Doch die Art und Weise, wie Bonnaire von der Traurigkeit dieses Mannes erzählt, ist großartig.

Nach langen Jahren der Abwesenheit kehrt Jacques (William Hurt) nach Frankreich zurück, da sein Vater gestorben ist und er sich um die Beerdigung und das Anwesen der Familie kümmern muss. Er sieht auch Mado (Alexandra Lamy) wieder, seine ehemalige Frau. Die Umarmung der beiden zeugt von einer großen Liebe, die nicht beendet wurde, weil ihnen die Liebe abhanden gekommen war, sondern weil „eine Trennung die einzige Möglichkeit war, weiterzuleben“, wie Mado sagt.

„J’enrage de son absence“

Ein Film von Sandrine Bonnaire

Mit: William Hurt, Alexandra Lamy, Augustin Legrand

Eine Koproduktion zwischen Mon Voisins Productions, Mosaïque Films, Iris Productions (Luxemburg) und Iris Films (Belgien.

Ab 31. Oktober mehrmals täglich in unseren Kinos.

www.utopolis.lu

Behutsam und minimalistisch

Die beiden hatten einen gemeinsamen Sohn, der im Alter von vier Jahren bei einem Autounfall mit Jacques am Steuer ums Leben kam. Mado hat wieder geheiratet, einen zweiten Sohn bekommen. Auf die Frage von Jacques ob sie glücklich sei, antwortet sie, das komme vor, ja.

Behutsam und minimalistisch beobachtet Sandrine Bonnaire das Innenleben ihrer Protagonisten, zeigt starke Gefühle und komplizierte Beziehungen. Sie lässt ihre Figuren nicht viel sprechen, erklärt nichts. Schließlich gibt es nichts zu erklären.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht die Freundschaft, die sich zwischen Jacques und Paul, dem Sohn Mados und ihres neuen Mannes Stéphane (Augustin Legrand) entwickelt. Paul, bemerkenswert gespielt von Jalil Mehenni, kann Jacques – zumindest für eine Zeit lang – wieder ein bisschen Lebensfreude einhauchen. Jaques lächelt, wenn er mit dem Kind spielt. Ein Kind, das nicht urteilt, sondern einfach da ist. Sandrine Bonnaire gelingt es wunderbar, die besondere Empathiefähigkeit eines Kindes zu zeigen. Paul spürt von der ersten Sekunde des Zusammentreffens an, dass Jacques tief traurig ist, er spürt, dass Jacques ihn braucht. Doch je besessener Jacques von der Anwesenheit des Kindes wird, desto klarer wird dem Zuschauer, dass diese Situation eskalieren muss. Diese Liebe, die sich zwischen den beiden entwickelt, ist nicht möglich. Am Ende weinen alle.

William Hurt als Jacques strahlt eine Traurigkeit aus, die wehtut. Die Perspektive des Kindes, durch die der Zuschauer über weite Strecken die Geschichte verfolgt, unterstreicht noch einmal mehr, dass gegen eine tiefe Traurigkeit nichts hilft. Dass Sandrine Bonnaire auf große Dialoge oder komplizierte Handlungsstränge verzichtet – es gibt weder Rückblenden noch eine Stimme aus dem Off – gibt der Stimmung ihre Glaubwürdigkeit.

Zärtlichkeit und Liebe

Wie bereits in ihrem ersten Film „Elle s’appelle Sabine“, in dem Sandrine Bonnaire von dem Leben ihrer autistischen Schwester erzählt, ist auch „J’enrage de son absence“ voller Zärtlichkeit und Liebe zu ihren Protagonisten. Dass ihr Wunsch, Regie zu führen, durch den Film nur noch bestärkt wurde, wie Sandrine Bonnaire in einem Interview sagt, wird Liebhaber von unaufgeregten, tiefsinnigen Filmen freuen.