Freitag30. Januar 2026

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1,4 Millionen für einen Sitz im Kongress

1,4 Millionen für einen Sitz im Kongress
(dpa-Archiv)

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Man kommt sich in Washington State irgendwie wie in Europa vor. Vor zwei Wochen hatte der französische Kulturminister sein Land durcheinander gebracht, weil er sich für eine liberale Drogenpolitik ausgesprochen hatte.

Und das, wo in Frankreich gegenüber Drogen die Null-Toleranz-Politik zählt. Als nächstes Thema regt Frankreich die gleichgeschlechtliche Ehe auf. Sie steht im Wahlprogramm des Staatspräsidenten, also wird sie durchgesetzt.

Kaum in Seattle gelandet, fällt in der örtlichen Zeitung eine Stellungnahme aller sechs Leitartikler auf. Sie hatten sich zusammengesetzt und die Positionen der Seattle Times bestimmt. Als Folge ruft die Zeitung nun die Wähler dazu auf, der Initiative 502 und dem Referendum 74 zuzustimmen. Warum überrascht es nicht, dass es sich dabei um die Freigabe von Marihuana und um die Legalisierung der gleichgeschlechtlichen Ehe handelt? Washington State würde mit der Zustimmung zu beiden Vorhaben in der Diskussion in den USA neue Zeichen setzen, schreibt Editorialistin Sharo Pian Chan in ihrem Plädoyer.

Wahlversprechen unter der Lupe

In der amerikanischen Provinz gehen die Journalistinnen und Journalisten ihren Kandidaten ziemlich auf die Nerven. Dabei dreht es sich nicht darum, sich auf Interviews und nachhaltige Gespräche mit den Journalisten einzulassen. Man hört vielmehr, was die Kandidaten zu sagen haben, und dann geht man in Artikeln im Blatt deren Aussagen auf den Grund, prüft sie, sucht, was dahinter steckt und klärt es gnadenlos auf.

Jay Inslee, der neuer Gouverneur von Washington State werden will, hat derzeit wenig Freunde bei der Seattle Times. Sie ist noch als einziges Druckexemplar als Zeitung übrig geblieben. Die Seattle Post hat acht Jahre lang versucht, Gewinn zu machen. Das war nicht gelungen, sie machte Verluste. Nun erscheint sie nur noch als Internetzeitung.

Kandidaten auf dem Prüfstand

Die Seattle Times also hat sich in den vergangenen Tagen den möglichen Nachfolger von Christine Gregoire angeschaut, der daraufhin einige Kratzer abbekam. Gesundheitsvorbeugung würde Kosten sparen, hatte er behauptet. Die Times widersprach mit einem fein ziselierten Kommentar dieser Auffassung. Am Tag zuvor hatte sie dem Kandidaten der Demokraten für den Gouverneursposten nachgewiesen, dass er alte Argumente für die verschiedenenen Diskussionen neu aufgebacken hatte.

Und schließlich hat der neue Gouverneur von Washington State eine Herkules-Aufgabe zu bewältigen. Kandidat Inslee muss eine Milliarde US-Dollar für die Schulen aufbringen. Washington State unterscheidet sich da nicht von anderen Staaten in der Welt. Während Inslee aber wolkig von Innovationen redet, um das Geld zu finden, traut die Zeitung dem republikanischen Kandidaten McKennan eher zu, alle Budgettitel so lange auszuwringen bis die Milliarde aufgebracht ist. Das ist ziemlicher Gegenwind für den demokratischen Kandidaten.

Ein Gespräch mit dem Bürgermeister von Seattle wird es nicht geben, meint Tom aus seinem Büro. Aber man könne ja einmal versuchen, mit jemandem aus seinem Umfeld zu reden. „Geben Sie sich keinen Hoffnungen hin“, sagt eine junge Dame. Amerikanische Politiker sind gegenüber Ausländern sehr zurückhaltend. Sie werden mit Ihnen nur über das reden, was sie ganz sicher kennen. Über Anderes nur, was sie in Form von Notizen vorliegen haben. Sollte Ihnen tatsächlich ein Gespräch gelingen, seien Sie glücklich.

Wahlnacht ist Fernsehnacht

Die große Nacht von Dienstag auf Mittwoch wird vor allem eine Fernsehnacht. Die demokratische Partei wird zwar eine Wahlparty in einem Hotel in Seattle veranstalten, die wichtigen Kandidaten werden aber eher in ihren Wahlkreisen die Ergebnisse abwarten. Wahlparties finden auch eher in kleinen Freundeskreisen statt. Geduld muss man auf jeden Fall mitbringen. Aus Washingtoner Sicht schließen die letzten Wahllokale erst um ein Uhr in der Nacht. So mancher Amerikaner, der am Mittwoch wieder arbeiten muss, wird beim Frühstück am Mittwoch erfahren, ob der neue Präsident der USA auch der alte ist und ob der neue Gouverneur von Washington State wieder von den Demokraten gestellt wird oder ob die Republikaner es nun endlich geschafft haben.