Montag2. Februar 2026

Demaart Zu Demaart

Headlines

Luxemburger Mersch rückt in EZB-Chefetage

Luxemburger Mersch rückt in EZB-Chefetage
(dpa-Archiv)

Jetzt weiterlesen !

Für 0,99 € können Sie diesen Artikel erwerben.

Oder schließen Sie ein Abo ab.

ZU DEN ABOS

Sie sind bereits Kunde?

Monate hat es gedauert, doch nun ist der Luxemburger Notenbankchef Mersch am Ziel. Die EU-Staats- und Regierungschefs berufen ihn jetzt in die Machtzentrale der Europäischen Zentralbank.

Nach monatelangem Gezerre haben die EU-Staats- und Regierungschefs den Luxemburger Yves Mersch in das Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB) berufen – trotz aller Proteste des EU-Parlaments. Mit dem 63-Jährigen zieht einer der Geburtshelfer der Euro-Währung in die Machtzentrale der Notenbank ein. EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy teilte die Personalie in der Nacht zum Freitag während des EU-Gipfels in Brüssel mit.

Logo" class="infobox_img" />Yves Mersch. (Bild: dpa)

Der Chef der Luxemburger Zentralbank musste eine Reihe von Hürden überwinden. Denn das EU-Parlament wollte eine Frau in der Chefetage – daher stimmten die Abgeordneten Ende Oktober mehrheitlich gegen Mersch. Das Parlament hat jedoch kein Veto-Recht, konnte die Ernennung also nicht verhindern. Parlamentspräsident Martin Schulz sagte, man habe «ein starkes Signal» gegeben.

Spanien stellt sich quer

Anfang November folgte die nächste Schlappe: Spanien sprach sich als einziges EU-Mitgliedsland gegen die Bestätigung des Kandidaten aus. Doch das reichte nicht aus, um den Einzug zu blockieren, weil nur eine Zwei-Drittel-Mehrheit im Rat notwendig war.

Spanien ging es dem Vernehmen nach bei seiner Blockade nicht darum, die Geschlechterparität voranzubringen, sondern um einen eigenen Kandidaten. So stand schon vor dem EU-Sondergipfel fest, dass Mersch definitiv in die EZB-Chefetage einzieht. Er folgt damit auf den Spanier José Manuel Gonzalez-Paramo, der bereits im Frühjahr turnusmäßig ausgeschieden war.

«Eine anerkannte und erfahrene Persönlichkeit»

Mersch gehört zu den engsten Weggefährten des früheren luxemburgischen Finanzministers, jetzigen Regierungschefs und Eurogruppen-Vorsitzenden Jean-Claude Juncker. Der luxemburgische Notenbankchef gilt als Unterstützer des stabilitätspolitischen Kurses der Deutschen Bundesbank. Stabilitätspolitik sei aber kein deutscher Exportartikel, sagte er einmal.

Die Euro-Finanzminister hatten Mersch im Juli 2012 für den vakanten Posten im EZB-Direktorium vorgeschlagen, die EZB selbst gab wenig später grünes Licht. Der Luxemburger sei «eine in Währungs- oder Bankfragen anerkannte und erfahrene Persönlichkeit», teilte die Bank nach Beratungen des EZB-Rats mit. Zuvor war die Personalie bereits lange wegen der Wahlen in Frankreich im Mai 2012 blockiert gewesen.

Die Forderung der EU-Abgeordneten, Merschs Kandidatur doch noch scheitern zu lassen, blieb unerfüllt. Zwar seien mehr Frauen in Führungspositionen nötig, aber der EZB-Posten müsse «dringend» besetzt werden, hatte Van Rompuy kürzlich im Straßburger Plenum gesagt.