Dienstag3. Februar 2026

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«Ingmar Bergman spendet Trost»

«Ingmar Bergman spendet Trost»
(Jan Versweyveld)

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Für Ivo van Hove, Intendant der Toneelgroep Amsterdam, ist Ingmar Bergman einer der größten Künstler des letzten Jahrhunderts. Ein Gespräch.

Nach «Szenen einer Ehe» und «Schreie und Flüstern» bringt Ingmar Bergman in einer Koproduktion mit dem Grand Théâtre nun Bergmans «Nach der Probe» und «Persona» auf die Bühne,
zwei Stücke, die sich mitdem Sinn und der Aufgabe von Theater beschäftigen.
Ein Gespräch.

Logo" class="infobox_img" />Ivo van Hove (Bild: Jan Versweyveld)

Nach der Probe / Persona
Ingmar Bergman
auf Holländisch, mit französischen und englischen Untertiteln

Mit: Gijs Scholten van Aschat, Marieke Heebink, Frieda Pittoors, Karina Smulders

Regie: Ivo van Hove

Dramaturgie: Peter van Kraaij

Bühne: Jan Versweyveld

Kostüme: An d’Huys

Vorstellungen: Freitag, den 18. und Samstag, den 19. Januar um 20 Uhr im Grand Théâtre

Tickets und Info:

www.theatres.lu

www.luxembourgticket.lu

Nach «Szenen einer Ehe» (2005) und «Schreie und Flüstern» (2009) inszenieren Sie nun wieder zwei Stücke von Ingmar Bergman. Woher kommt Ihr Interesse für den schwedischen Autor und Regisseur?

«Das ist ganz einfach. Ingmar Bergman ist ein großer Humanist. Er spendet wirklich Trost. Auch nach den Vorstellungen von ‚Nach der Probe / Persona‘ weint das Publikum manchmal. Aber es ist kein unangenehmes Weinen, es ist eher befreiend. Sie haben etwas erlebt, das ganz nah an ihrem Leben dran war. Ingmar Bergmans Texte und Filme sind immer sehr persönlich und besitzen gleichzeitig eine – auch wenn das ein bisschen doof klingt – universale Kraft. Bergman versteht man überall in der Welt.»

Was haben Sie von Bergman über den Menschen gelernt?

«Das ist es ja gerade: Er ist ein Humanist, aber kein Moralist. Er sagt nicht, wie der Menschen zu sein hat. Er urteilt nicht über das Gute und Böse im Menschen. Bergman geht es alleine darum, zu zeigen, dass nichts unmenschlich ist, dass nichts Menschliche uns fremd sein kann und dass wir das akzeptieren müssen.»

Beide Stücke, «Nach der Probe» und «Persona», beschäftigen sich mit dem Theater …

«Es gibt immer mehrere Möglichkeiten, sich mit einem Thema auseinanderzusetzen. In beiden Stücken stellt Bergmann die Frage, was Theater, was die Kunst für uns bedeutet, für den Menschen und für die Gesellschaft. In ‚Nach der Probe‘ bedeutet das Theater alles für einen Regisseur, seine Inszenierungen sind seine Tagebücher. Das fiktive Leben ist für ihn realer als sein eigenes. In ‚Persona‘ hört eine großartige Schauspielerin plötzlich mitten in ‚Electra‘ auf, zu spielen, da das Theater ihr auf einmal nichts mehr bedeutet. Sie schweigt, nur am Ende sagt sie ein Wort. Bergman bringt uns zum Nachdenken, aber wir müssen selbst unsere Konsequenzen daraus ziehen. Er ist nicht wie Brecht, der eindeutig sagt, wie wir leben sollen. Und deshalb ist Bergman für mich einer der größten Künstler des 20. Jahrhunderts: Er schreibt in die Tiefe. Er hat keine Angst, auch unsere dunkle, unsere zynische Seite zu zeigen. Es gibt bei Bergman immer ein Ende, eine Katharsis, aber wirklich auf die griechische Art, und nicht à la Hollywood. Nicht ‚alles ist gut und wir machen weiter‘, nein, Bergman konfrontiert uns wirklich mit der Frage, wie wir sein können.»

Für den Regisseur in «Nach der Probe» bedeutet Theater alles, für die Schauspielerin aus «Persona» nichts. Ist Theater alles oder nichts?

«Man geht ins Theater, um die Extreme zu sehen. Um zu sehen, wie Macbeth Kinder, wie Medea ihre eigenen Kinder tötet. Im Theater geht man in eine extreme Situation, die dennoch fast immer ambivalent ist. So wie auch bei ‚Nach der Probe‘ und ‚Persona‘. Der Regisseur sieht im wahren Leben nur Chaos, seine Beziehungen sind Katastrophen. Er flüchtet sich aus dem Leben ins Theater. Doch das gelingt ihm natürlich nicht. Und die Schauspielerin in ‚Persona‘ sagt nach ihrem Schweigen plötzlich am Ende ein Wort. Ich verrate jetzt nicht welches, aber für mich ist klar, dass sie wieder auf die Bühne zurückkehren und spielen wird. Auch hier hat Bergman eine Doppeldeutigkeit geschaffen.»

Wie ist es für Sie, mit Filmen anstatt mit Texten als Ausgangspunkt zu arbeiten?

«Das mache ich nicht. ‚Nach der Probe‘ habe ich noch nie gesehen und ‚Persona‘ als ich Anfang 20 war. Die Filme spielen für meine Inszenierung keine Rolle. Es ergibt ja auch keinen Sinn, für eine Hamlet-Inszenierung die zuletzt gesehene Aufführung zu bearbeiten. Sondern ich lese den Text und gehe davon aus. Bergmans Drehbücher sind unser Material, nicht die Filme.»

Das Grand Théâtre ist Koproduzent für «Nach der Probe/Persona». Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Frank Feitler?

«Ich habe Frank vor etwa zwei Jahren kennengelernt. Es hat sich gleich gut angefühlt. Ich bin dann nach Luxemburg gekommen und habe mir das Theater, das fabelhafte Theater, angesehen. Ich habe mit ihm über meine Pläne gesprochen, und er hat direkt gesagt, dass er gerne das Bergman-Projekt mit mir machen wolle. Natürlich wollen wir auch in der Zukunft weiter zusammenarbeiten, selbst wenn Frank in ein paar Jahren nicht mehr da sein wird. Er hat den Weg dafür geebnet.»